Plastik bzw. Kunststoff lackieren

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Plastik bzw. Kunststoff lackieren: Das ist beim Lackieren verschiedener Kunststoffe zu beachten

Möbel, Pflanzgefäße, Skateboards, Sammelfiguren, Wandpaneele … viele Gegenstände aus Kunststoff lassen sich durch eine neue Lackierung verschönern, personalisieren, aufwerten, renovieren oder noch einmal vor der Mülltonne retten. Lesen Sie hier, was beim Lackieren von Kunststoffen zu beachten ist und mit welchem Lack Sie das beste Ergebnis erzielen.

Kunststoff Gartenstühle © onepony, stock.adobe.com
Angejahrte Gartenmöbel aus Kunststoff werden durch eine frische Lackierung wieder schön © onepony, stock.adobe.com

Welchen Kunststoff wollen Sie lackieren?

Die Begriffe Plastik, Kunststoff oder auch Plaste werden weitgehend synonym verwendet. Das ist zwar nicht ganz korrekt, denn nicht jeder Kunststoff ist auch plastisch (verformbar), hat sich jedoch so eingebürgert. Allen Kunststoffen gemeinsam ist, dass es sich um Polymere handelt. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das: Der Kunststoff ist ein einziges, riesengroßes Molekül, das sich aus einzelnen Bausteinen, den Monomeren, zusammensetzt.

Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Kunststoffen, und wer nicht gerade Chemiker, Ingenieur oder ein anderer Experte dafür ist, kann sie allenfalls an der Kennzeichnung auseinanderhalten. Allerdings ist es beim Kunststofflackieren wichtig, zu wissen, um welche Art Plastik es sich handelt. Denn nur so können Sie mit Sicherheit den richtigen Lack auswählen und erleben beim Lackieren keine bösen Überraschungen.

Zum Glück können Sie die handelsüblichen Lacke, die für Kunststoff geeignet sind, in aller Regel auch für sehr viele Kunststoffarten verwenden. Immerhin bestehen diese Lacke oft ebenfalls zu einem großen Teil aus Kunststoffen, z. B. Kunstharzen. Dennoch ist es ideal, wenn Sie vor dem Lackieren wissen, aus welcher Sorte Kunststoff Ihr Werkstück ist. Das erleichtert nicht nur die Lackauswahl, sondern hilft auch beim Erkennen bzw. Vermeiden eventueller Gefahrstoffe und Gesundheitsrisiken, die nicht nur vom Lack, sondern auch vom Kunststoffteil selbst ausgehen können.

Auf zahlreichen Kunststoffprodukten finden sich Kennzeichnungen, an denen Sie auch als Laie den Kunststoff erkennen können. Sie müssen also weder Chemiker werden noch bei sich zu Hause riskante Experimente wie Brenn- oder Schwelproben zur Materialbestimmung durchführen.

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So können Sie Kunststoffe vor dem Lackieren bestimmen

Am einfachsten und sichersten klappt die Plastikbestimmung anhand der Kunststoffkürzel selbst. Das Kürzel kann direkt auf dem Produkt eingeprägt sein, auf dem Etikett oder der Verpackung stehen oder als Info in der Gebrauchsanleitung, dem technischen Datenblatt oder einem anderen Begleit- oder Beschreibungstext. Auch die Recylingcodes (Buchstaben und Zahlen beim Recyclingsymbol) enthalten das Kunststoffkürzel und geben damit Aufschluss über das verwendete Material. Selbst der Recyclingcode 07 oder O (= „other“ für „sonstige Kunststoffe“) ist eine wertvolle Information. Denn dann können Sie schon sieben der am häufigsten verwendeten Kunststoffe, die eigene Codes haben, ausschließen. Allerdings ist die Angabe eines Recyclingcodes freiwillig; Sie können sich also nicht darauf verlassen, einen zu finden.

Recyclingcodes Plastik © lubo, stock.adobe.com
An den Recyclingcodes können Sie verschiedene Kunststoffarten erkennen © lubo, stock.adobe.com

Grundsätzlich lassen sich Kunststoffe in Duroplaste, Thermoplaste und Elastomere unterteilen. Duroplaste sind hart und nicht plastisch verformbar; auch durch Erwärmen werden sie nicht weich, sondern gehen höchstens kaputt, etwa indem sie sich zersetzen. Thermoplastische Kunststoffe werden beim Erwärmen weich(er) und lassen sich im erwärmten Zustand verformen. Als Elastomere werden Kunststoffe bezeichnet, die nicht schmelzbar, dafür aber extrem dehnbar und selbst bei normaler Zimmertemperatur elastisch sind. Ein Kunststoff kann auch beides zugleich sein, etwa ein thermoplastisches Elastomer.

