Abwasserleitungen: Gefälle, Material und Durchmesser

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Abwasserleitungen: Gefälle, Material und Durchmesser müssen stimmen

Orange, grau, schwarz – im gut sortierten Baumarkt trifft man auf eine größere Auswahl von Abwasserrohren unterschiedlichster Längen, Farben und Dicken. Wer selbst eine solche Leitung verlegen will, kann nicht danach gehen, welche Farbe ihm am besten gefällt. Die richtige Leitung an die richtige Stelle – nur so kann es gehen.

Abwasserrohre © Dieter Pregizer, stock.adobe.com
Abwasserrohre © Dieter Pregizer, stock.adobe.com

Einen Überblick verschafft man sich am besten, wenn man den Weg des Abwassers verfolgt.

  • Anschlussleitungen nehmen das Wasser an der Toilette, am Waschbecken, in der Dusche und an allen anderen Stellen auf, wo es anfällt.
  • Die Anschlussleitungen werden in Sammelanschlussleitungen zusammengeführt, sofern es mehrere Anschlussleitungen nahe beieinander gibt. Meistens ist das der Fall – in fast jedem Badezimmer gibt es einen Anschluss für Waschbecken, Toilette und Dusche.
  • Die Sammelanschlussleitungen führen zu den Fallrohren, durch die das Abwasser senkrecht durch alle Stockwerke fließt. Es wird immer angestrebt, die Fallleitungen ohne irgendwelche Verschwenkungen zu verlegen.
  • Die Sammelleitung verbindet, zumeist im Kellergeschoss, mehrere Fallrohre, miteinander, sofern es diese gibt.
  • Die Grundleitung schließlich führt das Abwasser aus dem Haus in die öffentliche Kanalisation.

Für jede dieser Leitungen gibt es Vorschriften und Normen, wie sie verlegt werden müssen, zu Abständen und Einmündungswinkeln, zum Querschnitt und zum Gefälle von Leitungsrohren. Wer ein ganzes Haus zu entwässern hat, der wird damit Planer und Handwerker beauftrage, die all diese Vorgaben kennen und berücksichtigen. Kleinere Ergänzungen und Umbauten kann der Heimwerker durchaus bewältigen für ihn sind die Hinweise hier gedacht.

Eines der Prinzipien, die unbedingt beachtet werden müssen, ist die Trennung von Regen- und Schmutzwasser im Gebäude. Zusammengeführt werden darf beides nur außerhalb des Gebäudes und auch nur, wenn es in der Straße einen gemeinsamen Kanal für beides gibt. Ob die Kommune ein Trennsystem oder ein Mischsystem in der Straße angelegt hat, das kann man im Rathaus erfahren. Bei Arbeiten im Haus selbst ist das aber ohne Belang, denn dort muss es ohnehin bei der Trennung bleiben.

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Für jeden Zweck das richtige Rohr

Im Haus selbst werden zumeist sogenannte HT-Rohre verlegt. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie hitzebeständig sind – wichtig ist das vor allem in der Küche, wo gelegentlich heiße Flüssigkeiten in den Abfluss geraten. HT-Rohre sind grau, es gibt aber auch eine schallgedämmte Variante in Blau. Diese sind etwas teurer, ihre Verwendung empfiehlt sich vor allem, wo diese Leitungen lediglich durch eine Gipskartonverkleidung von Wohnräumen getrennt werden.

Im Unterschied dazu halten die orangefarbenen KG-Rohre keine höheren Temperaturen aus. Das ist aber kein Problem, denn sie werden im Außenbereich verwendet – bis dahin ist das Wasser zumeist deutlich abgekühlt. Dafür sind sie robuster als HT-Rohre. Trotzdem sollten sie nicht freiliegend verlegt werden, dafür gibt es eine noch haltbarere Variante, die man an der grünen Farbe erkennt.

Bei den schwarzen Rohren handelt es sich um PE-Rohre. Sie sind ebenfalls aus Kunststoff, aber dickwandiger als HT- oder KG-Rohre. Sie werden als Grundleitung eingebaut, gerne auch in Gartenhütten und ähnliche Nebengebäuden, wenn es zum Beispiel um den Transport von Regenwasser geht.

