Lehmputz

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Lehmputz: ökologisch bauen, wohngesund verputzen und gestalten mit Lehm

Lehmputz anrühren © Ingo Bartussek, stock.adobe.com
Lehmputz ist ein natürlicher Baustoff mit Tradition und Zukunft © Ingo Bartussek, stock.adobe.com

Lehm ist eins der ältesten Baumaterialien. Seit Jahrtausenden bauen und gestalten Menschen ihre Häuser mit Lehm, etwa mit Lehmziegeln, Lehmputz und Lehmfarben. Vor allem wegen des Trends zum ökologischen Bauen und wohngesunden Sanieren ist Lehmputz mittlerweile wieder sehr beliebt; wegen seiner hervorragenden bauphysikalischen und baubiologischen Eigenschaften gilt er vielen als Baustoff der Zukunft. Dazu kostet Lehmputz deutlich weniger als der ebenfalls im Ökobau hochgeschätzte Kalkputz; hier finden Sie die Eigenschaften von Lehm- und Kalkputz im Vergleich.

Zusammensetzung und Eigenschaften von Lehmputz

Die Zusammensetzung von Lehmputzen hat sich grundsätzlich nicht verändert, obwohl es eine sehr große Auswahl von Lehmprodukten gibt. Lehmputz besteht klassischerweise aus dem Bindemittel Lehm bzw. Ton, Sand und meist auch noch zugesetzten Fasern. Viele Hersteller bieten jedoch auch faserfreien und rein mineralischen Lehmputz an. Die Putzfarbe entspricht der Lehmfarbe und kann durch Erd- oder Mineralpigmente verändert werden.

Faserhaltige Lehmputze enthalten häufig Cellulosefasern, Getreidestroh (z. B. Gersten- oder Weizenstroh) oder Tierhaare, beispielsweise Schweineborsten oder speziell aufbereitete (gewolfte) Haare von Kälbern. Die Fasern machen den Lehmputz spannungsfester und weniger anfällig für Rissbildung. Bei faserfreien Lehmputzen bilden sich üblicherweise viele winzige Oberflächenrisse aus, die die Stabilität des Putzes jedoch nicht beeinträchtigen und sich beim Glätten oder Nachbehandeln mit dem Reibe- oder Schwammbrett leicht „zuwaschen“ oder zuschieben lassen.

Fasern verbessern außerdem die Abriebfestigkeit und Witterungsbeständigkeit der Putzoberfläche. Lehmputze mit quellfähigen Fasern sind besonders gute Dämmputze, denn wenn sich die Fasern beim Trocknen wieder zusammenziehen, entstehen in der Putzschicht winzige Hohlräume, die die Wärmespeicher- und Dämmfähigkeit verbessern.

Lehmputz kann entweder von Hand (mit der Kelle oder anderen Verputzwerkzeugen) oder maschinell aufgetragen werden. Maschinengängige Lehmputze enthalten in der Regel kaum oder gar keine Fasern, weil viele Putzmaschinen für die Verarbeitung faserhaltiger Materialien nicht geeignet sind.

Vorteile und Nachteile von Lehmputz

Lehmputze sind diffusionsoffen, schalldämmend, brandhemmend, feuchtigkeitsregulierend und ein sehr guter Wärmespeicher. Sie binden Schadstoffe und Gerüche (beispielsweise Küchendunst oder Zigarettenrauch) und sind resistent gegenüber elektrostatischer Aufladung.

Im Vergleich zum Kalkputz weist Lehmputz jedoch eine geringere Schlagfestigkeit und Härte auf, dazu kommt die bereits erwähnte Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit. Dennoch kann Lehmputz auch im Badezimmer verwendet werden, sofern er nicht zu viel Wasser abbekommt oder dauernd feucht ist. Ein paar Tropfen Spritzwasser dann und wann machen dem Lehm nichts aus.

Besonders geschätzt wird Lehmputz wegen seiner günstigen Wirkung auf das Raumklima. Lehmputz kann besonders viel Feuchtigkeit aufnehmen – fast zehnmal so viel wie Gips – und diese dann bei entsprechend geringerer Luftfeuchtigkeit wieder an die Raumluft abgeben. Durch seine Fähigkeit zur Wärmespeicherung reguliert er zudem auf natürliche Art die Raumtemperatur.

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Traditionelle und moderne Lehmputze

Das Beimischen unterschiedlichster Materialien für optimale Putzeigenschaften ist bei Lehmputz nichts Neues. Schon vor Jahrtausenden wurden zur Erzielung der gewünschten Eigenschaften, etwa zur Verbesserung der Haftung, Feuchtebeständigkeit, Verarbeitbarkeit, Festigkeit oder Optik farbige Gesteinsmehle, Tierhaare, Pflanzenfasern (oft in Form von Kuh- oder Pferdedung) oder eiweißhaltige Bindemittel wie Quark, Molke oder Tierblut hinzugefügt. Wegen der organischen Bestandteile ist fertig angerührter Lehmputz nicht lange haltbar.

Heute haben viele Anbieter von Lehmprodukten auch passende Grundierungen oder zusätzliche Bindemittel im Sortiment, mit denen sich die Eigenschaften des Lehmputzes individuell anpassen lassen. Durch die Zugabe eines weiteren Bindemittels lässt sich etwa eine der Hauptschwächen von Lehmputz ausgleichen, nämlich seine Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit. Um dennoch kunststofffrei und wohngesund zu arbeiten, kann der Lehmputz dazu etwa mit einem gewissen Teil Wasserglas (meist Natriumwasserglas), Zement, Kalk oder Kasein angemischt werden.

