Passivhaus

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Das Passivhaus: Niedrige Heizkosten – ein Häuserleben lang

Bei einem Haus sind über den gesamten Lebenszyklus gesehen nicht die Bau-, sondern die Betriebskosten das Teure. Gerade in Zeiten steigender Energiepreise ist es daher sinnvoll, beim Bauen den Schwerpunkt auf den Aspekt Sparsamkeit zu legen. Diesem Anspruch, möglichst wenig Energie zu verbrauchen, wird das Konzept des Passivhauses gerecht – und bietet gleichzeitig viele weitere Vorteile.

Haus: Wärmedämmung spart Energie © eisenhans, stock.adobe.com
Passivhaus: Wärmedämmung spart Energie © eisenhans, stock.adobe.com

Die Vorteile Passivhauses

Die Geschichte des Passivhauses reicht fast 30 Jahre zurück. In Darmstadt entstand im Jahr 1991 ein Mehrfamilienhaus, das einen Heizenergiebedarf von weniger als 12 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr aufwies. Bis heute erzielt das Gebäude in seiner Bilanz bessere energetische Werte als die meisten Neubauten. Die Idee des Passivhauses war geboren. Kein Wunder also, dass auch das Passivhaus Institut, das einheitliche Grenzwerte für Gebäude definiert und Baukomponenten für Passivhäuser zertifiziert in Darmstadt seinen Sitz fand.

Passivhaus © Doc Rabe, fotolia.com
Passivhaus © Doc Rabe, fotolia.com

Heute ist das Passivhaus ein anerkannter Baustandard, der besonders hohe Anforderungen an die energetische Qualität des Gebäudes legt. Ein Passivhaus vereint gleich mehrere Vorteile in sich, die Umwelt und Bewohnern gleichermaßen zugutekommen:

  • Energieeffizienz: Ein Passivhaus verbraucht im Vergleich zu einem konventionellen Bestandsgebäude rund 90 Prozent weniger Energie. Und auch im Vergleich zu einem Standard-Neubau liegt der Energieverbrauch eines Passivhauses um rund 75 Prozent niedriger. Dieser geringe Energieverbrauch zahlt sich im Endeffekt als Plus auf dem Haushaltskonto der Eigentümer aus. Umgerechnet beträgt der Energieverbrauch gerade einmal 1,5 Liter Heizöl-Äquivalent pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr. Abhängig von der Größe kommt ein Passivhaus so leicht mit 10 bis 25 Euro Heizkosten pro Monat aus. Oder anders ausgedrückt: Mit einem Euro pro Quadratmeter und Jahr.
  • Wohnkomfort: Bestandteil des Passivhauskonzeptes ist eine kontrollierte Wohnraumlüftung. Sie sorgt in allen Räumen jederzeit für frische und sauerstoffreiche Luft, sodass in einem Passivhaus eine besonders gute und angenehme Wohnatmosphäre herrscht. Hinzu kommt, dass die effektive Wärmedämmung eines Passivhauses nicht nur im Winter die Wärme im Haus hält, sondern auch im Sommer die Hitze aussperrt. Angenehme Temperaturen im Rauminneren sind die positive Folge.
  • Ökologie: Ein Haus, das nur sehr wenig Energie verbraucht, zahlt sich letztlich auch für die Umwelt und den Klimaschutz aus. Denn um den geringen Wärmebedarf zu decken, müssen die Eigentümer nur wenig Energieträger verbrennen. Dadurch ist der CO2-Ausstoß, den ein Passivhaus verursacht, sehr gering. Der energetische Mehraufwand und der damit verbundene, höhere CO2-Ausstoß, der bei der Herstellung von hoch effizienten Passivhauskomponenten entsteht – die so genannte „graue Energie“ –, gleicht sich durch die langfristig geringen Verbrauchs- und Emissionswerte des Gebäudes schnell wieder aus.
Bestandteile eines Passivhauses
Bestandteile eines Passivhauses
Tipp: Wer sich selbst einmal hautnah über die Vorteile eines Passivhauses informieren möchte, hat jeden November die Gelegenheit dazu. Die Informationsgemeinschaft Passivhaus (IG Passivhaus) veranstaltet zu dieser Zeit ihre Tage der offenen Tür im Passivhaus, bei denen viele Eigentümer in ganz Deutschland Interessierten ihre energieeffizienten Gebäude vorstellen.
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Das Passivhauskonzept

Doch wieso heißt das Passivhaus überhaupt Passivhaus? Und wie gelingt es ihm, derart geringe Verbrauchswerte zu erzielen? Beide Fragen sind relativ einfach erklärt: Der Name leitet sich daraus ab, dass möglichst viel Energie passiv genutzt und nur ein sehr geringer Teil aktiv erzeugt wird. Ein Passivhaus nutzt verschiedenste Wärmequellen:

  • die Sonneneinstrahlung
  • die Abwärme der Bewohner
  • die Abwärme der elektrischen Geräte
  • die Wärme der verbrauchten Raumluft

Erst wenn all diese Wärmequellen nicht mehr ausreichen, springt eine Zusatzheizung ein. Das kann beispielsweise eine kleine Brennwerttherme oder ein Wärmepumpen-Kompaktgerät sein.

