Sicherung gegen Abwasserrückstau

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Rückstauklappe – Rückstauventil – Abwasserhebeanlage: Schutz vor Überschwemmung durch Abwasserrückstau

Rückstausicherung © Stockwerk Fotodesign, stock.adobe.com
Rückstausicherung © Stockwerk Fotodesign, stock.adobe.com

Sämtliche Abwasserleitungen in Gebäuden, wie von Waschmaschine, Dusche, Waschbecken oder Spüle bilden durch den Anschluss an den öffentlichen Kanal ein verbundenes Rohrsystem. Staut sich das Abwasser im Kanal, wie in letzter Zeit immer öfter durch auftretenden Starkregen, eine Kanalverstopfung oder einen Rohrbruch, drängt das Abwasser in die angeschlossenen Hausabflussleitungen zurück.
Dort steigt es bis auf das Niveau der Rückstauebene und kann alle tieferliegenden Bereiche des Hauses, wie den Keller, überfluten. Als Rückstauebene nimmt man dabei die Kanaldeckelhöhe des öffentlichen Kanals in der Straße an, an den das Gebäude angeschlossen ist. Ist das Gebäude direkt an einen Abwasserschacht angeschlossen, gilt dessen Höhe. Wenn das Gebäude zwischen zwei Schächten angeschlossen ist, ist die Höhe des oberen, also des höher liegenden Schachtdeckels maßgebend.

WICHTIG: Die jeweilige Stadt oder Gemeinde als Betreiber der öffentlichen Kanalisation haftet nicht für Rückstauschäden. Außerdem sind solche Schäden in klassischen Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen nicht automatisch abgedeckt. Allenfalls eine Elementarversicherung schließt diese Schäden mit ein.

Um eine, Rückstau zu vermeiden, sollte unbedingt eine Rückstausicherung eingebaut werden. Räume die unterhalb des Straßenniveaus, in denen etwa eine Waschmaschine angeschlossen ist oder aus denen Wasser über Abläufe abfließt, sind besonders gefährdete Schwachstellen bei einem Rückstau.

Nach DIN EN 12056 hat der Schutz gegen Rückstau grundsätzlich durch eine Abwasserhebeanlage zu erfolgen. Sofern ein Gefälle zum Kanal vorhanden ist, können entsprechend der DIN EN 12056-4 in Ausnahmefällen auch Rückstauklappen oder andere Rückstauverschlüsse nach DIN EN 13564 in der Grundleitung des Abwassersystems eines Gebäudes eingesetzt werden.

Hebeanlagen Grafik © Pentair Jung Pumpen
Die Hebeanlagen werden über Rückstauschleifen angeschlossen, die über die Rückstauebene führen © Pentair Jung Pumpen

Abwasserhebeanlage

Eine Abwasserhebeanlage gewährleistet den besten Schutz bei gleichzeitiger Führung der Druckleitung über das Niveau der Rückstauebene. Dies gilt unabhängig von der Lage des Kanals. Selbst wenn dieser also tiefer als die Kellersohle liegt, wird das Abwasser einmal über das Straßenniveau gepumpt. Für diesen Zweck wird im Keller i.d.R. ein Pumpenschacht und darin eine Hebeanlage installiert. Diese sammelt das Abwasser, das über eine elektrische Tauchpumpe oder eine Behälterhebeanlage entsorgt wird. Sie pumpt das Abwasser über die Rückstauebene hinweg in den Kanal. Die Rückschlagklappe der Hebeanlage verhindert, dass das Abwasser im Druckrohr zurück in die Hebeanlage fließt. Sie ist aus technischer Sicht keine Rückstausicherung, ersetzt also nicht die Schleife der Druckleitung über das Niveau der Rückstauebene.

Die Wahl der richtigen Hebeanlage hängt maßgeblich davon ab welches Medium entsorgt wird (fäkalienhaltig/fäkalienfrei), von der Menge sowie von Förderhöhe/Förderstrecke.

