Dispersionsfarbe

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Dispersionsfarben (Kunststoffdispersionen): Was Sie über die meistverwendeten Wandfarben wissen sollten

Jeder kennt sie, fast jeder hat sie schon verarbeitet: Dispersionsfarben sind die bekanntesten und beliebtesten Anstrichmittel. Sie sind günstig, leicht zu verarbeiten, strapazierfähig und enorm vielseitig. In jedem Baumarkt gibt es eine große Auswahl von streichfertigen weißen und farbigen Kunststoffdispersionen, außerdem Farbmischstationen zum Anmischen tausender Wunschfarbtöne. Kein Wunder also, dass Kunststoffdispersionsfarben in aller Hände und auf aller Wände sind und mit „normaler Wandfarbe“ meist Dispersionsfarbe gemeint ist.

Die Universalfarben für Jedermann stehen aber auch in der Kritik. Gegner verschmähen sie als „Plastikfarben“, die die Wände „zukleistern“, oder warnen vor gesundheits- und umweltschädlichen Inhaltsstoffen. Für Laien ist es oft schwer, diese Argumente nachzuvollziehen und richtig einzuordnen. Denn um sachlich korrekte Informationen von „gefühltem Wissen“, also bloßer Meinung, abzugrenzen, ist zumindest ein wenig Hintergrundwissen notwendig.

Farbtöpfe  © refresh(pix), stock.adobe.com
Dispersionsfarben sind in vielen Farbtönen erhältlich © refresh(pix), stock.adobe.com

Was ist überhaupt eine Dispersionsfarbe? Wie unterscheiden sich Natur- und Kunststoffdispersionen? Welche Vorteile haben Dispersionsfarben, und von welchen Inhaltsstoffen können welche Gefahren ausgehen? In diesem Artikel erfahren Sie, woraus handelsübliche Kunststoffdispersionen bestehen, welche Arten und Einsatzgebiete es gibt und worauf Sie bei der Auswahl der Wandfarbe achten sollten.

Begriffserklärung: Dispersion, Dispersionsfarbe, Kunststoffdispersion

Das Wort „Dispersion“ bedeutet Gemisch (vom lateinischen „dispergere“ = verteilen, zerstäuben). Dispersionen sind stabile Gemische, in denen Stoffe so fein ineinander verteilt sind, dass die Stoffteilchen ineinander „schweben“.

Bei Farben ist immer das Bindemittel namensgebend. Weil eine Dispersion aber alle möglichen Stoffe enthalten kann, ist „Dispersionsfarbe“ ein eher vager Begriff. Genauer: Dispersionsfarben und ‑anstriche enthalten eine Emulsion bzw. Dispersion aus Bindemittel und Lösungsmittel (den Dispersionsanteil), außerdem färbende Bestandteile und verschiedene Zusatzstoffe. Nach dieser allgemeinen Definition gehört die Mehrzahl der handelsüblichen (zäh)flüssigen Anstrichmittel zu den Dispersionen, z. B.:

  • Innenfarben wie Kunststoff- und Silikatdispersionen, aber auch sog. Naturdispersionsfarben
  • Fassadendispersionen (z. B. Silikonzharzfarbe),
  • Dispersionslacke,
  • sogenannte „feste Farben“,
  • Kunststoffputze (Dekorputz, Rollputz, Streichputz),
  • Effektfarben

Zusammensetzung einer Kunststoffdispersionsfarbe

Hier ist das Bindemittel eine Kunststoffdispersion, also ein stabiles Gemisch aus Wasser (als Löse- und Verdünnungsmittel) und darin feinstverteilten Kunststoffteilchen. In den handelsüblichen Dispersionsfarben, die es für rund 10 bis 50 Euro pro 10-Liter-Eimer im Baumarkt gibt, ist der Kunststoff üblicherweise ein Polymerisat- bzw. Kunstharz (i. d. R. Acrylharz). Weitere gängige Kunststoffdispersionen basieren auf Polyvinylacetat („Latexfarbe“), Polymethacrylat, Styrolacetat oder Styrolbutadien. Diese Bindemittel werden aus Erdöl hergestellt und sind daher – anders als die der reinen Mineralfarben – organisch bzw. organischen Ursprungs.

Hinweis: Die Normierung für Kunstharzdispersionen und Kunststoffdispersionsanstriche für den Innenbereich ist DIN EN 13300; entsprechende Außenanstriche sind in der DIN EN 1062 normiert.
Dispersionsfarben sind durch DIN-Normen genormt
Dispersionsfarben sind durch DIN-Normen genormt

Um die Mischung zu stabilisieren, werden verschiedene weitere Stoffe hinzugefügt. Stabilisatoren oder Verdickungsmittel wie Kasein, Celluloseleim, Polyacrylat oder Polyvinylalkohol sorgen dafür, dass die unterschiedlich dichten Stoffe sich nicht „entmischen“ und die schwebenden Teilchen nicht absinken. Emulgatoren oder Verteilungsmittel verhindern, dass die Kunststoffteilchen sich in der Flüssigkeit einander annähern und miteinander verklumpen, was noch im Eimer zur Ausflockung der Farbe führen würde. Als Füllstoffe, damit die Farbe mehr „Körper“ bekommt, dienen häufig Silikate, Calciumcarbonat oder Quarzmehl. Das Pigment in weißer Wand- und Deckenfarbe ist üblicherweise Titandioxid; als Buntpigmente können verschiedene färbende Stoffe zugesetzt werden.