Kunststoffarten im Überblick
Kunststoffarten im Überblick

In der folgenden Tabelle sind viele gängige Kunststoffarten mit ihren Kürzeln, einigen Verwendungsbeispielen und Eigenschaften sowie den dazugehörigen Recyclingcodes aufgelistet.

Unterscheidung von Kunststoffen bzw. Plastikarten

Kürzel Name(n) Verwendung (Beispiele aus Alltag und Haushalt) Eigenschaften, Wissenswertes Recycling-Code
PE-HD

HDPE

Polyethylen High- Density;

Polyäthylen;

Polyethen

Plastikrohre, Flaschen, Abfalleimer, Holzimitat (Kunstholz), Polyrattan-Möbel thermoplastisch;

PE ist heute der meistverwendete Kunststoff

02
PE-LD

LDPE

Polyethylen Low- Density; Polyäthylen;

Polyethen

Eimer, Plastiktüten, Plastiktaschen, Seifenspender, Tuben, Folien, Verpackungen thermoplastisch, weniger dicht als PE-HD 04
PET

PETE

Polyethylen-terephthalat Plastikflaschen, Mikrowellengeschirr, Folien thermoplastisch;

auch als Textilfaser (Polyester) bekannt

01
PA Polyamid Dübel, Zahnräder, Kabelbinder, Saiten, Angelschnüre, Strumpfhosen, Reifen für Gabelstapler thermoplastisch 07 bzw. O

(= Other,

Sonstig)

PC Polycarbonat Laptop- und Handygehäuse, Trinkflaschen, Wasserspender, Küchengeräte, Mikrowellengeschirr, Brillengläser duroplastisch,

die klassischen Plastik-Babytrinkfläschchen waren bis 2011 aus PC

07
PS Polystyrol Kugelschreiber, Joghurtbecher, Unterlagen, Schalen für Obst, Gemüse oder Fleisch im Supermarkt thermoplastisch, Styropor ist aufgeschäumtes PS 06
PVC Polyvinylchlorid Hart-PVC: Schallplatten, Abflussrohre, Kreditkarten, Fensterprofile

Weich-PVC: Bodenbeläge, Vinyltapeten, Wandfolien

thermoplastisch;

Weich-PVC entsteht durch Zugabe von Weichmachern

03
PP Polypropylen;

Polypropen

Gefäße (z. B. Maßbecher, Plastikdosen, Pflanzkübel), Fahrradhelme, Armaturenbretter, Gartenmöbel thermoplastisch 05
PMMA Polymethyl-methacrylat;

Plexiglas;

Acrylglas

Plastiklineale, Gewächshäuser, Brillengläser, Kontaktlinsen duroplastisch, lebensmittelecht, hervorragende optische Eigenschaften 07 bzw. O
PU Polyurethane Surfbretter, Skateboards, Skier PU können je nach Zusammensetzung Thermoplaste, Duroplaste oder Elastomere sein 07
MF Melamin-formaldehydharz;

Melaminharz

Geschirr und Kochutensilien (z. B. Pfannenwender, Kochlöffel), Aufbewahrungs- und Transportboxen (z. B. Eurokisten), Küchenfronten duroplastisch,

besteht aus Melamin und Formaldehyd; häufig auch in „Bambus“-Bechern und -Tellern enthalten

07
PF Phenoplaste;

bekanntester Handelsname: Bakelit

Handgriffe und Gehäuse (z. B. bei Radios, Küchengeräten und alten Telefonen), Kegel- und Billardkugeln duroplastisch,

wurde auch für die Plaste-Karosserie des Trabant verwendet

07
ABS Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymer;

ABS-Kunststoffe;

auch als ABS-PC

Elektrogeräte, Spielzeuge, Motorradhelme, LEGO-Steine, Produkte aus dem 3D-Drucker thermoplastisch;

ABS können zu 99 % sortenrein recycelt werden

ABS
GFK Glasfaserverstärkter Kunststoff;

Fiberglas

Formteile und Verkleidungen im Auto-, Flugzeug- und Schiffbau, Rutschbahnen, Dusch- und Badewannen, Tore, Fassaden, Sportgeräte Faser-Kunststoff-Verbund; wird aus thermo- oder duroplastischen Kunststoffen und Glasfaser hergestellt 07

Welche Kunststoffe lassen sich gut lackieren?

