Wasser im Keller – Vorsorgetipps für Ölheizungsbesitzer

Teilen:

Schwerste Schäden durch Heizöl: Wasser im Keller – Vorsorgetipps für Ölheizungsbesitzer

Starkregen und Hochwasser – hat das Wasser erst einmal den Öltank erreicht, ist der Schaden für Umwelt, Haus und das eigene Portemonnaie nicht mehr zu vermeiden. Nur wer im Vorfeld Vorsichtsmaßnahmen trifft und die neue Gesetzeslage beachtet, kann Schäden vermeiden.

Wasser steht im Keller © Michael Eichler, stock.adobe.com
Wasser steht im Keller © Michael Eichler, stock.adobe.com

Heizöl und Wasser – keine gesunde Mischung!

Unzureichend gesicherte Heizungsanlagen, die mit Öl betrieben werden, sind eine ernste Gefahr für Gebäude, Hausrat und Umwelt. Da Heizöl leichter ist als Wasser, breitet es sich nach dem Austritt aus dem Tank oder an den Leitungen schnell auf der Wasseroberfläche aus. Welchen Schaden austretendes Öl anrichten kann, lässt sich schnell verdeutlichen: Nur ein Tropfen Heizöl verunreinigt etwa 1.000 Liter Wasser! Das Fassungsvermögen von handelsüblichen Heizöltanks für ein Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 150 Quadratmetern beträgt etwa 3.000 Liter.

Tritt selbst bei nur geringer Füllmenge Öl aus, ist von einem „einfachen“ Wasserschaden keine Rede mehr. Es kommt zu schwersten Verschmutzungen im Gebäude und beim Hausrat, dazu eine sehr starke Geruchsbelastung. Im Vergleich zu „einfachen“ Wasserschäden mit nicht ölverschmutztem Wasser sind die Folgekosten in diesem Fall zwei- bis dreimal höher.

Hochwasser Heizöl ausgelaufen © Heinz Kerp
Hochwasser Heizöl ausgelaufen © Heinz Kerp

Die Gebäudeschäden durch Öl sind unter Umständen schwerwiegend, da einzelne Ölpartikel tief ins Mauerwerk eindringen und sich dort festsetzen können. Dies führt im schlimmsten Fall dazu, dass Mauerwerk entfernt oder sogar ausgetauscht werden muss. Hinzu können Schäden kommen, wenn ausgetretenes, gesundheitsschädliches Heizöl aus dem Keller geschwemmt wird und in die Umwelt gelangt.

WICHTIG: Ist Heizöl ausgetreten und in den Untergrund, in die Kanalisation oder in ein oberirdisches Gewässer gelangt, muss die Feuerwehr oder die zuständige Behörde (in der Regel die untere Wasserbehörde) verständigt werden!

Starkregen und Hochwasser können selbst schwerste Heizöltanks regelrecht aus den Angeln heben. Das liegt zum einen daran, dass Öl leichter ist als Wasser und aufgrund der geringeren Dichte auf einer Wasserfläche immer oben schwimmt. Ist der Öltank zudem nur noch halbvoll und demzufolge zur Hälfte mit Luft gefüllt, drücken die enormen Auftriebskräfte den gesamten Tank nach oben.
Ist das Wasser bereits so hochgestiegen, dass der Öltank zum Schwimmen kommt, können angeschlossene Rohrleitungen abreißen oder brechen – das Heizöl tritt aus. Zusätzlich kann das Wasser den Öltank auch zusammendrücken, wodurch er deformiert wird und im schlimmsten Falle bersten kann. Auch wenn Wasser durch die Tankentlüftung, den Tankstutzen oder nicht ausreichend gesicherte Anschlüsse in den Öltank eindringt, wird das Heizöl – wiederum durch sein geringeres Gewicht – aus dem Öltank herausgedrückt.

Tipp: Günstigste regionale Handwerker und Fachbetriebe finden, Angebote vergleichen und bis zu 30% sparen. Jetzt unverbindlich anfragen

Keine Ölheizung in Überschwemmungsgebieten!

Seit dem 5. Januar 2018 sind bei Neubauten Heizöltanks in Überschwemmungsgebieten verboten! Die neue Regelung gilt für alle unterirdischen Heizöltankanlagen und alle oberirdischen Tanks mit einem Fassungsvermögen von mehr als 1.000 Litern. Bis 2033 müssen auch vorhandene Heizölanlagen verschwunden oder zumindest hochwassersicher nachgerüstet sein. Das geht aus dem zweiten Gesetz zum Schutz vor Überschwemmungen hervor.

Der Neubau einer Heizölverbraucheranlage ist prinzipiell nicht gestattet. Es gibt aber eine sogenannte Öffnungsklausel: Die zuständige Behörde kann auf Antrag Ausnahmen zulassen, wenn keine anderen, weniger wassergefährdenden Energieträger zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten zur Verfügung stehen und die Heizölverbraucheranlage hochwassersicher errichtet wird.

