Klinkerfassade streichen

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Klinkerfassade streichen: Welche Farbe hält auf Klinkersteinen?

Klinker (auch Klinkersteine, Vormauerziegel, Verblender oder Riemchen) sind Back- bzw. Ziegelsteine, die bei sehr hohen Temperaturen (zwischen 1.100 °C und 1.300 °C) gebrannt werden. Durch das Pressen und Erhitzen bis knapp unterhalb des Schmelzpunkts schließen sich die Poren, so dass der Stein sehr hart und widerstandsfähig wird. In den Normen DIN 105-4 bzw. EN 771-1 sind verschiedene Arten von Klinkersteinen definiert, die sich unter anderem durch ihre Farbe und die Beschaffenheit der Oberfläche (z. B. rau, glatt, mit oder ohne Lochung) unterscheiden. Echte Klinker bestehen nur aus Ton, enthalten also weder Zement noch Kalk oder andere Bindemittel. Als natürlicher, verträglicher und diffusionsoffener (dampfdurchlässiger) Wandbelag sind sie auch für Innenwände geeignet.

Klinkerfassade mit Fenster © tl6781, stock.adobe.com
Die Optik der Klinkerfassade ist zeitlos, aber nicht unveränderlich © tl6781, stock.adobe.com

Klinkerfassaden sind vor allem in Norddeutschland weit verbreitet, doch auch in anderen Landesteilen werden viele Hauswände gleich beim Bau oder nachträglich verklinkert. Klinker sind wetter- und frostfest, weil so gut wie kein Wasser mehr in den Stein eindringt. Sie müssen auch nicht zum Schutz der Oberfläche gestrichen werden – das Streichen einer Klinkerfassade dient in aller Regel nur der Veränderung bzw. Verschönerung, etwa wenn den Hausbesitzern die ursprüngliche Farbe nicht mehr gefällt. Typischerweise sind Klinkersteine rotbraun, doch je nach Tonmischung sind sie auch in anderen Erdfarben, Schwarz, Grau oder Weiß erhältlich.

Geklinkerte Fassaden sind wärme- und schallisolierend. Werden die Vormauerziegel von der Sonne erwärmt, fungieren sie zudem auch als natürliche, kostenlose Heizung. Und weil die Klinkerfassade zwar dicht gegen Wasser von außen ist, andersherum aber Feuchtigkeit von innen nach außen ableiten kann, trägt sie zu einem ausgeglichenen Feuchtigkeitshaushalt im ganzen Gebäude bei.

Fassadenfarbe für Klinker kaufen – Tipps zur Farbauswahl

Neben echten Klinkern aus Ton gibt es auch Verblender aus anderen Materialien, z. B. aus Kalksandstein. Wenn Sie Ihre Fassade neu streichen möchten, sollten Sie vorher genau wissen, aus welchem Material die Vormauerziegel sind, denn nur dann können Sie sicher die richtige Fassadenfarbe auswählen.

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Erste Wahl: Silikatfarbe

Bei Klinkern mit der charakteristischen, leicht rauen Oberfläche treffen Sie mit einer Silikatfarbe die beste Wahl. Diese Farbenart ist ebenfalls rein mineralisch und diffusionsoffen, so dass die günstigen Eigenschaften der Klinker erhalten bleiben. Und im Unterschied zur ebenfalls mineralischen Kalkfarbe kreidet der Anstrich nicht, hält jedes Wetter und jede Reinigung aus und kann Generationen überdauern, ohne sich abzunutzen.

Keimfarbe (Silikatzfarbe) ist schimmelresistent und von A.W. Keim erfunden
Keimfarbe (Silikatzfarbe) ist schimmelresistent und von A.W. Keim erfunden

Echte Silikatfarben sind nicht gebrauchsfertig im Eimer zu kaufen, sondern müssen kurz vor der Verarbeitung frisch angerührt werden. Bei der Arbeit brauchen Sie Schutzkleidung, denn die feuchte Farbe ist stark alkalisch und daher ätzend. Beim Trocknen verbindet sich Silikatfarbe durch Verkieselung dauerhaft mit dem Untergrund und bildet eine extrem stabile, langlebige und ökologisch einwandfreie Beschichtung.

