Latexfarbe

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Latexfarbe – klassische und moderne Varianten für wasch- und scheuerbeständige Anstriche

Latex (Plural: latices) ist das lateinische Wort für Flüssigkeit, mit dem auch verschiedene natürliche und synthetische Polymerdispersionen bezeichnet werden. Eine recht bekannte, natürlich vorkommende Dispersion (Naturlatex) ist der Milchsaft des Gummi- oder Kautschukbaums, der als Bindemittel für echte Latexfarben verwendet wird. Die Basis dieser klassischen Farbe ist also eine streichfähige Emulsion aus Wasser und Kautschuk, der neben Farbpigmenten verschiedene Füllstoffe beigemischt sein können.

Echte latexfarbe: Ein Mix aus natürlichen Zutatenn
Echte latexfarbe: Ein Mix aus natürlichen Zutatenn

Echte Latexfarbe – Eigenschaften und Anwendung

Echte Latexfarben sind wasserverdünnbar und bilden einen dauerelastischen Film – eine Gummierung – auf der Oberfläche. Nach dem Trocknen ist der Anstrich wasserfest, robust und besonders gut zu reinigen und sauberzuhalten. Latexfarben sind wischfest und abwaschbar, weshalb sie früher häufig in Arztpraxen, Behandlungszimmern, Schulen, Treppenhäusern und anderen stark frequentierten Räumen verwendet wurden, in denen Hygiene und Sauberkeit bzw. einfache Schmutzentfernung im Vordergrund standen. Als es noch keine modernen Dispersionsfarben gab, war Latexfarbe die einzige Beschichtung, von der sich Fett und alle möglichen Verschmutzungen problemlos abwaschen ließen. Die anderen gebräuchlichen Farbarten waren entweder nicht abriebfest (klassische Kalkfarbe) oder nicht wasserbeständig (Leimfarbe).

Wand rot streichen © corepics, stock.adobe.com
Wand rot streichen © corepics, stock.adobe.com

Zu den Nachteilen der Latexbeschichtung gehört ihre Wasserdampfundurchlässigkeit. Latexfarben sperren die Oberfläche ab, so dass besonders bei ungedämmten Wänden ein erhöhtes Risiko für Feuchteschäden und Schimmelbildung besteht. Denn die wasser- und dampfdichte Farbschicht verhindert, dass Kondenswasser aus der Wand entweicht. Stattdessen bleibt die von innen nach außen (von warm nach kalt) diffundierende Feuchtigkeit zwischen der Farbe und dem Untergrund eingesperrt, was neben dem Schimmelwachstum auch dazu führen kann, dass sich der Latexanstrich von der Wand abhebt und die Farbe Blasen wirft.

Feuchtigkeit  © miket, stock.adobe.com
Echte Latexbeschichtungen sind undurchlässig für Feuchtigkeit, es besteht daher ein erhöhtes Risiko für Schimmelschäden © miket, stock.adobe.com

Echte Latexfarbe ist zudem sehr aufwendig und teuer in der Herstellung – ein weiterer Grund dafür, dass sie inzwischen fast vollständig vom Markt verschwunden sind. An ihre Stelle sind moderne Latexfarben getreten, die mit dem ursprünglichen Produkt jedoch nur noch den Namen gemeinsam haben. Was heute im Baumarkt oder Farbhandel unter dem Namen „Latexfarbe“ verkauft wird, ist in aller Regel Dispersionsfarbe, die als Bindemittel Kunstharz enthält.

Das klingt zwar ein wenig nach Etikettenschwindel, weil der Begriff „Latex“ üblicherweise mit Gummi bzw. Naturkautschuk assoziiert wird, doch in diesem Fall kann man getrost darüber hinwegsehen. Denn die modernen Varianten der Latexfarbe bringen die positiven Eigenschaften des Klassikers – Wasserbeständigkeit, Abwaschbarkeit und Strapazierfähigkeit – mit, sind aber im Vergleich zur echten Latexfarbe preisgünstiger, einfacher zu verarbeiten und auch im Hinblick auf die Diffusionseigenschaften besser für das Raumklima. Außerdem können, wie eingangs erwähnt, auch andere Dispersionen als Latices bezeichnet werden.