Hebeanlagen Grafik © Pentair Jung Pumpen
Eine Kleinhebeanlage gem DIN EN 12050-3 befördert das fäkalienhaltige Abwasser über eine kleine Druckleitung über die Rückstauebene © Pentair Jung Pumpen

Rückstauklappe

Rückstauklappen werden am Markt in verschiedenen Ausführungen angeboten. Die Ausführung ist schlussendlich ebenfalls insbesondere vom Medium abhängig das entsorgt werden soll. I.d.R. sind sie mit einem automatischen Betriebsverschluss und einem handverriegelbaren Notverschluss ausgestattet. Bei Ausführungen für fäkalienfreie Medien sind beide Rückstauklappen im Normalbetrieb geschlossen und öffnen sich durch das abfließende Abwasser selbsttätig, so dass es zum Kanal abfließen kann. Kommt es im Kanal zu einem Rückstau, so wird die erste Rückstauklappe durch den entstehenden Rückstaudruck automatisch gegen einen Flansch gepresst und somit fest verschlossen. Ist diese Rückstauklappe defekt, kann der Notverschluss per Hand betätigt werden.

Alle Funktionsteile müssen in eingebautem Zustand deshalb leicht zugänglich sein. Am eingebauten Rückstauverschluss muss eine Funktionsprüfung durch Rückstausimulierung durchführbar sein. Rückstauklappen gibt es in einer Vielzahl an Formen und Materialien. Insbesondere bei der Entsorgung fäkalienhaltiger Medien werden besondere Anforderungen an Rückstauverschlüsse gestellt. So müssen solche Systeme über einen mit Fremdenergie betriebenen Verschluss verfügen. Solche Ausführungen sind oft erheblich teurer und fast preisgleich mit der sichereren Variante einer Hebeanlage.

Rückstauventil

Das Rückstauventil ist der Rückstauklappe sehr ähnlich. Rückstauventile isolieren das gesamte Gebäude vom öffentlichen Kanalnetz. Es ist nach aktuellem Stand der Normung nicht zulässig auch Gebäudeteile oberhalb der Rückstauebene über ein Ventil zu führen!

Unter normalen Umständen kann Wasser durch das Ventil aus dem Haus in die Kanalisation fließen. Kommt es zum Rückstau und es fließt Abwasser aus der Kanalisation in das Ventil, aktiviert ein Schwimmer das Ventil und es schließt sich. Nachteil: Solange das Ventil geschlossen ist, dürfen keinerlei sanitäre Anlagen im Haus benutzt werden, da kein Abwasser in das öffentliche Kanalnetz abfließen kann!

Abwasserhebeanlagen, Rückstauklappen und Rückstauventile sollten immer mit Hilfe eines Sanitärfachbetriebs installiert werden. Die Lösung mittels Verschluss stellt dabei immer den unmittelbaren Rückstauschutz da, während die Hebeanlage immer in der Kombination mit der Rückstauschleife greift. Das bietet den Vorteil, dass einerseits eine Entwässerung zu jeder Zeit möglich ist – also auch bei Rückstau, andererseits ist der Rückstauschutz zu jeder Zeit gegeben, da dieser durch die physikalischen Gesetze quasi garantiert ist.

Außerdem muss der Rückstauschutz gemäß den gültigen Bestimmungen ausgeführt werden und es sollten nur zugelassene Hebeanlagen nach DIN EN 12050 bzw. Rückstauverschlüsse nach EN 13564 verwendet werden. Der fachgerechte Einbau wird für Deutschland in den aktuellen Regelwerke DIN EN 12056 und DIN 1986-100 beschrieben.

Die Funktionsfähigkeit des Abwasserrückstauschutzes sollte regelmäßig überprüft werden. Hebeanlagen, Rückstauklappen und -ventile müssen regelmäßig gereinigt und gewartet werden. Hinzu kommt eine monatliche Inspektion durch den Betreiber/Eigenheimbesitzer. Man empfiehlt die Überprüfung mit den „5 wachen Sinnen“. Die Wartung sollte dokumentiert werden, um im Schadensfall Ärger mit der Versicherung zu vermeiden.

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