Silikatfarben verbinden sich mit dem Untergrund
Silikatfarben verbinden sich mit dem Untergrund

Falls Sie sich für die Klinkerfassade einen leuchtend bunten, starken Farbton wünschen, kann das allerdings ein wenig schwieriger werden. Denn Silikatfarben können nur mit speziellen Mineralpigmenten eingefärbt werden, und die Farbauswahl ist nicht so groß wie bei den Dispersionsfarben. Trotzdem gibt es auch hier sehr schöne Farben. Am besten lassen Sie sich vorab von einem Profi beraten.

Wenn Sie noch nie mit Silikatfarbe gearbeitet haben, ist es ohnehin empfehlenswert, einen Malerfachbetrieb mit dem Fassadenanstrich in Ihrem Wunschfarbton zu beauftragen. Um im Vorfeld die Preise zu vergleichen, die die Handwerker in Ihrer Nähe dafür aufmachen, können Sie gern auch unseren kostenlosen und unverbindlichen Angebotsservice nutzen.

Alternativen: Silikatdispersion oder Silikonharzfarbe

Silikatdispersionen enthalten neben dem mineralischen auch ein organisches Bindemittel. Sie werden streichfertig angeboten und sind auch von Laien einfach zu verarbeiten – ähnlich wie die günstigen Dispersionsfarben für den Innenbereich. Dafür geht durch den „klebrigen“ Dispersionsanteil (Kunststoff- oder Kunstharzdispersion) ein Teil der Dampfdurchlässigkeit des Untergrunds verloren. Die Farbe verbindet sich außerdem nicht so fest mit dem Untergrund. Für weitere Detailinformationen empfehlen wir unseren Artikel über Reinsilikat- und Silikatdispersionsfarben.

Wichtige Eigenschaften echter Silikonharzfarbe
Wichtige Eigenschaften echter Silikonharzfarbe

Silikonharzfarben werden ebenfalls häufig für Fassadenanstriche genutzt. Sie punkten durch den sogenannten Lotuseffekt – Wasser und Schmutz perlen von der Farbe ab, so dass die Fassade länger schön bleibt und seltener gereinigt werden muss. Allerdings schränkt auch diese Farbe durch den harzigen Anteil die Dampfdurchlässigkeit des Untergrunds ein. Auf sanier.de finden Sie auch einen Vergleich von Silikat- und Silikonharzfarben als Fassadenanstrichmittel.

Was tun bei glasierten Klinkersteinen?

Bei vielen Häusern ist nicht die ganze Fassade geklinkert, sondern nur der Sockel, also der untere Teil. Hier werden besonders häufig glasierte Klinkersteine verwendet, um die Hauswand mit einer robusten und leicht zu reinigenden Spritzkante zu versehen. Auf der wasserabweisenden und glatten Glasur kann allerdings selbst die beste Farbe kaum haften. Machen Sie einen schnellen Test: Wenn aufgesprühtes Wasser komplett von der (gereinigten) Oberfläche abperlt, wird auch der Anstrich nicht halten. Wollen Sie die Fassade dennoch neu gestalten, haben Sie verschiedene Möglichkeiten:

  1. Die Klinker entfernen

    Die Klinker von der Fassade abzuschlagen ist viel Arbeit, bei der außerdem ein Haufen Schutt entsteht, der fachgerecht entsorgt werden muss. Dennoch ist es die sicherste und vernünftigste Lösung für alle, die ihre Klinker nicht mehr sehen können oder an der Fassade kleben lassen wollen. Danach können Sie auf die Fassade einen Putz Ihrer Wahl auftragen und ganz nach Wunsch strukturieren und streichen (lassen).

  2. Die Klinker mit Spezialgrundierung haftfähig machen

    Mit der passenden Grundierung lässt sich mittlerweile fast jeder Untergrund für fast jede Neubeschichtung vorbereiten. Bei glatten Untergründen sind klebrige Haftvermittler gefragt, etwa eine 2-Komponenten-Epoxidharzgrundierung. Darauf können Sie nach dem Trocknen eine Silikonharzfarbe oder Universal-Fassadenfarbe streichen. Die vormaligen Eigenschaften der Klinkeroberfläche gehen dadurch allerdings für immer verloren. Und weil glasierte Ziegel eigentlich gar nicht überstrichen werden sollten, ist das eher ein Experiment oder eine Übergangslösung.