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Was Sie über moderne Latexfarben wissen sollten

Moderne Latexfarben enthalten keinen Naturlatex mehr. Woraus die Farbe besteht, können Sie auf dem Etikett des Gebindes oder im technischen Datenblatt nachlesen. Achten Sie auch auf die Angaben zur Abriebfestigkeit, Wasch- und Scheuerbeständigkeit – meist wird Latexfarbe ja vor allem wegen dieser Eigenschaften eingesetzt.

Hinweis: Um die Abriebbeständigkeit von Wand- und Deckenfarben bei wiederholter Reinigung zu beurteilen, sind in der Europäischen Norm (EN) 13300 fünf Widerstandsklassen definiert. Klasse 1 entspricht der höchsten Abriebbeständigkeit und ist empfehlenswert für extrem beanspruchte Flächen. Farben der Klasse 5 weisen die niedrigste Abriebbeständigkeit auf.

Die frühere Bezeichnung „scheuerbeständig nach DIN 53778“ entspricht Klasse 2 nach EN 13300; die Bezeichnung „waschbeständig nach DIN 53778“ der heutigen EN-Norm-Klasse 3.

Nach wie vor kommen Latexfarben vor allem in Innenbereichen zur Anwendung – und hier besonders für stark beanspruchte Oberflächen, die sauber bleiben und daher auch eine regelmäßige feuchte oder nasse Reinigung vertragen müssen. Das können öffentliche Räume, Korridore und Treppenhäuser sein, aber auch Küchen oder Badezimmer. Verarbeitet wird die Farbe wie andere Dispersionsfarben: Das streichfertige Produkt wird gründlich aufgerührt und dann mit Rolle und Pinsel aufgetragen.

Latexfarben sind vergleichsweise dünnflüssig und mit verschiedenen Oberflächenstrukturen von seidenmatt bis hochglänzend erhältlich. Die glatte Oberfläche soll auch verhindern helfen, dass sich Schmutz- und Staubpartikel, Bakterien oder Pilze in der Farbe festsetzen. Manchen Latexfarben sind außerdem Fungizide oder andere Chemikalien zugesetzt, um das Risiko der Schimmelbildung noch weiter zu reduzieren. Andere enthalten spezielle Beimischungen für dekorative Effekte, z. B. eine besonders seidige, schimmernde oder angenehm weiche Oberfläche.

Küche mit Steinboden © sebastien, fotolia.com
Küche mit türkis gestrichener Rückwand © sebastien, fotolia.com

Dennoch sind auch die modernen Latexfarben nicht diffusionsoffen wie rein mineralische Silikat- oder Kalkfarben, sondern bilden einen Kunststoffüberzug, der dafür sorgt, dass die Wand allenfalls einen Teil der Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und wieder an sie abgeben kann. Im Vergleich zu anderen Dispersions-Wandfarben enthalten hochwertige Latexfarben sehr viel „klebriges“ Bindemittel. Die dadurch bedingte Filmbildung macht sie so strapazier- und reinigungsfähig, verschließt jedoch gleichzeitig die Poren des Untergrunds.

Latexfarben können gegen Feuchtigkeit schützen
Latexfarben können gegen Feuchtigkeit schützen

Besonders bei dickerem Auftrag oder mehreren Farbschichten können also durchaus die gleichen Probleme mit Staunässe auftreten wie bei dem Naturlatex-Klassiker. Wenn Latexfarbe auf die Innenseite einer ungedämmten Außenwand aufgebracht wird, erhöht sich im kälteren Teil der Wand und im Bereich von Wärmebrücken das Risiko für Tauwasserausfall, der die Schimmelbildung begünstigt.

Dasselbe gilt in Küchen oder Bädern: Die eher undurchlässige Farbe kann die nutzungsbedingten Schwankungen und Spitzen der Luftfeuchtigkeit lediglich in geringem Maß puffern oder ausgleichen. Zugesetzte Schimmelhemmer etc. sind oft gesundheitlich bedenklich und können mit der Zeit ihre Wirkung verlieren.

Latexfarben gibt es für innen und außen. Produkte, die als Außenfarbe deklariert sind, sollten wegen der möglichen Schadstoffbelastung allerdings nie für Innenräume verwendet werden. Und auch für den Außenbereich gibt es verträglichere und effizientere Alternativen, etwa Silikat- oder Silikonharzfarben für die Fassade.

