Lehmfarbe

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Lehmfarbe – Naturfarben für schöne Wände und gesundes Raumklima

Lehmfarbe ist ein sehr altes Anstrichmittel. Im Zuge der Rückkehr zu ökologischen, umweltfreundlichen und naturgesunden Baustoffen ist die Nachfrage nach Lehmfarben in den letzten Jahren wieder stetig angestiegen. Dasselbe gilt für andere Lehmprodukte für den Innenbereich, zum Beispiel Lehmputze.

Lehmfarben ergeben samtig-matte („tuchmatte“) Oberflächen; seidenglänzende oder hochglänzende Anstriche lassen sich damit nicht bewerkstelligen. Die Farben können mit Pinsel oder Bürste, Rollen und sogar Farbsprühgeräten aufgetragen werden und eignen sich für viele Untergründe. Weil sie auf Holz, zum Beispiel alten Balken, sehr gut haften, kommen Lehmfarben bei vielen Altbausanierungen zum Einsatz, auch in denkmalgeschützten Gebäuden vom alten Herrenhaus bis hin zu historischen Höfen, Klöstern oder Scheunen.

Vorteile von Lehmfarben

  • 1. Wohngesundheit

    Lehmfarben werden vor allem wegen ihrer positiven Wirkung auf das Wohn- und Raumklima geschätzt. Reine Lehmfarben, die ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe enthalten, sind diffusionsoffen (wasserdampfdurchlässig, „atmungsaktiv“). Die Farbe kann also viel Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und diese bei Bedarf wieder abgeben. So hilft der Anstrich beim Regulieren der Luftfeuchtigkeit und schafft das Wohlfühlklima, für das Lehmfarben bekannt sind.

    Lehmfarbe Inhaltsstoffe © Iryna, stock.adobe.com
    Lehmfarben basieren auf natürlichen Inhaltsstoffen und sind daher auch für Allergiker unbedenklich © Iryna, stock.adobe.com

    Weil sie hautfreundlich, frei von Schadstoffen und außerdem antistatisch sind, eignen sich Lehmfarben optimal für Allergiker. Weil die Farbe sich nicht elektrostatisch aufladen kann, zieht sie keine Staub- und Schmutzpartikel an, was bedeutet, dass sich deutlich weniger Allergene (zum Beispiel Hausstaub oder Pollen) an den Wänden und somit im Raum anlagern. Darüber hinaus hat Lehmfarbe in gewissem Maß die Fähigkeit, Schadstoffe, Ausdünstungen und unangenehme Gerüche (beispielsweise Rauch) zu binden und zu absorbieren.

  • 2. Nachhaltigkeit

    Bei der Herstellung von Lehmfarbe wird nur wenig Primärenergie benötigt, denn das Grundmaterial (Ton bzw. Lehm) ist reichlich vorhanden und einfach abzubauen. Ton für natürliche Lehmfarben wird in vielen Regionen Deutschlands gewonnen, sodass es auch nicht schwierig ist, lokale Händler zu unterstützen und gute regionale Produkte mit kurzen Transportwegen zu bekommen.

    Lehm ist außerdem recyclingfähig und wiederverwendbar, denn das getrocknete Material kann durch erneutes Zugeben von Wasser wieder verarbeitungsfähig gemacht und neu geformt werden. Das macht den Baustoff Lehm nicht nur aus baubiologischer Sicht interessant, sondern sorgt auch für eine sehr gute Ökobilanz.

  • 3. Brandsicherheit

    Obwohl Lehmfarben nicht zu den reinen Mineralfarben gehören, sind sie aufgrund ihrer überwiegend mineralischen Zusammensetzung nicht brennbar.

  • 4. Viele Gestaltungsmöglichkeiten

    Durch dünneres oder dickeres Anrühren der Lehmfarbe und unterschiedliche Streich-, Roll- und Spritztechniken lässt sich die Oberfläche individuell strukturieren und gestalten. Lehmfarben sind in vielen natürlichen Farbtönen erhältlich, und wer bei der Wandgestaltung ein kreatives Händchen hat, kann sich aus Grundfarben und Zusatzpigmenten eigene Wunschfarbtöne anmischen und diese nach Herzenslust kombinieren, zum Beispiel um mehrfarbige Wände, Bordüren oder schöne Farbverläufe zu schaffen.