  3. Die Klinker „überklinkern“

    Grundsätzlich können alte Klinker mit neuen überdeckt werden, sofern die Wand ausreichend tragfähig ist. Hier sollten Sie aber keineswegs Experimente machen, sondern sich unbedingt von einem Fachmann, der diese Arbeit auch selbst ausführen kann, vor Ort über die Möglichkeiten beraten lassen, die neue Schicht auf der alten zu befestigen. Und natürlich zu den Kosten – vielleicht ist es ja nicht nur vernünftiger, sondern auch günstiger, die alten Klinker zu entfernen und dann schön beizuputzen, zu streichen oder neu zu klinkern.

Glasierte Klinker anzuschleifen oder abzufräsen, um sie für den Anstrich aufzurauen, ist zwar eine naheliegende, aber dennoch keine gute Idee. Sie bräuchten elektrische Schleifwerkzeuge mit Schleifmitteln, die härter sind als Glas, und müssten wirklich jedes Stückchen Oberfläche damit erreichen. Das bedeutet jede Menge Mühe, Lärm und gefährlichen Schleifstaub. Und trotzdem hätten Sie am Ende nur eine ehemals wertige und nun zerstörte Oberfläche, der man die raue Behandlung auch durch die Farbschicht noch ansehen würde.

Auch Lack ist keine gute Idee: Die Lackierung würde vielleicht einen Sommer lang schön aussehen, aber dauerhaft halten würde sie nicht – schon allein deshalb, weil Feuchtigkeit auf ihrem Weg durch den Stein die Lackschicht mit der Zeit abheben kann. An einer geklinkerten Innenwand wäre das weniger problematisch als an der Fassade, die jede Wetter- und Temperaturschwankung aushalten und mitmachen muss.

Klinkerfassade streichen – Vorbereitungen und Tipps für die Umsetzung

Vor dem Streichen der Klinker muss eine gründliche Fassadenreinigung durchgeführt werden. Das können Sie entweder selber mit dem Hochdruckreiniger erledigen oder einen Fachbetrieb beauftragen, z. B. wenn ein Gerüst benötigt wird.

Damit der neue Anstrich später überall gut hält und schön aussieht, müssen die Klinkerfugen intakt sein. Nach der Reinigung also genau kontrollieren – und überall, wo es bröselt, den alten Mörtel mit dem Fugenkratzer entfernen, die Fuge noch einmal reinigen und anschließend neu verfugen.

Klinkerfassade sanieren: Fugen füllen © Ingo Bartussek, stock.adobe.com
Klinkerfassade sanieren: Fugen reinigen und anschließend neu verfugen © Ingo Bartussek, stock.adobe.com

Auch bei Klinkersteinen mit rauer Oberfläche brauchen Sie keinen kunststoffhaltigen Tiefgrund – erst recht nicht, wenn Sie die Fassade anschließend mit einer reinen Mineralfarbe streichen wollen. Der Stein ist durch das Pressen und Brennen stabil genug; die Oberfläche muss nicht verfestigt werden, und falls sie stärker saugt, nehmen Sie lieber mehr hochwertige Farbe statt extra Streichplastik.

Falls Sie grundieren, bleiben Sie dabei „im System“ und verwenden eine Grundierung, die zur Farbe passt. Also Kaliwasserglas für Reinsilikatfarbe, Kalkgrund für Kalkfarbe etc. Wenn Tiefgrund, dann also höchstens für Kunststoffdispersionen. Im Zweifel fragen Sie einen Maler oder Stuckateur – die meisten Profihandwerker geben ihr Wissen gern weiter und können Heimwerkern viele nützliche Tipps geben.

Vielleicht gefällt Ihnen die alte Klinkerwand ja nach der Hochdruckreinigung wieder so gut, dass Sie gar keinen Neuanstrich mehr möchten. Dann können Sie die Steine, um sie zu schützen und länger schön zu halten, mit einem transparenten Spezialanstrichmittel behandeln (lassen), das die Oberfläche nicht verstopft, sondern die feinen Strukturen auskleidet. Fragen Sie den Malermeister am Ort danach oder nutzen Sie unseren Angebotsservice, um verschiedenen Fachbetriebe Ihre Anfrage zu senden und bis zu drei unverbindliche Angebote von Fachbetrieben in Ihrer Nähe zu erhalten.

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