Wandverkleidung aus Acrylglas

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Acrylglas an der Wand – eine Alternative für das Bad

In den meisten Bädern sind die Wände verfliest, zumindest in der Dusche und an der Badewanne, am Waschbecken und am WC. Oft aber auch flächendeckend. Fliesen sind eine bewährte Lösung, aber es gibt Alternativen.

Eine davon sind Acrylglasplatten. Es handelt sich um einen speziellen Kunststoff, der in den verschiedensten Bereichen eingesetzt wird. Umgangssprachlich wird er oft als Plexiglas bezeichnet, aber das ist der Handelsname eines Herstellers. Außerdem hat das Wort einen Beigeschmack eines nicht immer besonders wertig aussehenden Ersatzmaterials für Glas. Das aber ist nicht mehr angemessen.

Duschrueckwand aus Plexiglas © Evonik Performance Materials GmbH
Duschrückwand aus Plexiglas © Evonik Performance Materials GmbH

Fertigsystem oder Eigenbau?

Generell sind für die Verkleidung von Wänden im Bad mit Acrylglasplatten zwei Varianten denkbar. Erstens gibt es fertige Systeme, mit dem richtigen Klebstoff, passenden Profilen und einschlägigen Montageanleitungen. Zumeist wird dabei 4 Millimeter starkes Acrylglas verbaut, die Profile haben zumeist die Optik von Aluminium oder Chrom.

Aber das ist die teurere Variante. Wer geschickt ist und mit Überlegung arbeiten kann, der kann sich großformatige Acrylglasplatten besorgen und Metallprofile einbauen, wie sie viele Baumärkte ständig im Sortiment haben. Natürlich muss dabei auf die speziellen Anforderungen geachtet werden, die im Badezimmer auftreten – so müssen alle Übergänge und Verbindungen absolut wasserdicht sein, und es darf nur nichtrostendes Material verwendet werden, etwa bei den Schrauben. Ein versierter Heimwerker bekommt das hin, ein blutiger Anfänger sollte womöglich in einem Kellerraum üben, der keine großen optischen und technischen Anforderungen stellt.

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Weniger Lärm und Dreck

Was aber spricht für eine Wandverkleidung mit Acrylglas? Ein großer Vorteil ist, dass man die Nachteile des Fliesens nicht hat, das nämlich aufwändiges Verfahren ist, das Übung verlangt und keinen Fehler verzeiht. Natürlich können kompetente Handwerker diese Arbeiten erledigen, aber das wird schnell teuer. Beauftragt man einen Profi mit einer Wandverkleidung aus Acrylglas, ist der reine Arbeitslohn auf jeden Fall niedriger.

Ins Gewicht fällt dabei auch, dass in jedem Bad eigentlich schon Fliesen sind – vom Neubau einmal abgesehen. Diese abzubauen, ist mit viel Aufwand, Lärm und Staub verbunden. Eine Acrylglasverkleidung lässt sich, weil sie weniger Platz braucht, einfacher auf vorhandene Fliesen befestigen. Das ist aber nur eine ganz allgemeine Regel – wenn dieses Kriterium richtig ist, sollte man die örtlichen Verhältnisse genau prüfen. Bringt man eine neue Wandverkleidung in eine Nische ein und passt das teure Waschbecken plötzlich nicht mehr hinein, dann ist das sehr ärgerlich.

Ein Material für Kreative

Entscheidet man sich dafür, die Wandverkleidung aus Acrylglas selbst zu bauen, dann hat das den Vorteil, dass man aus einem sehr breiten Sortiment wählen kann. Natürlich bieten auch die fertigen Systeme einige Varianten an, können aber in Sachen Auswahl mit den Fliesen nicht mithalten. Wer selbst baut, der bekommt transparente, milchglasartige und farbige Platten, wobei die transparenten Platten in der Regel nicht in Frage kommen – wer möchte schon alte Fliesen oder eine verputzte Wand sehen. Aber Ausnahmen sind denkbar; eine alte Wand aus Backsteinen kann hinter einer transparenten Platte eine sehr spannende Optik bieten. Acrylglasplatten gibt es auch matt, getönt, fluoreszierend und verspiegelt – und selbstverständlich darf man alles miteinander kombinieren. Wer die nötige Vorstellungskraft und eine künstlerische Ader hat, kann spannende Effekte erzielen.

Als optischen Vorteil kann man es auch ansehen, dass es bei Acrylglasplatten keine Fugen gibt. Das lässt gerade kleine Badezimmer großzügiger wirken. Die glänzenden Oberflächen erzeugen auch schnell ein edel wirkendes Design. Aber es geht nicht nur um die Optik, Fugen verlangen bei gefliesten Flächen bei der Reinigung immer eine besondere Aufmerksamkeit. Und wo es keine Fugen gibt, können sie auch nicht unansehnlich werden im Laufe der Jahre.

