Fachwerksanierung

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Fachwerksanierung – so geht’s

Haben Sie ein Fachwerkhaus gekauft oder geerbt? Herzlichen Glückwunsch – sie bekommen eine ganz besondere Wohnqualität. Muss das Haus vor dem Einzug noch saniert werden? Dann haben Sie es mit einer besonderen Herausforderung zu tun. Die Sie aber bewältigen werden, wenn Sie Lust haben sich damit zu beschäftigen. Vieles ist auch für den Selbermacher kein Problem – man muss nur wissen, wie es geht. Dabei gibt es zu jedem Gewerk allerlei Details. An dieser Stelle können nicht alle aufgezählt werden, wir beschränken und auf einen Überblick und auf fachwerkspezifische Dinge. Und weisen auf einige Fehler hin, die man vermeiden sollte.

Fachwerkhaus © SiRo, stock.adobe.com
Fachwerk ist schön. Aber bei der Sanierung gilt es, einige Dinge zu beachten © SiRo, stock.adobe.com

Am Denkmalschutz führt kein Weg vorbei

Bevor es losgeht: Viele Fachwerkhäuser stehen unter Denkmalschutz. Man unterscheidet zwischen dem Ensembleschutz, bei dem es auf das äußere Erscheinungsbild ankommt, und dem Einzeldenkmal, in dem auch im Innern nur maßvoll Veränderungen vorgenommen werden dürfen. Es führt kein Weg daran vorbei, frühzeitig Kontakt mit der Unteren Denkmalbehörde zu suchen, die zu den Kreisverwaltungen gehört. Mit den Denkmalschützern ist zu klären, welche Maßnahmen vorgenommen werden dürfen, und für welche auch formal eine Genehmigung erforderlich ist.

Denkmalschutz © Doc Rabe, stock.adobe.com
Viele Fachwerkhäuser stehen unter Denkmalschutz © Doc Rabe, stock.adobe.com

Das klingt nicht so erfreulich, und tatsächlich hat der Denkmalschutz auch schon viele Ideen von Bauherren durchkreuzt. Es hat aber keinen Zweck, dies zu ignorieren – wer einfach loslegt, riskiert saftige Geldstrafen, und so manches nicht denkmalgerechte Tel musste schon wieder ausgebaut werden. Das Thema Denkmalschutz hat auch positive Seiten – die Behörde kann viele wertvolle Tipps zur Bauausführung geben und kennt Möglichkeiten, an die der Laie zunächst nicht denkt. Außerdem wissen die Denkmalschützer in der Regel gut über Zuschussmöglichkeiten Bescheid.

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Feuchtigkeit – der größte Feind des Fachwerks

Im Unterschied zu einem Haus aus Steinmauern beruht ein Fachwerkhaus statisch auf einer Holzkonstruktion. Der größte Feind des Holzes aber ist die Feuchtigkeit. Wenn Fachwerkwände von außen nass werden, ist das kein Problem, der Regen trocknet wieder ab. Dringt die Feuchtigkeit aber in die Konstruktion ein, fault das Holz. Die gesamte Sanierung muss daher immer im Auge haben, dass in die Wände gelangte Feuchtigkeit wieder heraus muss. Strikt verboten sind daher alle feuchtigkeitssperrenden Stoffe. Alles muss, wie die Fachleute sagen, diffusionsoffen sein. Noch bis in die achtziger Jahre hinein wurde dieser Grundsatz oft missachtet, oft mit fatalen Folgen.

Feuchtigkeitsschäden an der Wand © JRJfin, stock.adobe.com
Feuchtigkeitsschäden an der Wand © JRJfin, stock.adobe.com
Hausschwamm © taviphoto, stock.adobe.com
Hausschwamm © taviphoto, stock.adobe.com

Generell muss noch zwischen Sichtfachwerk und konstruktivem Fachwerk unterschieden werden. Konstruktives Fachwerk wurde nie dafür gebaut, offen sichtbar zu sein, sondern immer verputzt. Oft besteht der Denkmalschutz darauf, dass dies auch so bleibt, sehr zum Missvergnügen mancher Bauherren. An dieser Stelle soll es ausschließlich um Sichtfachwerk gehen – wobei es kein Fehler ist, all die Grundsätze auch bei der Sanierung von konstruktivem Fachwerk zu beachten.

Ein Fall für den Zimmermann

Eine ganze Menge bei der Sanierung eines Fachwerkhauses kann der ambitionierte Heimwerker selbst machen. Nicht aber bei der Wiederherstellung einer intakten Fachwerkkonstruktion. Da wird mit speziellen Maschinen gearbeitet, es werden spezielle Holzverbindungen ohne Metall eingebaut, es wird mit schweren Balken hantiert, es muss das richtige Holz genutzt werden. In den allermeisten Fällen kann das nur der Zimmermann. Nur er kann auch beurteilen, welche Hölzer überhaupt ausgetauscht werden müssen.