Den meisten Kunststoffdispersionsfarben sind außerdem weitere Zusatzmittel beigemischt, die die Herstellung vereinfachen und die fertige Farbe leichter zu verarbeiten, haltbar oder für besondere Anforderungen geeigneter machen. Zu den gängigen Zusatzmitteln gehören Antischaummittel, Weichmacher, Filmbildungshilfsmittel, Konservierungsstoffe, Biozide (gegen Schimmel- und Bakterienbefall), Lösungsmittel, Rostschutzmittel und Flammschutzsalze.

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Kunststoffdispersionen – Eigenschaften, Qualitätsmerkmale, Klassifizierung

Für einen besseren Überblick lassen sich Kunststoffdispersionen grob unterscheiden nach:

  • Anwendungsbereich (innen oder außen),
  • Oberflächenstruktur (glatt, feinkörnig, mittelkörnig, grobkörnig) sowie
  • Pigmentierung (unpigmentiert, pigmentiert, gefüllt)
Blauer Farbanstrich © skatzenberger, stock.adobe.com
Mit Dispersionsfarbe lassen sich auch große Flächen schnell mit einem neuen Anstrich versehen © skatzenberger, stock.adobe.com

Laut DIN 13300 werden Kunststoffdispersionen für den Innenbereich nach sechs Kriterien eingeteilt:

  • Anwendung (etwa Gestaltungsmöglichkeiten, Isolierwirkung, Ausbesserungvermögen)
  • Bindemitteltyp (z. B. Silikat, Vinylharz, Acrylharz)
  • Glanz: Es gibt vier Glanzstufen: glänzend, mittlerer Glanz (auch „seidenmatt“ oder „seidenglänzend“), matt und stumpfmatt
  • Maximale Korngröße (in Mikrometer) mit Anwendungszweck: von „fein“ (bis 100 μm; Innendispersionsfarben) über „mittel“ (bis 300 μm; Streichputze) und „grob“ (bis 1500 μm; Feinstrukturputze) bis „sehr grob“ (über 1500 μm; grobe Strukturputze)
  • Kontrastverhältnisse (Deckvermögen): Klasse 1 (höchste Deckkraft) bis 4
  • Nassabriebbeständigkeit: Klasse 1 (höchste Beständigkeit) bis 5. Nach der alten DIN 53778 hieß Klasse 2 früher „scheuerbeständig“ und Klasse 3 immerhin noch „waschbeständig“.
Hinweis: Die Pigment-Volumen-Konzentration (PVK) einer Farbe bestimmt über deren Glanzgrad, Deckkraft und Nassabriebbeständigkeit mit. Es gilt:

  • Je höher die Pigmentierung, desto matter und weniger abriebfest ist die Oberfläche.
  • Je niedriger die Pigmentierung, desto glänzender und abriebbeständiger ist die Oberfläche.
  • Glänzende Dispersionsfarben decken schlechter als matte.
Die Pigment-Volumen-Konzentration (PVK) erklärt
Die Pigment-Volumen-Konzentration (PVK) erklärt

Kunststoffdispersionsfarben – Vorteile

Kunststoffdispersionen und -dispersionsfarben sind wasserverdünnbar, geruchs- und emissionsarm und haften sehr gut auf nahezu allen Untergründen. Nur auf Kreide- und Leimfarben sowie auf wasserabweisenden, glatten Untergründen (z. B. Kunststoff) findet die Dispersion keinen dauerhaften Halt.

Die Farbe trocknet schnell und physikalisch durch die Verdunstung des Wassers und bildet dann einen widerstandsfähigen Kunststofffilm, der problemlos auch mehrfach überstreichbar ist. Dazu kommen die bereits erwähnte Verarbeitungsfreundlichkeit, die schier unbegrenzte Farbauswahl und der günstige Preis – für viele Renovierer sind das die wichtigsten Argumente für den Kunststoffdispersionsanstrich.

Kunststoffdispersionsfarben – Nachteile

Zu den Nachteilen von Kunststoffdispersionsfarbe gehören ihre geringere Wasserdampfdurchlässigkeit und die höhere Anfälligkeit gegenüber Schimmelbildung und Algenbewuchs (etwa im Vergleich zu diffusionsoffener und anorganischer reiner Kalkfarbe oder Silikatfarbe). Dass Dispersionen Wasserdampf weniger gut aufnehmen und wieder abgeben können, liegt an der Filmbildung. Allerdings ist dieses „Zukleistern“ der Oberfläche in normal genutzten und belüfteten Räumen mit normaler Feuchtebelastung kein Problem. Kritisch wird es nur, wenn Sie Dispersionsfarben mit einem hohen Anteil des „klebrigen“ organischen Bindemittels auf besonders feuchtegefährdete oder dauerfeuchte Wände (etwa im Altbaukeller) streichen. Hier verhindert der Kunststofffilm den notwendigen Feuchtigkeitsaustausch und erhöht das Schimmelrisiko, weshalb Mineralfarben besser geeignet sind.