Harte und stabile Kunststoffteile mit nicht allzu glatter Oberfläche lassen sich in fast allen Fällen sehr gut lackieren. Dazu gehören etwa Kunststoffmöbel, Tür- und Fensterrahmen, stabile Gefäße wie Mülltonnen, Kunststoffvasen oder Pflanzkübel, Kunstholzpaneele sowie Figuren und andere Dekoartikel. Allerdings muss der Kunststoff vor dem Lackieren richtig vorbereitet werden, also gereinigt, gegebenenfalls angeschliffen und/oder mit einer speziellen Grundierung versehen, etwa einem Haftvermittler oder Primer. Schäden und Unebenheiten können mit Kunststoff- bzw. Plastikspachtel oder geeigneten Füllern ausgeglichen werden.

Wenn Sie wissen, welcher Kunststoff es ist, können Sie ganz gezielt die passende Kunststoffgrundierung und den optimalen Lack dafür kaufen. Am besten entscheiden Sie sich für einen Lackhersteller und kaufen dann sämtliche Produkte für den Lackaufbau aus dessen Sortiment. So können Sie sicher sein, dass alles, was Sie verwenden, sich bestens miteinander verträgt und zusammen für ein optimales Lackierergebnis sorgt – Grundierung, Haftvermittler, Primer, Füller, Spachtel und der Farblack, Effektlack oder Klarlack Ihrer Wahl. Farben gibt es reichlich; seit Oktober 2010 auch RAL Plastics, eine Farbsammlung extra für Kunststoffe.

RAL Plastics: Die Farbpalette für Kunststoffe
RAL Plastics: Die Farbpalette für Kunststoffe

Natürlich ist es nicht in jedem Fall nötig, die ganze Palette aufzufahren. Viele Kunststoffoberflächen können mit dem passenden Lack auch ohne Grundierung lackiert werden. Außerdem muss nicht jede Oberfläche perfekt glatt oder hochglänzend sein und nicht jede Kunststofflackierung wetterfest, kratzfest, schlagfest oder lebensmittelsicher. Und auch der mehrschichtige Auftrag ist nicht immer nötig oder erwünscht – oft reicht es völlig aus, das Teil mit Seifenlauge zu reinigen, ein wenig mit 120er Papier anzuschmirgeln und dann im Wunschton mit der Spraydose zu lackieren. Was genau Sie wollen, wissen Sie am besten – suchen Sie sich aus dem riesigen Angebot das Passende aus und zögern Sie nicht, sich vom Fachpersonal beraten zu lassen.

Welche Kunststoffe sind beim Lackieren problematisch?

Kunststoffteile oder Oberflächen aus PP und PE – also Polypropylen und Polyethylen – sind generell schwieriger zu lackieren, da viele Lacke darauf nicht richtig haften. Abhilfe schafft jedoch die passende Vorbehandlung: Tragen Sie vor dem Lackieren einen Spezial-Haftgrund für den entsprechenden Kunststoff auf, dann können Sie ihn danach mit fast jedem Lack weiterbeschichten.

Aber Achtung: Es gibt auch spezielle Kunststoff-Haftgründe, die für alle Kunststoffe außer PE geeignet sind. Ein Blick in die Herstellerangaben bringt Klarheit. Falls Sie nicht wissen, ob Ihr Werkstück aus PE ist, behandeln Sie eine Teststelle und prüfen Sie nach dem Trocken das Ergebnis.

Problematisch sind auch Weich-PVC und andere weiche Plastikarten sowie Schaumstoffe. Hier sorgen sowohl die enthaltenen Weichmacher für Haftungsprobleme als auch die Konsistenz selber. Denn auch ein grundsätzlich für diese Kunststoffart geeigneter und gut haftender Lack wird auf einer weichen, elastischen, biegsamen oder beweglichen Oberfläche nicht so gut oder dauerhaft halten. Die Gefahr, dass er Risse bekommt oder sich flächig ablöst, ist im Vergleich zu harten Oberflächen deutlich höher. Mit Haftvermittler, Plastikspachtel oder speziellen Füllern, die Elastifizierer enthalten, können Sie die Oberfläche verfestigen bzw. die Haftung verbessern.

Tipp: Biegsame und bewegliche Kunststoffteile, auf denen kein Lack hält, können Sie stattdessen mit Folie bekleben, sofern die Form es zulässt.