Latexfarbe überstreichen

Echte Latexfarbe kann mit anderen Farben nicht überstrichen werden. Bei den modernen Varianten ist das anders: Die meisten lassen sich problemlos mit anderen Dispersionsfarben überstreichen. Für gute Deckung und ein schönes Ergebnis sollten Sie den Altanstrich vorher reinigen und die Oberfläche gegebenenfalls ein wenig aufrauen (von Hand mit feinem Schleifpapier oder mit dem Schwingschleifer). Beachten Sie auch, dass sich hochglänzende („fette“) Latexfarben nicht so gut mit matten oder „mageren“ Farben überstreichen lassen wie umgekehrt.

Alte Latexfarbe entfernen

Mit alten Latexanstrichen gibt es immer wieder Probleme, weil echte Latexfarbe weder überstrichen noch übertapeziert werden kann. Die einzig vernünftige Lösung ist also, die Beschichtung komplett zu entfernen. Das ist allerdings kein Kinderspiel, denn nur in den seltensten Fällen lässt sich die Farbe wie eine Gummischicht oder Folie vom Untergrund abziehen. In der Regel müssen Renovierer und Sanierer grobe Methoden anwenden, um echte Latexfarbe loszuwerden.

Am schnellsten entfernen Sie einen alten Latexanstrich, indem Sie den Putz samt der Farbe abschlagen oder abfräsen. Dabei entstehen jede Menge Staub und Schutt, Sie brauchen also Schutzkleidung und Atemschutz und müssen sich um die fachgerechte Entsorgung der Reste kümmern.

Mit Latex gestrichene Tapeten müssen ebenfalls komplett runter – notfalls auch mitsamt dem Putz, bevor die Arbeit in tagelanges Gekratze und Gefummel ausartet. Denn wenn sich die Tapete nicht trocken abziehen lässt, müssten Sie, um den Kleister mit Wasser ein- oder aufzuweichen, vorher die wasserdichte Latexschicht zerstören, etwa durch Einritzen mit dem Cutter. Ersparen Sie sich diese mühselige und frustrierende Arbeit und opfern Sie lieber ein wenig Putz. Nachher reparieren Sie den Untergrund mit Spachtel oder ziehen einen neuen Putz auf.

Latexfarben verbindet sich oft untrennbar mit dem Untergrund
Echte Latexfarben verbindet sich oft untrennbar mit dem Untergrund
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Eine andere Möglichkeit ist das Erhitzen der Latexfarbe mit einem Heißluftfön oder Brenner. Die Farbschicht löst sich dadurch vom Untergrund und kann dann mit Ziehklinge oder Spachtel entfernt werden. Diese Methode funktioniert umso besser, je glatter und fester der Untergrund ist. Bei Holz und anderen brennbaren Untergründen müssen Sie gut aufpassen, damit nichts versengt wird oder plötzlich in Flammen steht. Und natürlich müssen Sie auch bei dieser Arbeit Schutzkleidung tragen und wegen der gesundheitsschädlichen Dämpfe für gute Belüftung sorgen.

Latexfarbe abzuschleifen ist zwar grundsätzlich auch möglich, doch sehr aufwendig und materialintensiv, da der enthaltene Gummi jedes Schleifpapier zusetzt. Besser fahren Sie mit groben Werkzeugen, etwa einer Drahtbürste (als Aufsatz für Bohrmaschine oder Winkelschleifer) oder der Sanierfräse. Einem Altanstrich, der sich bereits von selbst löst, Blasen wirft oder abblättert, können Sie auch mit einem Hochdruck- oder Dampfreiniger zu Leibe rücken.

Um echte Latexfarbe von glatten Putzen zu entfernen, ohne den Untergrund zu beschädigen, können Sie auch ein Abbeizmittel verwenden. Spiritus hat sich hier gut bewährt und ist zudem viel günstiger und verträglicher als chemische Abbeizer. Reiben Sie die Fläche gut mit Spiritus ein und lassen Sie ihn 4 bis 6 Stunden einwirken. Dann kratzen Sie den Altanstrich mit Klinge oder Spachtel ab.

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