Alle anderen Rohre kann man heute eher als exotisch einstufen. Aus Steinzeug-Rohren wurde früher die öffentliche Kanalisation gebaut, sie sind sehr haltbar, aber deutlich teurer; der Privatmann wird auch bei seiner Grundleitung kaum darauf zurückgreifen. Eine preiswertere Variante für den gleichen Einsatzbereich sind Betonrohre. Edelstahlrohre verbaut man im Haus, wenn es besonders haltbar sein soll, oder auch aus optischen Gründen, wenn es sich um sichtbare Leitungen handelt. GFK-Rohre werden verwendet, wenn das Abwasser Chemikalien enthält; sie bestehen aus Glasfasern und Kunststoff.

Auf den Durchmesser kommt es an

Das Thema der richtigen Dimensionierung ist nicht so unkompliziert, wie es scheint. Dass es zu Staus kommt, wenn die Rohre zu eng sind, liegt auf der Hand. Zu große Querschnitte aber können dazu führen, dass Feststoffe nicht weggespült werden, weil der Wasserstrom zu flach ist. Die Dimensionierung hängt auch von der voraussichtlichen Zahl der Bewohner und der Zahl der Anschlussobjekte ab, die entsprechenden Formen finden sich in der DIN 1986, Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke, Teil 100.

Es gibt aber Faustregeln, die man bei kleineren Projekten anwenden kann. Rohrdurchmesser werden mit der Buchstabenkombination DN gekennzeichnet dabei ist DN10 ein Rohr mit einem Zentimeter Durchmesser. Folgende Größen sind in der Regel geeignet

  • DN40 für Bidets und Waschbecken
  • DN50 für Dusche, Badewanne, Urinal, Spüle, Geschirrspüler, Waschmaschinen bis 6 Kilogramm Fassungsvermögen.
  • DN70 für Waschmaschinen bis 12 Kilogramm Fassungsvermögen
  • DN70 für Sammelanschlussleitungen
  • DN80 für WC mit Spülkästen mit bis zu 6 Liter Fassungsvermögen
  • DN80 oder mehr für Fallrohre
  • DN100 für WC mit Spülkästen mit mehr als 6 Litern Fassungsvermögen
  • DN100 oder mehr für Grundleitungen

Der private Heimwerker wird vor allem in die Lage kommen, Anschlussleitungen zu bauen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sie nicht länger als vier Meter sein dürfen, und es dürfen nicht mehr als drei 90-Grad-Bögen verbaut werden. Das Gefälle beträgt einen Zentimeter auf einen Meter. Handelt es sich um eine belüftete Leitung, reicht ein Gefälle von 5 Millimeter auf einen Meter, außerdem darf dieses Rohr zehn Meter lang sein.

Das Gefälle bei Grund- und Sammelleitungen ist zumeist abhängig von den örtlichen Verhältnissen, vor allem von der Lage der Kanalisation in der Straße. Trotzdem darf das Gefälle einen Wert von 5 Prozent nicht überschreiten. Andernfalls fließt das Wasser zu schnell ab und es besteht die Gefahr, dass Feststoffe nicht weggeschwemmt werden. Das kann zu massiven Verstopfungen an schwer zugänglichen Stellen führen.

Belüftung muss sein

Leicht unterschätzt wird auch das Thema der Belüftung. Wenn viel Wasser durch die Rohre fließt, können auch erhebliche Mengen Luft durch die Rohre geschoben werden. Dabei besteht die Gefahr, dass das Wasser aus den Siphons gesaugt wird. Dies führt dazu, dass Gerüche aus den Leitungen in die Räume gelangen können. Der Bau von Lüftungsrohren unterliegt ebenfalls genauen Normen.

Was gibt es noch zu beachten? Außerhalb von Gebäuden sollte Abwasserrohre mindestens 80 Zentimeter unter der Oberfläche verlegt werden, um ein Einfrieren bei Frost zu vermeiden. Legt man eine Durchführung durch eine Hauswand an, muss sie wasser- und gasdicht sein, dafür steht passendes Material zur Verfügung. Besteht die Gefahr von Setzungen, muss an dieser Stelle eine flexible Dämmung eingebaut werden, die eine Beschädigung der Rohre verhindert. Je nach Bundesland gibt es Vorgaben zur regelmäßige Überprüfung der Dichtigkeit der Grundleitungen, auch diese kann man bei der Kommune erfragen.

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