Fachwerksanierung: Wann brauche ich einen Zimmermann?
Fachwerksanierung: Wann brauche ich einen Zimmermann?

Wichtig ist, ein Unternehmen zu finden, das Fachwerksanierungen machen kann und es auch möchte. Offiziell dürfen die Denkmalschützer keine Firmen empfehlen, aber darauf ansprechen kann man sie schon einmal. Fragen sollte man, ob traditionelle Holzverbindungen verwendet werden. Wer da sehr schnell auf Lochbleche und andere Metallteile zu sprechen kommt, ist vielleicht nicht der Richtige. Gelegentlich ist auch die Rede davon, in Innenwänden zerstörtes Holz durch flüssiges Epoxidharz zu ersetzen, das beim Aushärten hart wird wie Eichenholz. Wer es richtig gut machen will, lässt von solchen Dingen die Finger weg.

Fachwerk Holzverbindungen © Konrad Weiss, stock.adobe.com
Nur der Zimmermann kann solche traditionellen Holzverbindungen herstellen © Konrad Weiss, stock.adobe.com

Wer wiederum selbst Hand anlegen will, der kann vorbereitende Arbeiten erledigen. Sowohl an den Wänden also auch in den Decken müssen Gefache ausgeräumt werden, wenn das Holz repariert wird – also das ganze Material zwischen den Balken muss weg. Am besten bespricht man dies im Detail mit dem Zimmermann. Bestehen die Gefache aus Lehm, hebt man diesen auf – man kann ihn später wieder einbauen.

Ein wenig anspruchsvoller ist es, die Konstruktion nach unten hin gegen aufsteigendes Wasser abzudichten. Manche lassen diesen Schritt weg und bekommen nie Probleme mit Feuchtigkeit. Aber je feuchter der Keller ist, um so mehr empfiehlt sich dieser Schritt. Dabei wird Abschnitten von maximal einem Meter der Mörtel unter dem untersten Fachwerkbalken entfernt – mehr nicht, damit das Haus nicht in der Luft hängt. Dann wird Sperrpappe eingeschoben und der Zwischenraum wieder vermörtelt. Die Pappstücke sollen sich überlappen. Es liegt auf der Hand, dass wegen der Statik ausgesprochen sorgfältig vermörtelt werden muss. Wer sich das nicht zutraut, sollte dies einem Handwerker überlassen – die Zimmerleute kennen immer jemanden, der das macht.

Wand- und Bodengefache

Ist das Fachwerk wieder intakt, werden die Wand- und Bodengefache wieder geschlossen. Bei den Wänden greift man heute wieder auf den historischen Baustoff Lehm zurück. Lehm ist diffusionsoffen, er speichert Feuchtigkeit, gibt diese auch wieder ab und sorgt für ein angenehmes Raumklima. Lehm sorgt auch dafür, dass der Wasseranteil im Holz nicht zu groß wird.

Früher wurde ein Flechtwerk aus Holz mit Lehm abgedichtet, heute mauert man die Gefache einfach mit Lehmbausteinen zu. Das kann man leicht selbst machen, die Steine lassen sich einfach bearbeiten. Als Mörtel kann man den zuvor ausgebauten Lehm verwenden, wenn man ihn lange genug einweicht, so dass es keine Klumpen mehr gibt. Ansonsten hat der Lehmbauhändler auch den passenden Mörtel. Wichtig ist, in die Gefache rundum mittig Dreikantleisten zu nageln und die Steine passend einzukerben – das macht die Konstruktion stabiler.

Lehmbausteine © Ingo Bartussek, stock.adobe.com
Lehmbausteine sind auf den ersten Blick kaum von Backsteinen zu unterscheiden. Aber ins Fachwerk passen sie viel besser. © Ingo Bartussek, stock.adobe.com

Die Decken werden nach traditioneller Holzbalkendeckenart aufgebaut – Dachlatten entlang der Balken, darauf Querbretter als Blindboden. Darauf kommt eine Pappe als Rieselschutz, dann Schüttung. Der Decken- oder Fußbodenaufbau ist ein Spezialthema, über das man sich gesondert informieren sollte, es gibt zahlreiche Möglichkeiten. Wichtig ist aber ein ausreichender Schallschutz – Holzbalkendecken sind hellhörig.

Die Dämmung – es gibt viele Möglichkeiten

Natürlich sollte ein Fachwerkhaus bei der Sanierung gedämmt werden, das verlangt sowohl der Klimaschutz als auch – längerfristig die Heizkostenabrechnung. Bei einem Sichtfachwerkgebäude kommt nur eine Innendämmung in Frage. Auch dabei gibt es viele Spezialitäten und Details zu beachten, auch darüber informiert man sich gesondert.