GESETZESLAGE
„In Überschwemmungsgebieten dürfen Anlagen nach §19 g WHG nur so eingebaut, aufgestellt oder betrieben werden, dass sie nicht aufschwimmen oder anderweitig durch Hochwasser beschädigt werden (z.B. durch Treibgut) und das keine Wasser gefährdenden Stoffe aus den Anlagen austreten können.“


In Risikogebieten gilt:
Der Neubau einer Heizölverbraucheranlage ist zulässig, wenn diese hochwassersicher errichtet wird.

Bestehende Heizölverbraucheranlagen müssen innerhalb von 15 Jahren (bis zum 5. Januar 2033) oder im Zuge einer wesentlichen Änderung hochwassersicher nachgerüstet werden. Es gilt das Gebot der Wirtschaftlichkeit, das heißt, die Anlagen sind nur dann hochwassersicher nachzurüsten, sofern dies wirtschaftlich vertretbar ist.

In Überschwemmungsgebieten gilt: Bestehende Heizölverbraucheranlagen müssen innerhalb von fünf Jahren (bis zum 5. Januar 2023) oder im Zuge einer wesentlichen Änderung hochwassersicher nachgerüstet werden.

Sichere Heizöllagerung bei Überschwemmungsgefahr © Institut für Wärme und Oeltechnik e. V.
Sichere Heizöllagerung bei Überschwemmungsgefahr © Institut für Wärme und Oeltechnik e. V.

Heizölanlage hochwasserfest machen

Es gibt generell zwei Möglichkeiten, eine Heizölanlage hochwasserfest zu machen: bauliche Maßnahmen und die Sicherung der Tankanlage gegen Aufschwimmen.

Die meisten Heizölanlagen befinden sich in der Regel im Keller. Sie liegen somit unterhalb des möglichen Überschwemmungswasserstands. Damit sie bei einer Überschwemmung keine Schäden verursachen, muss der Aufstellraum gegen eindringendes Wasser, den Wasserdruck und den entstehenden Rückstau durch Abdichten gesichert werden.

Die sicherste Alternative ist die Platzierung der Heizölanlage in einem wasserdichten Raum oberhalb des möglichen Hochwasserstands. Lässt sich die Heizölanlage nicht verlagern, können Anlagenbesitzer sie auch durch Verankern gegen Aufschwimmen sichern. Diese Arbeit sollte allerdings von einem Fachbetrieb durchgeführt werden. Hierbei wird der Tank im Boden oder an den Seitenwänden des Kellerraums verankert. Die Anschlüsse, Deckel und Füllstandanzeiger werden mit entsprechenden Dichtungen gesichert. Entlüftungsleitungen werden so weit verlängert, dass ihr offenes Ende oberhalb des höchstmöglichen Wasserspiegels liegt.

Alternativ ist hier der Austausch des Öltanks vorzusehen. Einige neue Systeme sind bereits ab Werk gegen Hochwasser gesichert und lassen sich dank spezieller Vorrichtungen schnell verankern.

Kurzfristiges Handeln

Starkregen kommen schnell, heftig und in der Regel lokal nieder. Vorsorge ist in diesem Fall demnach so gut wie unmöglich. Hochwasser hingegen ist abzusehen. Hier ist kurzfristiges Handeln gefordert, um an der Ölheizungsanlage größere Schäden zu vermeiden.

Wasser bricht durch die Wand © Heinz Kerp
Wasser bricht durch die Wand © Heinz Kerp

Bei drohendem Hochwasser können Hausbesitzer ihre Heizung durchaus vor den Fluten sichern. Die Elektronik ist der wasserempfindlichste Teil der Heizungsanlage. Die Steuerung und den Brenner abzubauen, ist sicherlich sinnvoll. Der Kessel ist der robusteste Teil der Heizungsanlage. Ist schmutziges Wasser eingedrungen, muss man ihn reinigen. Nimmt man dann den normalen Heizungsbetrieb wieder auf, trocknet der Kessel von selbst. Korrosionsschäden sind nur sehr selten festzustellen. Auch die Mineralfaserverkleidung trocknet ohne Probleme wieder. Nur in Ausnahmefällen muss der Kessel nach einem Wassereibruch ausgetauscht werden.

Enthält ein Kellertank nur noch wenig Öl, sollte er in einer solchen Lage wieder aufgefüllt werden, empfiehlt der Zentralverband Sanitär-Heizung-Klima. Das zusätzliche Gewicht halte den Tank dann am Boden und die Flut reiße ihn nicht so schnell aus der Verankerung. Wasserdicht sei er sowieso. Ansonsten kann man versuchen, den Tank mit Steinen oder Sandsäcken zusätzlich zu beschweren oder mit Kanthölzern zu verkeilen. Anschlüsse, Deckel und Füllstandanzeiger sollten abgedichtet werden.

Tipp: Jetzt zum Newsletter anmelden

Erhalten Sie die wichtigsten News monatlich aktuell und kostenlos direkt in Ihr Postfach
Ihre Email-Adresse wird nur für den Newsletterversand verwendet Datenschutzerklärung

Artikel teilen: