Kalkfarben

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Kalkanstriche: Klassische Kalkfarbe, Sumpfkalk, Kalkmilch, Kalkdispersion

Kalkfarben gehören zu den ältesten Anstrichfarben; sie wurden schon in der Steinzeit verwendet. Zur Herstellung von Kalk wird Kalkstein, der in der Natur in großen Mengen vorkommt, erst bei rund 1000 °C gebrannt (Branntkalk) und anschließend mit Wasser gelöscht. Aus dem Löschkalk können dann Baukalk (Luftkalk oder hydraulischer Kalk) oder Kalkfarbe hergestellt werden.

Kalkfarben Herstellung: Aus Löschkalk entsteht Kalkfarbe
Kalkfarben Herstellung: Aus Löschkalk entsteht Kalkfarbe
Hinweis: Löschkalk hat die chemische Formel Ca(OH)2 und wird auch Kalkhydrat, Calciumhydrat oder Calciumhydroxid genannt. In Baumärkten und Fachgeschäften wird Weißkalkhydrat unter dem Namen CL 90 angeboten; diese Bezeichnung findet sich auch in vielen Rezepten zum Selbermischen von Kalkfarben.
Kalkfarbe © CrazyCloud, fotolia.com
Kalkfarbe © CrazyCloud, fotolia.com

Reine Kalkfarbe entsteht durch Lösen von Löschkalk in Wasser. Wird nur wenig Wasser hinzugegeben, entsteht eine teigige bis breiige Masse, die als Sumpfkalk, Fettkalk oder Kalklauge bezeichnet wird. Durch weiteres Verdünnen erhält man die Kalktünche oder Kalkmilch, die als Anstrichmittel dient. Weil sie so dünnflüssig ist, wird sie üblicherweise mit Bürste oder Quast in mehreren Schichten aufgetragen.

Kalkfarbe trägt je nach Wasseranteil unterschiedliche Namen
Kalkfarbe trägt je nach Wasseranteil unterschiedliche Namen

Traditionell ist Weißeln eine Schlechtwetterarbeit. Denn je länger Kalkfarbe an der Wand oder Decke feucht bleibt, desto gleichmäßiger zieht sie an, und desto abriebfester ist sie nach dem Trocknen. Durch Vornässen des Untergrunds oder Besprühen der Farbschicht kann die Trocknungszeit verlängert werden – 24 Stunden sind optimal, verlangen jedoch bei fünf Farbaufträgen eine Menge Geduld. Für Farbrollen ist Kalkmilch zu wässerig, doch mit einem geeigneten Airless-Gerät oder Sprühbalken kann sie aufgesprüht werden.

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Reine Kalkfarbe und ihre Eigenschaften

Hier sind die wichtigsten Vor- und Nachteile der klassischen Kalkfarbe auf einen Blick:

Vorteile Nachteile
Desinfizierende Wirkung durch hohe Alkalität (pH-Wert 12 oder mehr); wirkt bakterizid und fungizid, kann also vor Keimen und Schimmel schützen. Der Schimmel- und Keimschutz funktioniert nur, wenn der Anstrich frei von Schmutz, Staub, Fett und organischen Anlagerungen gehalten wird.
Wohngesunder, verträglicher Anstrich mit viel Tradition; frei von synthetischen Zusatzstoffen, sehr umweltfreundlich. Umständliche Vorbereitungen, schwierige Verarbeitung und launisches Material, das Respekt und Erfahrung verlangt.
Unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit, auch geeignet für Keller und landwirtschaftliche Gebäude. Nur mäßige Abriebfestigkeit: Anstrich kreidet dauerhaft nach, hinterlässt Spuren auf Haut und Kleidung, erfordert regelmäßige Neuaufträge.
Unverwechselbare, von vielen geliebte Kalkmilchoptik: Es entsteht eine matte, wolkige, meist ungleichmäßig deckende, weiße oder zart getönte Oberfläche. Für deckende Flächen sind viele Aufträge nötig. Keine kräftigen Farbtöne erhältlich, weil reine Kalkfarbe maximal 5 % kalkechte Farbpigmente binden kann.
Geeignet zur ökologischen Altbausanierung und Restaurierung denkmalgeschützter Bauten. Gefahr von „Schwefelfraß“: Schwefeldioxid in abgasbelasteter Luft wandelt Kalk nach und nach in Gips um. Dadurch wird der Anstrich wasserlöslich und verliert seine Haltbarkeit.
Trocknet leicht aus, vor allem bei direkter Sonneneinstrahlung

Kalkfarbe sicher verarbeiten: geeignete Untergründe, Überstreichbarkeit

Kalkfarben sind nicht für jeden Untergrund geeignet
Kalkfarben sind nicht für jeden Untergrund geeignet

Reine Kalkfarbe ist sehr gut geeignet zum Streichen von Lehmputz, Ziegeln, Porenbeton, Kalksandstein oder alten Kalkputzen. Zum Überstreichen stark gebundener Farben oder Tapeten ist sie jedoch nicht gedacht und kann auf ihnen auch ihre positiven Eigenschaften nicht entfalten. Wollen Sie dennoch eine moderne, bindemittelreiche Dispersionsfarbe, Kunst- oder Naturharzfarbe mit traditioneller Kalkfarbe überstreichen, besteht ein hohes Risiko, dass die andere Farbe an- oder abgelöst wird, weil ihr Bindemittel durch das stark alkalische Kalkhydrat verseift.