  • 5. Haltbarkeit

    Solange der Lehm trocken bleibt, ist seine Haltbarkeit praktisch unbegrenzt.

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Nachteile von Lehmfarben

  • 1. Mehrere Anstriche erforderlich

    Damit eine Lehmfarbe voll deckt, sind in aller Regel mindestens zwei Anstriche nötig.

  • 2. Nur bedingt abriebfest

    Reine Lehmfarben enthalten keine „klebrigen“ Bindemittel (zum Beispiel Kunststoffdispersion). Das bedeutet, dass die Farbe sich bei Berührung und Beanspruchung viel stärker abreibt als handelsübliche Dispersionsfarbe. Aus diesem Grund sind Lehmfarben für Wände, die viel beansprucht werden (zum Beispiel Kinderzimmer, Flur, Treppenhaus) auch nur bedingt geeignet. Statt der ganzen Wand kann alternativ nur der obere Teil mit Lehmfarbe gestrichen werden und der untere Wandteil mit einer abriebfesteren, gegebenenfalls abwaschbaren oder scheuerfesten Farbe.

  • 3. Nur bedingt wasserfest

    Lehmfarbe ist wasserlöslich, also für Feuchträume und Wände mit hoher Feuchtebelastung weniger geeignet. Das bedeutet nicht, dass die Farbe überhaupt kein Wasser verträgt: Hin und wieder ein wenig Spritzwasser, das rasch wieder verdunsten kann, macht dem Lehmanstrich nichts aus. Doch für Wände, die richtig nass und dabei auch noch viel beansprucht werden, zum Beispiel direkt über der Badewanne oder in der Duschkabine, sind Lehmputze und Lehmfarben ungeeignet. Beträgt die Luftfeuchte im Raum dauerhaft mehr als 70 %, wird Lehmfarbe außerdem anfällig für Schimmel.

  • 4. Preis

    Lehmfarben kosten einiges mehr als die Standard-Wandfarben von der Palette im Baumarkt. Die Preise für hochwertige Lehmfarben liegen zwischen ca. 10 und 30 Euro pro Liter. Das gilt sowohl für streichfertige Farben als auch für solche, die sie selbst mit Wasser einmischen. Um optimal einschätzen zu können, wie viel Lehmfarbe bzw. Pulver Sie brauchen und wie teuer der Anstrich wird, lesen Sie die Herstellerangaben (z. B. zu Mischungsverhältnis und Reichweite in m2) – und denken Sie auch daran, dass Sie jede Fläche mindestens zweimal streichen müssen.

Lehmfarbe – Inhaltstoffe

Der Hauptinhaltsstoff einer Lehmfarbe ist fein gemahlenes Tonmehl. Weil es Ton in verschiedenen (Erd-)Farben gibt, kann das Bindemittel hier gleichzeitig als Farbstoff dienen und unterschiedliche Grundfarbtöne definieren. Allein durch natürliche Farbgeber und Pigmente ergibt sich bei den Lehmfarben eine erstaunliche Farbvielfalt – von Weiß-, Beige-, Gold- und Ockertönen über zahlreiche Rot-, Blau- und Grünschattierungen bis hin zu dunklem, fast schwarzem Grau.

Neben dem Grundmaterial können zahlreiche weitere Zuschlagstoffe enthalten sein, etwa Mineralien und Erdpigmente wie farbiger Sand, Marmormehl, Kreide und Porzellanerde, auch Zellulosefasern, Kasein, Pflanzeneiweiße und andere organische Stoffe. Hier hat jeder Hersteller sein eigenes Rezept, um seinen Lehmfarben die beste Deckkraft, Fülle oder Farbsättigung zu verleihen. Wer sich dafür interessiert, findet die Angaben zu den Inhaltsstoffen auf dem Gebinde sowie im technischen Datenblatt des Produkts.

Lehmfarbe fertig angemischt kaufen oder selber anrühren?