Bei den ganz billigen Wandfarben lassen zudem die Deckkraft und Abriebbeständigkeit oft zu wünschen übrig. Achten Sie auf die Herstellerangaben zu den oben beschriebenen Klassen und verwenden Sie Farben der Klassen 1, wenn Sie nicht zweimal streichen wollen.

Ein weiterer Nachteil ist das Allergierisiko durch gesundheitlich bedenkliche Zusatzmittel. Kritisch zu bewerten sind hier vor allem Konservierungsstoffe (z. B. Methylisothiazolinone und Benzisothiazolinone), zusätzliche Lösungsmittel und Biozide. Vor allem die Konservierungsstoffe können schwere allergische Reaktionen auslösen oder vorhandene Allergien verstärken. Leider sind sie in sehr vielen Kunststoffdispersionen enthalten, denn gerade die günstigen Mischungen würden ohne Konservierungsmittel schon im Gebinde vergammeln. Darüber hinaus enthalten manche Dispersionsfarben als Füllstoff auch Talkum, das zwar ein Naturprodukt ist, aber Verunreinigungen mit Asbest aufweisen kann.

Hinweis: Seit 2018 dürfen mattweiße Wandfarben, die mit dem Blauen Engel gekennzeichnet sind, die Konservierungsstoffe Chlormethylisothiazolinon (CIT) Methylisothiazolinon (MIT) nicht mehr enthalten.
Konservierungsstoffe können problematisch für Allergiker sein
Konservierungsstoffe können problematisch für Allergiker sein: Achten Sie auf Auszeichnungen wie den blauen Engel

Für historische, denkmalgeschützte Bauten sind moderne Kunstharz- und Kunststoffdispersionen nicht geeignet, weil sie viel zu jung sind: Sie wurden erst im 20. Jahrhundert erfunden bzw. entwickelt. Stattdessen werden hier traditionelle Farben wie Kalk-, Lehm- oder Silikatfarben verwendet, die den Vorschriften des Denkmalschutzes entsprechen.

Wenn Sie eine allergikerfreundliche, ökologische und/oder gesundheitlich unbedenkliche Dispersionsfarbe suchen, lesen Sie sich das Sicherheitsdatenblatt genau durch und lassen Sie sich alle Inhaltsstoffe, die Sie nicht kennen oder nicht zuordnen können, von einer herstellerunabhängigen Fachkraft erklären.

Alternativen zur Standard-Kunststoffdispersionsfarbe

Dispersions-Silikatfarben:

Eine Dispersionssilikatfarbe darf maximal fünf Prozent organische Kunststoffdispersion enthalten. Diese Farben sind zwar teurer, dafür aber durch das anorganische und alkalische Bindemittel resistenter gegenüber Schimmel, Algen und Verschmutzung. Der Zusatz eines mineralischen Stoffs bzw. Bindemittels kann Kunststofffdispersionen generell stabiler machen, so dass es möglich ist, auf Biozide oder Konservierungsmittel zu verzichten. Neben Silikatdispersionen sind auch Kalkfarben oder Zementfarben mit Dispersionsanteil erhältlich. Sie sind allerdings nicht mit den reinen Mineralfarben zu verwechseln.

Natur-Dispersionsfarben:

Anders als erdölbasierte, chemisch-synthetisch hergestellte Kunststoffdispersionen enthalten Naturdispersionen pflanzliche, chemisch unveränderte Harze und Öle, z. B. Leinöl. Aus Umweltgesichtspunkten liegen sie damit vorn, denn der Herstellungsprozess ist deutlich weniger belastend für Umwelt und Klima. Allerdings enthalten auch viele Naturdispersionsfarben schädliche Konservierungsstoffe und/oder Biozide. Und umgekehrt finden Sie im Handel auch viele Kunstharz-Dispersionsfarben, die außer Wasser keine Lösungsmittel und auch keine Konservierungsstoffe enthalten. Der Name allein sagt also kaum etwas aus; nur der genaue Blick ins Datenblatt bringt Klarheit.

Kasein- bzw. Kalk-Kasein-Farben:

Kalkkaseinfarben lassen sich relativ einfach selbst herstellen. Sie sind ähnlich angenehm zu verarbeiten wie Kunststoffdispersionen, weil sie auch ein organisches, cremiges Bindemittel (Emulsion) enthalten, und ergeben ökologische und gesundheitlich unbedenkliche Anstriche.

Latexfarben

Moderne Latexfarben enthalten in aller Regel keinen Gummibaumsaft mehr. Stattdessen dient meist Polyvinylacetat (PVAC, PVA) als Bindemittel, so dass es sich auch hierbei um eine Kunststoffdispersionsfarbe handelt. PVAC ist nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft nicht toxisch, und die Farben sind sehr strapazierfähig und leicht zu verarbeiten.

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