Aussenwand Kalkfarbe © ckrammer, fotolia.com
Kalkfarbe ist auch für Außenwände sehr gut geeignet, da sie vor Keimen und Schimmel schützt und eine besondere Optik bietet © ckrammer, fotolia.com

Vorsicht ist ebenfalls geboten, wenn Sie Kalkfarbe überstreichen wollen. Denn der Kalkanstrich kann auch nach dem Trocknen noch lange Zeit stark alkalisch bleiben, so dass sein pH-Wert vor dem Überstreichen mit einer anderen Farbe geprüft und gegebenenfalls neutralisiert werden sollte. Fragen Sie lieber vorher einen Profi um Rat – oder machen Sie zumindest erst einmal eine Probe an einer unauffälligen Stelle.

Hinweis: Kalklauge ist stark ätzend und darf weder an Haut und Augen noch ins Trinkwasser gelangen. Schutzkleidung, Handschuhe und Schutzbrille bei der Verarbeitung sind ebenso Pflicht wie das sorgfältige Abdecken/Abkleben empfindlicher Oberflächen. Bewahren Sie Sumpfkalk und Kalktünche in dicht geschlossenen Kunststoffgefäßen auf (kein Alu/Metall) und entsorgen Sie Farbreste fachgerecht: vollständig eingetrocknet sind sie Bauschutt oder Hausmüll, ansonsten ein Fall für Recyclinghof oder Schadstoffmobil.

Moderne Kalkfarben als Alternative

Echte Kalkfarben bestehen aus dem Bindemittel Kalk, Wasser und gegebenenfalls einer geringen Menge kalkechter Buntpigmente. Anders sieht es bei modernen Produkten aus: Sie können eine Vielzahl an Zusatzstoffen enthalten; in manchen ist der Kalk sogar nur noch ein Füllstoff, während als Bindemittel beispielsweise Acrylat dient. Das verändert die Eigenschaften der Farben natürlich deutlich, erleichtert die Verarbeitung und erlaubt neue Einsatzbereiche, kräftigere Farben etc. Doch auch gute Eigenschaften können dadurch verlorengehen: Werden einer Kalkfarbe etwa organische Harze bzw. Kunstharz(‑Dispersion) zugesetzt, verliert sie ihre Resistenz gegenüber Schimmel.

Beträgt der Kunstharzanteil einer Kalkfarbe nach dem Trocknen mehr als 5 %, ist sie als Schimmelschutz (Kellerfarbe im Altbau) nicht mehr sicher. Auch in puncto Umweltfreundlichkeit, Wohngesundheit und Raumklima (z. B. Diffusionsoffenheit, Ausdünstungen) sind stark modifizierte Kalkfarben weit vom Original entfernt und eher mit Standard-Dispersionswandfarben zu vergleichen.

Um dem Trend zu ökologischen Kalkfarben gerecht zu werden, haben viele renommierte und neue Hersteller jedoch hochwertige Kalk- bzw. Sumpfkalkfarben im Angebot, die der Urform möglichst nahe kommen. Um deren Nachteile auszugleichen, werden sie nur minimal mit Zusätzen versehen, etwa für mehr Glanz, bessere Deckkraft oder Abriebfestigkeit. Als Füllstoffe und Additive können etwa Titanweiß, Marmormehl, Zement, Naturharze und -öle, Zellulose und andere Pflanzenstoffe beigemischt sein.

Grundsätzlich gilt: Je ähnlicher eine Kalkfarbe dem Steinzeit-Original ist, desto anspruchsvoller ist ihre Verarbeitung. Das Streichen mit Kalk ist nichts für Ungeübte und Eilige, sondern erfordert Fachwissen und viel praktische Erfahrung. Wenn Sie das Material nicht gut kennen, sollten Sie den Kalkanstrich von einem Fachmann erledigen lassen.

Hinweis: Mit unserem Angebotsservice finden Sie schnell einen Betrieb in Ihrer Nähe, der sich mit Kalkfarben auskennt, und können sich bis zu drei unverbindliche Angebote zum Vergleichen zusenden lassen.

Eine weitere, sehr natürliche und günstige Alternative zur klassischen Kalkfarbe ist die Kalkkaseinfarbe. Ihr Grundrezept ist ebenfalls schon viele Jahrhunderte lang bekannt: Der Kalk wird mit Wasser und Quark angerührt. Durch das Kasein ist die fertige Farbe besser gebunden und daher unter anderem geschmeidiger und gleichmäßiger aufzutragen. Bei richtiger Anwendung sind Kalkkaseinfarben sehr umweltfreundlich, verträglich und gut für das Wohnklima. Wahre Fans mischen sie selbst an und experimentieren mit verschiedenen Rezepten für den perfekten Wohlfühlanstrich.

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