Mineralfarben

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Mineralfarben: Arten und Eigenschaften

Mineralfarben sind Anstrichstoffe mit ausschließlich mineralischen, also anorganischen Bindemitteln. Davon sind nur drei auf dem Farbenmarkt und für Verbraucher relevant: Kalk, Silikat und Zement. Und obwohl es für die Einordnung einer Farbe als „Mineralfarbe“ keine Rolle spielt, ob auch die färbenden Pigmente anorganisch sind, können im Sinne dieses Fachbegriffs nur Silikat-, Kalk- und Zementfarben mit mineralischen Pigmenten (z. B. aus Zink oder Eisenoxid) als reine Mineralfarben durchgehen.

Hinweis: Im Farbhandel und Baumarkt werden auch Farben als „Mineralfarben“ angeboten, die neben dem mineralischen noch ein organisches bzw. nichtmineralisches Bindemittel (z. B. eine Kunststoffdispersion) enthalten, etwa Silikatdispersionen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um reine Mineralfarben.

Die drei Arten von Mineralfarbe: Kalkfarbe, Silikatfarbe und Zementfarbe

Die anorganischen Bindemittel Kalk, Silikat und Zement sind wasserlöslich und mit Wasser verdünnbar, weshalb die Mineralfarben keine weiteren Lösemittel benötigen. Anders als Dispersionsfarben mit organischen Bindemitteln, etwa Kunststoff-, Kunstharz- oder Silikonharzdispersionen, sind mineralische Beschichtungen nicht thermoplastisch. Sie können also auch bei Hitze nicht mehr weich oder klebrig werden. Das bringt den zusätzlichen Vorteil, dass sich deutlich weniger Staub und Schmutz darauf anlagern und die Oberfläche leichter zu reinigen ist.

Kalkfarben erhärten nach dem Aufbringen durch Carbonatbildung (oder Carbonatisierung). Bei Silikatfarben heißt der entsprechende Prozess, bei dem das Bindemittel (Kaliwasserglas bzw. Kaliumsilikat) durch Einwirkung von CO2 und Reaktion mit dem mineralischen Untergrund abbindet, Verkieselung.

Maler Utensilien © grafikplusfoto, stock.adobe.com
Mineralfarbe vor der Verarbeitung © grafikplusfoto, stock.adobe.com

Zementfarben enthalten neben Zement (üblicherweise weißem Portlandzement oder Dyckerhoff-Weißzement) hochhydraulischen Kalk. Dadurch kann die Farbe auch ohne Luftzufuhr aushärten. Zementfarben werden in Wohnräumen jedoch nur selten verstrichen. Sie kommen vor allem auf Fassaden, in Feuchträumen und Kellern zum Einsatz.

Reine Mineralfarben sind zur Anwendung auf rein mineralischen Untergründen gedacht. Sie bilden nach dem Aushärten diffusionsoffene, widerstandsfähige, ökologisch verträgliche und gesundheitlich unbedenkliche Beschichtungen. Darum werden sie häufig für nachhaltiges Bauen, allergikerfreundliches Renovieren und ökologische Sanierungen genutzt. Die Verarbeitung selbst ist jedoch gefährlich, denn sowohl Silikatfarben als auch Kalk- und Zementfarben sind in flüssigem Zustand stark ätzende Laugen. Zum Anmischen und Auftragen müssen daher unbedingt Schutzkleidung, Atem- und Augenschutz getragen werden.

Mineralfarbe: Aufgetrocknet unbroplematisch, bei der Verarbeitung sollte Schutzkleidung getragen werden
Mineralfarbe: Aufgetrocknet unbroplematisch, bei der Verarbeitung sollte Schutzkleidung getragen werden

Generell ist das Verarbeiten reiner Mineralfarben keine Angelegenheit für ungeübte Heimwerker, sondern eine Aufgabe für Profis, die sich damit auskennen. Beauftragen Sie also lieber einen Maler bzw. Fachbetrieb damit, um Ihre Gesundheit nicht zu gefährden und ein sauberes, schönes und haltbares Ergebnis zu bekommen. Falls Sie einen Betrieb in Ihrer Nähe suchen, der diese Arbeit fachgerecht ausführen kann, nutzen Sie einfach unseren kostenlosen Angebotsservice. Damit erhalten Sie innerhalb weniger Tage verschiedene Angebote, die Sie unverbindlich prüfen und Preise wie Leistungen bequem vergleichen können.

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Kalkfarbe und Silikatfarbe – Unterschiede

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Kalk- und Silikatfarben ist, dass reine Kalkanstriche auch nach dem Trocknen kreiden und außerdem nur bedingt wetterfest sind. Silikatfarben sind dagegen abriebfest und äußerst witterungsbeständig. Bei richtiger Verarbeitung können sie Jahrhunderte überdauern und sind daher zu Recht die beliebtesten Mineralfarben. Das extrem stabile Bindemittel Wasserglas ist außerdem hochbeständig gegenüber UV-Strahlung, weshalb der Anstrich auch bei starker oder dauerhafter Sonnenlichteinstrahlung nicht kreidet, spröde wird oder Risse bekommt.