Lehmfarbe gibt es als Pulver zum Anrühren mit Wasser oder als streichfertige Mischung im Eimer. Weil fertig angerührte Lehmfarbe jedoch nur sehr kurz haltbar ist, enthalten die gebrauchsfertigen Produkte aus dem Baumarkt Zusatzstoffe wie Konservierungsmittel, die man sich in einem ökologischen Anstrich eigentlich nicht wünscht und die auch nicht nötig wären.

Das Argument, die Fertigmischungen seien für ungeübte Heimwerker leichter zu verarbeiten, ist selbst eine Mogelpackung, denn das Anrühren der Lehmfarbe braucht zwar ein wenig Zeit, ist jedoch kinderleicht. Wenn Sie wollen, können Sie sogar die Hände benutzen oder ein Familienevent daraus machen.

Bei Lehmfarben zum Selbstanrühren beträgt das Mischungsverhältnis üblicherweise zwischen 1:1 (1 kg Pulver auf 1 l Wasser) und 1:2 (1 kg Pulver auf 2 l Wasser). Wenn sie Lehmfarbe in Pulverform kaufen und direkt auf der Baustelle anrühren, sparen Sie sich also nicht nur die überflüssigen, oft schädlichen Zusatzstoffe, sondern müssen auch viel weniger schleppen.

Handwerker arbeitet auf einer Baustelle mit einem Rührgerät © Wellnhofer Designs, stock.adobe.com
Lehmfarbe selber anzurühren ist einfach und mit dem richtigen Werkzeug schnell erledigt © Wellnhofer Designs, stock.adobe.com

Für welche Untergründe ist Lehmfarbe geeignet?

Grundsätzlich verträgt sich Lehmfarbe mit jedem Untergrund, der fettfrei, trocken und saugfähig ist. Sie können mit Lehmfarben also Holz, Putz, Beton, Gipskartonplatten und auch Tapeten streichen. Das Überstreichen von Altanstrichen ist ebenfalls möglich, sofern die alte Farbe noch gut hält. Allerdings müssen sich die beiden Farbarten miteinander vertragen.

Ölfarben, Leim- und Latexfarben sollten nicht mit Lehmfarbe überstrichen werden; dasselbe gilt für andere wasserdichte, nicht saugende Untergründe wie Metall oder Kunststoff (zum Beispiel Vinyltapete). Erstens kann die Lehmfarbe darauf nicht richtig haften, und zweitens kann sie ihre positiven Wirkungen auf das Raumklima nur dann entfalten, wenn auch der Untergrund diffusionsoffen ist.

Das Überstreichen von Kalkanstrichen mit Lehmfarbe ist ebenfalls riskant, weil der neue Anstrich den alten anlösen und der Kalk daraufhin durch den Lehm dringen und die gewünschte Farbwirkung ruinieren kann. Weil jedoch keine gefährlichen chemischen Reaktionen mit Lehmfarbe zu erwarten sind, können Sie bei jedem Untergrund bedenkenlos die Verträglichkeit prüfen, indem sie die Lehmfarbe vorab auf eine kleine Fläche auftragen, trocknen lassen und dann nachsehen und ein bisschen mit dem Fingernagel kratzen.

Bei Wandbeschichtungen ist es immer empfehlenswert, im System zu bleiben, also Putz, Grundierung und Farbe möglichst von der gleichen Art zu wählen. Folgerichtig ist der beste Untergrund für Lehmfarbe ein (ebenfalls diffusionsoffener) Lehmputz. Es werden auch spezielle Grundierungen für Lehmfarbe angeboten, etwa Kasein-Grundierungen, die die Haft- und Abriebeigenschaften der Farbe verbessern können.

Für welche Räume sind Lehmfarben geeignet?

Weil Lehmfarbe hervorragend dazu geeignet ist, die Luftfeuchtigkeit in einem Raum zu regulieren, eignet sie sich ideal für Schlafzimmer und Wohnräume. Lehmfarbe im Badezimmer geht auch, sofern die gestrichenen Wände nicht dauerhaft feucht sind (allenfalls Spritzwasser) und nicht zu stark beansprucht werden. Wände, die häufig mit Haut oder Kleidung in Kontakt kommen und/oder regelmäßig gesäubert werden müssen, sollten nicht mit Lehmfarbe gestrichen werden, da der Anstrich nur bedingt belastbar ist.