Hier nur so viel: Styropor, Styrodur und ähnliche Stoffe kommen nicht in Frage, da sie nicht diffusionsoffen sind. Das ist genau das Thema, mit dem so viele Fachwerkhäuser ruiniert wurden. Zu der natürlichen Kombination aus Holz und Lehm passen natürliche, nachwachsende Rohstoffe, es gibt die unterschiedlichsten Lösungen.

In Frage kommen etwa Schilfrohrmatten, die in Lehm eingeputzt werden, in Frage kommt eine Dämmung aus eingeblasenen Zelluloseflocken, in Frage kommen vor allem auch Holzweichfaserplatten. Wenn man sorgfältig arbeitet, kann man die Innendämmung mit Holzweichfaserplatten auch selbst bauen. Zur genauen Planung der Dämmung schaltet man am besten einen Energieberater ein – der kann ausreichen, welche Dämmung man braucht, aber der weiß auch, welche Möglichkeiten es gibt und welche Zuschüsse man bekommen kann. Die Vorgaben der Energieeinsparverordnung übrigens müssen bei denkmalgeschützten Gebäuden übrigens nicht vollständig eingehalten werden.

Dämmen mit Schilfrohrmatten
Dämmen mit Schilfrohrmatten

Haustechnik – Sensibilität ist gefragt

Heizungen, Wasserleitungen, Elektroinstallationen, all dies lässt man natürlich vom Fachmann machen. Wie bei jedem Haus kommen zuerst die Abwasserrohre, dann die Wasserleitungen und Heizungsrohre, dann die Elektrokabel. Wichtig ist, Handwerker zu beauftragen, die auf die Spezialitäten eines Fachwerkbaues eingehen können. So dürfen für die Rohre keine Aussparungen in die Balken gesägt werden, sie kommen entweder in die Dämmschicht oder vor die Wand. Außenwände sollte man innen auch nicht großflächig mit Fliesen verkleiden – die sind nicht diffusionsoffen. An dieser Stelle muss der Bauherr genau mitdenken – oder einen Bauleiter beauftragen, die ein Händchen für Fachwerkhäuser hat.

Verputz und Farbe

Selbst machen kann man auch die Putzarbeiten – das ist einfacher, als es klingt. Außen nämlich hat man die Holzgefache als Orientierung, die Zwischenräume kann man relativ leicht ausfüllen. Allerdings darf der Putz nicht vorstehen, sondern soll mit den Balken eine Ebene bilden. Verwendet wird übrigens Kalkputz – nur der ist gleichzeitig diffusionsoffen und für außen geeignet. Mit ein wenig Übung bekommt man das gut hin – am besten beginnt man mit den Gefachen, die man am wenigsten einsehen kann. Nicht vergessen darf sollte man übrigens Armierungsgewebe, das in den feuchten Putz gedrückt wird, bevor die oberste Schicht aufgetragen wird.

Wandmalerei auf Kalkputz © Michael Ebardt, stock.adobe.com
Kalkputz bietet seiner besonderen Oberfläche auch bestimmte Gestaltungsmöglichkeiten – wenn der Denkmalschutz mitspielt © Michael Ebardt, stock.adobe.com

Im Innern wiederum verputzt man mit Lehmputz, ebenfalls übrigens mit Armierungsgewebe. Lehmputz ist eher noch einfacher zu verarbeiten als Kalkputz, und der Hauptvorteil ist, dass man ihn wieder einweichen und alles neu machen kann, wenn man mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist. Das ist aber eher eine theoretische Möglichkeit. Zumal in einem Fachwerkhaus mit nie ganz gerade Hölzern und Wänden gewisse Unregelmäßigkeiten zum Ambiente gehören.

Nach dem Verputzen sollen die Außen- und Innenwände sowie das Holz natürlich auch gestrichen werden. Und wiederum muss darauf geachtet werden, dass ausschließlich diffusionsoffene Farben verwendet werden. Es gibt Hersteller, die bezeichnen ihre Produkte als diffusionsoffen, obwohl diese Eigenschaft mit der Zeit nicht mehr zutrifft. Um auf Nummer Sicher zu gehen, verwendet man Silikat- oder Kalkfarben, an den Innenwänden können auch Lehmfarben eingesetzt werden. Für die Hölzer wird in der Regel ein Leinöl-Firnis-Anstrich empfohlen.

Und das Dach?

Über das Dach haben wir an dieser Stelle kein Wort verloren. Der Grund ist, dass es keine fachwerkspezifischen Zwänge gibt, nach denen man sich zu richten hat. Bedenken sollte man allerdings, ob es nicht sinnvoll ist, auch das Dach mit nachwachsenden Dämmstoffen zu dämmen, wenn man schon im Rest des Hauses natürliche Rohstoffe verwendet. Bei der Auswahl der Dachziegel greift man in der Regel auf sogenannte Biberschwänze zurück – der Denkmalschutz besteht darauf meistens ohnehin.

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