Echte Kalkfarben haben nicht nur Vorteile sondern auch Nachteile
Echte Kalkfarben haben nicht nur Vorteile sondern auch Nachteile
Hinweis: Anders als Dispersionsfarben bilden Mineralfarben keine Farbschichten bzw. Farbfilme auf der Wand, sondern verbinden sich durch die chemische Reaktion beim Aushärten dauerhaft mit dem Untergrund. Daher bleibt auch die Diffusionsoffenheit des Untergrunds, also seine Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben, bei reinen Mineralfarben nahezu unverändert.
Echte Mineralfarbe verbindet sich untrennbar direkt mit dem Untergrund
Echte Mineralfarbe verbindet sich untrennbar direkt mit dem Untergrund

Für Renovierungen oder Sanierungen denkmalgeschützter Bauten sind – abhängig von Alter und Baustil – sowohl Kalk- als auch Silikatfarben geeignet. Silikat- bzw. Wasserglasanstriche gibt es seit dem 19. Jahrhundert, Kalkfarben seit Jahrtausenden.

Silikatfarben werden manchmal auch „Keimfarben“ genannt. Das hat jedoch nichts mit Bakterien oder Pilzen zu tun (Silikatfarben sind sogar besonders keim- und schimmelresistent), sondern mit dem Namen ihres Erfinders: Der Forscher und Handwerker Adolf Wilhelm Keim hat sich die Mineralfarben im Jahr 1878 patentieren lassen, und das Unternehmen „Keimfarben“ stellt sie auch heute noch her.

Wand mit grüner Farbe und Struktur © Nadezhda Pakhomоva, stock.adobe.com
Kalkfarben zählen zu den ältesten Wandfarben überhaupt und bringen frische Farben und Struktur an die Wand © Nadezhda Pakhomоva, stock.adobe.com

Die oben beschriebenen Eigenschaften der Kalkfarbe waren übrigens auch der Grund für die Entwicklung eines neuen, besseren Anstrichmittels. Der damalige König von Bayern, Ludwig I., war von der Schönheit italienischer Kalkfresken begeistert und wollte solche Kunstwerke auch in seinem Land sehen. Allerdings war das Klima diesseits der Alpen dafür nicht geeignet, und die kunstvollen Kalkmalereien wurden bald vom rauen Wetter zerstört. Daher gab der König den Auftrag, einen ebenso schönen, aber widerstandsfähigeren Mal- und Anstrichstoff zu erfinden.

Um mehr Details zu den beiden meistverwendeten Mineralfarben zu erfahren, etwa über geeignete Untergründe, mögliche Farben, die Herstellung oder die richtige Verarbeitung, lesen Sie unsere ausführlichen Artikel über Kalkfarben und Silikatfarben.

Verschiedene Arten von Silikatfarbe

Reine Silikatfarbe erkennen Sie unter anderem daran, dass sie nicht vorgemischt und verarbeitungsfertig angeboten wird. Sie muss sie vor dem Verarbeiten aus zwei Komponenten angerührt werden, nämlich dem flüssigen Bindemittel und dem Farbpulver (oder einem Farbpulverteig). Zum Verkieseln bzw. Abbinden braucht sie einen siliziumhaltigen Untergrund, etwa Beton oder Mineralputz. Zum Streichen von Holz, Kunststoff oder Metall ist sie ungeeignet. Zwar gibt es dafür entsprechende Grundierungen (z. B. als Haftvermittler), doch dann könnten Sie ebensogut gleich eine Dispersionsfarbe verwenden.

Streichfertige Einkomponenten-Silikatfarbe enthält immer auch organische Bestandteile, in der Regel eine Kunststoffdispersion. Zwar darf der Dispersionsanteil laut DIN 18363 (2.4.1) nicht höher sein als 5 %, doch wegen der organischen Komponenten und zugunsten der Verarbeitungsfreundlichkeit enthalten Dispersionen häufig auch Konservierungsstoffe und andere Zusatzmittel, die ökologisch und gesundheitlich bedenklich sein können.

Eine dritte Art von Silikatfarbe, die sogenannte Sol-Silikatfarbe, gibt es erst seit 2002. Als Bindemittel dient hier eine Mischung aus Wasserglas und Kieselsol, außerdem enthält diese Variante ebenfalls bis zu 5 Masse-Prozent organische Bestandteile. Wie andere streichfertige Silikatdispersionen verträgt sich Sol-Silikatfarbe auch mit nichtmineralischen Untergründen. Sie ist ähnlich leicht zu verarbeiten wie handelsübliche Kunststoffdispersionsfarben, allerdings wie diese auch deutlich weniger diffusionsoffen.

Seit den 1990er Jahren sind auch Silikonharzfarben für Fassaden sehr populär geworden. Sie punkten durch ihren Selbstreinigungseffekt, der vor allem in Gebieten mit stärkerer Luftverschmutzung einen Vorteil darstellt. Reine Mineralfarben sind sie aber nicht, weil sie als Bindemittel auch Kunstharze enthalten.

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