Verschiedene Arten von Lehmputz

Lehmputz wird als cremiger Tonputz, Grund- und Unterputz, Feinputz/Oberputz, Spachtel- und Dekorputz sowie Lehmstreichputz angeboten. Wenn sie nicht genau wissen, welche Art für ihr Einsatzgebiet am besten geeignet ist, lassen Sie sich beraten oder schauen Sie sich die Beispiele des Herstellers an. In aller Regel ist angegeben, für welche Untergründe und Beanspruchungen die jeweilige Putzart geeignet ist.

Wichtig sind auch die Angaben zur Schichtstärke oder Schichtdicke, die Sie mit dem jeweiligen Produkt erzielen können. So können Sie mit einem Tonputz, der sich ähnlich verarbeiten lässt wie Gipsputze, Schichtdicken bis zu 3 cm auftragen. Dagegen ist ein Dekorputz, der manuell mit der Japankelle oder dem „Venezianischen Glätter“ aufgetragen wird, für viel dünnere Schichten (1-2 mm) vorgesehen. Besonders feine Lehmschichten bekommen Sie mit Lehmstreichputzen; sie werden mit Lasurbürsten in Schichten von einem halben oder sogar nur einem Zehntel Millimeter aufgetragen.

Spachtel- und Dekorputze auf Lehmbasis enthalten oft dekorative Beimischungen wie Glimmerteilchen, Steinchen oder Pflanzenfasern. Damit sie besser halten und widerstandsfähiger sind, werden auch hier oft weitere Bindemittel zugefügt, etwa Methylzellulose oder Gummi Arabicum. Eine besonders leicht zu verarbeitende Lehmputzart ist der Mineralputz, der aus Lehm und speziellen Sanden besteht und den auch Anfänger meist problemlos an die Wand bringen.

Geeignete Untergründe für Lehmputz

Lehmputz wird wegen seiner Wasserlöslichkeit vor allem Innenbereich als Unterputz, Sichtputz oder Dekorputz verwendet. Am besten geeignet sind naturgemäß lehmige Untergründe, etwa Lehmziegel, Lehmbauplatten oder ein älterer Lehmputz. Doch grundsätzlich verträgt sich Lehmputz auch mit vielen anderen Untergründen, etwa Naturstein, Kalksandstein, Gipsfaser- und Gipskartonplatten, anderen Putzarten sowie Holz (z. B. OSB-Platten, Spanplatten oder Balken).

Brauche ich unter dem Lehmputz eine Grundierung?

Auf einen einigermaßen griffigen und saugenden Untergrund können Sie Lehmputz direkt auftragen. Um die Hafteigenschaften zu optimieren, feuchten Sie die Fläche vorher mit Wasser an (Drucksprühgerät).

Eine Grundierung, die die Haftung von Lehmputz auf fast allen Untergründen verbessert, ist die sogenannte Lehmschlämme. Sie besteht ausschließlich aus Lehm und Wasser und sollte eine dünnere, aber nicht wässrige Konsistenz haben, vergleichbar etwa mit Naturjoghurt.

Lehmschlämme können Sie entweder in Pulverform zum Anrühren kaufen oder, falls Sie einen Garten haben, auch aus eigenem Lehm herstellen. Die Lehmschicht liegt normalerweise in ca. 1 m Tiefe, in vielen Gärten stößt man jedoch auch schon früher auf Lehm. Er kann mit Spaten oder Kelle „gestochen“ werden, dann mit Wasser zur gewünschten Konsistenz aufschlämmen und mit dem Rührquirl oder von Hand gut durchrühren. Der Auftrag funktioniert am besten mit einem alten Handfeger, einer Tapetenbürste oder dem Quast.

Nach der Grundierung tragen Sie zügig den Lehmputz auf, solange die Lehmschlämme noch feucht ist. Weil sie nicht trocknen darf, ist es empfehlenswert, nicht zu viel Fläche auf einmal vorzubehandeln, sondern sich ein kleines Areal nach dem anderen vorzunehmen.

Je nachdem, was sie mit dem Lehmputz vorhaben und wie die Wand später beansprucht wird, können Sie auch moderne Grundierungen und Putzgründe verwenden, doch zwingend nötig ist das nicht. Berücksichtigen Sie außerdem, dass das Putz- und Beschichtungssystem immer nur so diffusionsoffen sein kann wie seine am wenigsten dampfdurchlässige Schicht. Um die Vorteile von Lehm voll auszunutzen, bleiben Sie am besten „im System“, indem sie mit Lehmschlämme grundieren, dann mit Lehmputz verputzen und die Wand später, falls Sie einen Anstrich wünschen, mit Lehmfarbe streichen.

Lehmbaustoffe im Fachwerkhaus

Bei der Sanierung oder „artgerechten“ Instandsetzung von Fachwerkwänden ist Lehm ein sehr gut geeigneter Baustoff. So kann Lehmschlämme als aktiver Holzschutz direkt auf die Balken aufgetragen werden, bevor (ebenfalls mit Lehmschlämme eingestrichene) Lehmziegel zum Vermauern der Zwischenräume eingesetzt werden.

Beim Trocknen zieht der Lehm die eventuell im Holz vorhandene Restfeuchte heraus und macht die Balken damit haltbarer und widerstandsfähiger.

Bei der Sanierung denkmalgeschützter Bauten wird Lehmputz ebenfalls häufig verwendet und verträgt sich dabei auch gut mit bereits vorhandenen mineralischen Putzen wie Kalkputz.

Lehmputz vom Profi aufziehen lassen

Wenn Sie den alten und zukunftsweisenden Baustoff Lehm beim Renovieren, Sanieren oder Restaurieren verwenden möchten, aber wenig Erfahrung oder Neigung zum Verputzen haben, können Sie einen Stuckateur oder Maler beauftragen, der sich mit Lehm auskennt.

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