Streichen mit Lehmfarbe – Tipps zur Verarbeitung

  • Lehmfarbe anrühren

    Geben Sie das Farbpulver in die vom Hersteller angegebene Menge kaltes Wasser und rühren Sie, bis die Mischung keine Klumpen mehr enthält. Wenn Sie einen Quirl für die Bohrmaschine benutzen, sollte die Bohrmaschine eine stufenlose Drehzahlregelung haben. Nach dem ersten Anrühren lassen Sie die Mischung eine halbe Stunde lang quellen und rühren die Lehmfarbe vor dem Verarbeiten noch einmal kräftig durch.

  • Verarbeitungstechnik

    Wie schon erwähnt, brauchen Sie bei Lehmfarbe mindestens zwei Anstriche für die volle Deckung. Tragen Sie die Farbe nicht zu dick auf, um Anstrichschäden zu vermeiden, und lassen Sie jeden Anstrich vollständig trocknen, bevor sie nächsten auftragen. Solange die Lehmfarbe noch feucht ist, ist sie leicht durchscheinend – sie werden also erst nach dem Trocknen erkennen, ob die Farbe vollständig deckt oder Sie einen weiteren Anstrich auftragen müssen.

    Achten Sie auf die richtige Verarbeitungstemperatur: Sie muss mindestens 8 °C betragen; bei angenehmer Zimmertemperatur kann die Lehmfarbe gut trocknen, und sie haben mehr Freude beim Streichen. Rühren Sie die Farbe zwischendurch immer mal wieder auf.

    Lehmfarbe mit der Bürste streichen: Hier ist die beste Technik der sogenannte Kreuzschlag.

    Auftrag mit der Rolle: die Farbe erst gleichmäßig und satt im Kreuzgang auftragen und dann sofort in eine Richtung abrollen.

    Auftrag mit dem Pinsel: Hier können Sie ganz nach Belieben feine Strukturen und Muster in die Lehmfarbe einarbeiten – gerade oder geschwungen, wie es Ihnen am besten gefällt.

    Zum Auftragen von Lehmfarbe eignen sich Farbrollen mit mittellosem Flor, zum Beispiel aus Polyamid, sowie Fassaden- und Streichbürsten. Wenn Sie ein Airless-Spritzgerät verwenden, sollte der Düsendruck mindestens 200 bar betragen. Mit selbst gemachten oder gekauften Schablonen können Sie auch Bordüren, Ornamente und andere kreative Gestaltungen verwirklichen.

  • Trockenzeit von Lehmfarbe

    Nach ungefähr 24 Stunden sollte die Lehmfarbe vollständig durchgetrocknet sein. Überstreichbar ist sie jedoch schon nach ungefähr 8 Stunden, wenn die neue Farbschicht die alte nicht mehr anlösen kann.

  • Lagerung von Lehmfarbe

    Natürliche Lehmfarbe enthält keine Konservierungsmittel; die angerührte Farbe sollte also am selben Tag verarbeitet werden. Ist das nicht möglich und müssen Sie zum Beispiel die Farbe über Nacht oder mehrere Tage stehen lassen, prüfen Sie vor der Weiterverarbeitung den Geruch sehr genau. Riecht die Farbe unangenehm oder sogar faulig, darf sie auf keinen Fall noch verwendet werden – den schlechten Geruch bekommen Sie sonst nie wieder aus der Wand.

  • Lehmfarbe fachgerecht entsorgen
    Weil Lehmfarbe ausschließlich aus natürlichen und ökologisch verträglichen Bestandteilen besteht, können eingetrocknete Farbreste später einfach im Hausmüll oder Kompost entsorgt werden. In den Abfluss oder ins Klo gehört auch alt Lehmfarbe nicht, denn das könnte zu Verstopfungen oder Ablagerungen führen. Leere Gebinde, die nicht in die Wertstofftonne („Grüner Punkt“) passen, können Sie auch zum örtlichen Recyclinghof bringen.
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