Welcher Lack für welchen Kunststoff?

Um Kunststoff zu lackieren, können Sie einen 2K-Lack (Zweikomponentenlack), wasserlöslichen Acryllack oder Alkydharz-/Kunstharzlack verwenden, den der Hersteller auch für diese Kunststoffart vorsieht. Die Angaben zu geeigneten Materialien bzw. Untergründen finden Sie auf dem Gebinde und im technischen Datenblatt des Lacks.

Lacke, Grundierungen und andere Produkte zur Vorbehandlung werden sowohl zum Streichen mit Pinsel und Rolle als auch zum Sprühen angeboten. Bei unbekannter Kunststoffsorte tragen Sie einen modernen Hightech-Haftgrund oder Haftprimer für Kunststoffe auf und testen die Lackhaftung an einer unauffälligen Stelle, bevor Sie die gesamte Fläche lackieren.

Metalldose mit Lack © Sebastian Duda, stock.adobe.com
Metalldose mit Lack © Sebastian Duda, stock.adobe.com

Für melaminharzbeschichtete Küchenfronten, auf denen die meisten Lacke nicht halten, gibt es sogenannten Küchenlack, mit dem Sie z. B. die Schranktüren und Schubladenfronten in der Küche neu lackieren oder umgestalten können.

Folierte Spanplatten können mit einem 2K- Haftgrund mit Epoxidharz vorbehandelt und dann mit Alkydharzlack oder Acryllack beschichtet werden.

Mit sogenannten 2-in-1-Produkten lassen sich viele Kunststoffe auch ohne separate Grundierung lackieren. Bei extrem glatten Oberflächen ist aber zumindest das Anschleifen mit feinkörnigem Schleifpapier zum Verbessern der Lackhaftung empfehlenswert.

Flüchtige organische Verbindungen und Lösemittel, z. B. Alkohol, Aceton, Chlorkohlenwasserstoffe, Benzol oder Nitroverdünnung greifen manche Kunststoffoberflächen an. Wenn Sie die Kunststoffart nicht kennen, gehen Sie lieber kein Risiko ein und vermeiden Sie lösemittelhaltige Grundierungen und Kunstharzlacke. Mit einem 2-Komponenten-Acryllack auf Wasserbasis und gegebenenfalls einer wasserbasierten Grundierung bekommen Sie eine schöne und haltbare Kunststofflackierung bei minimalem Lösemitteleinsatz. Damit können Sie auch empfindliche Oberflächen wie Acrylglas lackieren.

PUR-Lacke (Polyurethanlack, polyurethanverstärkter Lack) ergeben besonders haltbare und widerstandsfähige Oberflächen. Diese Lacke werden u. a. für Möbellackierungen eingesetzt und sind ebenfalls auch als Wasserlacke erhältlich.

Kunststoff lackieren: Reihenfolge der Arbeitsschritte

  1. Grobe Verschmutzungen entfernen.
  2. Oberfläche anrauen: Zuerst Riefen und Kratzer abschleifen, dann gesamte Fläche mit Schmirgelpapier abschleifen.
  3. Kunststoff mit Seifenlauge reinigen, mit Wasser nachwischen, trocknen lassen. Die Oberfläche muss staub- und fettfrei sein.
  4. Haftvermittler/Spezialgrundierung auftragen, laut Herstellerangaben trocknen lassen.
  5. Lack/Sprühlack auftragen und trocknen lassen.
  6. Bei mehrschichtigen Aufbauten wird oft auch zwischen den Aufträgen geschliffen. Eine mögliche Reihenfolge ist etwa: Grundierung – Zwischenschliff – erster Lackauftrag – Zwischenschliff – zweiter Lackauftrag.

    Grundiert wird vor dem Lackauftrag, doch je nach Zustand und Beanspruchung der Oberfläche kann auch vor und nach dem Spachteln grundiert werden, etwa in dieser Reihenfolge: Grundieren – spachteln – Spachtelmasse schleifen/polieren – grundieren – ein- oder mehrschichtig lackieren.

    Halten Sie zwischen den Arbeitsschritten immer die angegebenen Trocknungszeiten ein und lassen Sie das Werkstück gut ablüften. Achten Sie auf ausreichend Frischluftzufuhr und die richtige Verarbeitungstemperatur beim Lackieren und tragen Sie Schutzhandschuhe und Atemschutz, um weder Lösemitteldämpfe noch Schleifstaub oder herumfliegende Lackpartikel einzuatmen.

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