Vorsicht bei der Reinigung

Acrylglasplatten werden als leicht zu reinigen beschrieben, man braucht nicht mehr als ein weiches Tuch, ein wenig Spülmittel und Wasser. Aber aufgepasst, ganz so unkompliziert, wie es auf den ersten Blick klingt, ist es nicht – die Übergänge an den Profilen sind bei Acrylglaswänden das, was bei den Fliesen die Fugen sind. Natürlich gibt es nur wenige solcher Übergänge, aber überschätzen sollte man diese Zeitersparnis nicht.

Die Hersteller der Acrylglasplatten betonnen, diese seien resistent gegenüber Reinigungschemikalien, Temperaturschwankungen und hoher Luftfeuchtigkeit. Für Fliesen ist dies seit Jahrzehnten nachgewiesen, dabei geht man kein Risiko ein. Mit Chemikalien ist bei Kunststoffen immer eine gewisse Vorsicht geboten und ein Test an unauffälliger Stelle nicht falsch. Hier ist man auf der sicheren Seite, wenn man auf ein fertiges System setzt, denn die Hersteller geben gewisse Garantien.

Generell sollte Acrylglas nicht mit Alkohol, Aceton, Lösungsmitteln und Benzin in Berührung kommen. Dass man diese Flüssigkeiten im Badezimmer nicht benutzt, ist kein gültiges Argument – Nagellackentferner, Haarspray und Mundwasser können genau diese Stoffe enthalten.

Die Rede ist seitens der Hersteller auch von kratzfesten Beschichtungen. Auch das spricht für die fertigen Systeme und dafür, sich für einen Test vor der Kaufentscheidung ein Reststück geben zu lassen. Denn es gibt durchaus Varianten von Acrylglas, auf denen man leicht feinste Kratzspuren erzeugen kann, die die Oberfläche unansehnlich werden lassen. Manches lässt sich durch Polieren wieder beseitigen, aber nicht alles. Auch der Selberbauer sollte da erst mit einem kleinen Stück ein paar Tests machen – auch wenn man gerne mit der Badrenovierung loslegen möchte. Dutzende von Kratzern nach der zweiten Reinigung lassen die Freude am neuen Bad schnell verfliegen. Bei der Reinigung sollte man auf Scheuermittel und harte Putzschwämme schon verzichten.

Selbermachen sparen ein Drittel

Für viele ein durchaus wichtiger Faktor sind die Kosten. Aktuell, 2019, werden Acrylplatten im fertigen System, 100 mal 255 cm, zumeist für mindestens 350 Euro angeboten. Die Platten werden senkrecht montiert, dieser Betrag wird also für jeden laufenden Meter Wand fällig. Möchte man dagegen beispielsweise nur einen 1,20 Meter hohen Wandabschnitt verkleiden, reicht jede Platte für zwei Meter. Gebraucht wird auf jeden Fall noch ein Set mit Montagematerial, ca. 40 Euro, und Flächenkleber, 170 Euro. Ein jedes Profil fällt noch einmal mit rund 50 Euro ins Gewicht. So kommt man, zum Beispiel, für die Verkleidung einer drei Meter lange Wand, schnell auf einen Betrag von 1500 Euro.

Wer Acrylglasplatten bestellt und die Verkleidung selbst konstruiert, muss ohne Bauanleitung und die Vorteile von aufeinander abgestimmten Komponenten auskommen. Dafür kann er farbige Acrylglasplatten für 70 Euro pro Quadratmeter bekommen, das ist die Hälfte des Preises für Fertigsysteme. Auch die meisten Profile sind im Baumarkt deutlich günstiger. Es empfiehlt, sich ein Montageset und den Spezialkleber aus einem der Fertigsysteme zu kaufen, denn die Alternativen sind nicht billiger. Insgesamt kommt der Selberbauer auf Kosten von weniger als 1000 Euro für die beispielhaft berechnete drei Meter lange Wand.

Mit Blick auf die Kosten empfiehlt sich aber, die Badrenovierung komplett zu planen, aktuelle Preise für das Material einzuholen und dann zu kalkulieren. Der Unterschied zwischen dem Fertigsystem und der Eigenbau-Variante kann nämlich auch größer oder kleiner auffallen – das hängt von den Gegebenheiten ab, aber etwa auch vom gewünschten Material.

Übrigens: Der Vergleich mit dem Fliesen ist schwierig, da die Kosten für die Fliesen selbst sehr unterschiedlich sind. Wer selbst Fliesen kann, muss zum Quadratmeterpreis der Fliesen noch etwa 10 Euro für Kleber, Grundierung, Fugenmasse und anderes rechnen. Braucht man einen Handwerker, kann man pro Quadratmeter 50 Euro Kosten ansetzen, ohne Material, für einfache Flächen. Gibt es viele Ränder und andere Spezialitäten, wird es deutlich teurer. Ein Kostenvoranschlag kann helfen!

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