Dass allerdings die passiven Quellen an normalen Tagen –mit Ausnahme der Warmwasserbereitung – für die Wärmeerzeugung ausreichen, liegt an dem ausgeklügelten Passivhauskonzept aus den folgenden Faktoren:

  • Hoch effiziente Wärmedämmung: Ein Passivhaus ist wärmebrückenfrei ausgeführt und rundherum von Dämmstoff gut eingepackt. Um die niedrigen Wärmeverluste zu erzielen, sind Dämmstoffdicken von 25 bis 40 Zentimetern keine Seltenheit.
  • Spezielle Passivhausfenster- und Türen: Die Fenster und Türen eines Passivhauses müssen ebenfalls einer besonders hohen energetischen Qualität genügen. Die Fenster verfügen beispielsweise über eine Mehrfachverglasung und gedämmte Rahmen. Das Passivhaus Institut zertifiziert die Komponenten, die sich für den Bau eines Passivhauses eignen.
  • Kontrollierte Wohnraumlüftung: Um den Luftwechsel zu gewährleisten, verfügt ein Passivhaus immer über eine Lüftungsanlage zur kontrollierten Wohnraumlüftung. Aus energetischer Sicht ist dabei die Wärmerückgewinnung entscheidend. Die verbrauchte Raumluft wärmt die frische Außenluft vor. Moderne Anlagen gewinnen so zwischen 80 und 95 Prozent der in der Raumluft enthaltenen Wärme zurück.
  • Richtige architektonische Gestaltung und Gebäudeausrichtung: Grundsätzlich gibt die Gestaltung keinen Aufschluss darüber, ob es sich bei einem Gebäude um ein Passivhaus handelt oder nicht. Dafür sind die technischen Möglichkeiten heute zu gut und zu vielfältig. Dennoch weisen viele Passivhäuser eine kompakte Bauform auf, da bei ihr die Wärmeverluste am geringsten sind. Das Gebäude wird so ausgerichtet, dass sich die Sonneneinstrahlung zur passiven Raumheizung nutzen lässt. In der Regel hat ein Passivhaus daher nach Süden große und nach Norden kleinere Fenster.
Fassadendämmung © Jürgen Flächle, stock.adobe.com
Fassadendämmung gehört zum Standard eines Passivhauses © Jürgen Flächle, stock.adobe.com
Tipp: Das Passivhauskonzept lässt sich übrigens in allen Bauweisen realisieren. Ob Sie als Bauherr klassisches Mauerwerk, Holzbauweise, Stahlkonstruktionen oder eine Mischbauweise bevorzugen – der Weg zur bestmöglichen Energieeffizienz ist in jedem Fall offen.

Welche Vorgaben muss ein Passivhaus erfüllen

Da es sich beim Passivhaus um einen Baustandard handelt, gibt es klare Grenzwerte, die es erfüllen muss. Diese wurden vom Passivhaus Institut in Darmstadt definiert und sind inzwischen allgemein anerkannt. Wichtig dabei: Die Vorgaben beziehen sich immer auf die jeweilige klimatische Region, in der das Passivhaus steht. So können sie für verschiedene Orte der Welt voneinander abweichen. Die wichtigsten Grenzwerte in unseren mitteleuropäischen Breiten sind:

  • Heizwärmebedarf: Der Heizwärmebedarf darf 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr nicht überschreiten.
  • Primärenergiebedarf: Der Primärenergiebedarf für die restliche Heizwärmeerzeugung, die Warmwasserbereitung, den Betrieb der Lüftung und den Haushaltsstrom darf nicht über 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr liegen.
  • Luftdichtheit: Die Luftwechselrate darf nicht über n50= 0,6/h liegen. Dieser n-Wert bedeutet: Bei einem Über- oder Unterdruck von 50 Pascal dürfen in einer Stunde von der gesamten Luft im Gebäude nur maximal 60 Prozent nach außen verloren gehen. n=1 ist das Luftvolumen, das im Gebäude insgesamt vorhanden ist. Der n-Wert wird durch den so genannten Blower Door Test nachgewiesen.
  • Dämmstandard: Der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) darf bei Wänden, Kellern und Dach maximal 0,15 W/(m²K) sowie bei Fenstern und Türen (Verglasung und Rahmen) maximal 0,8 W/(m²K) betragen. Der Wert gibt an, wie viel Watt (W) Energie über einen Quadratmeter Fläche (m²) pro Grad Temperaturunterschied in Kelvin (K) von innen nach außen verlorengeht.
  • Wärmerückgewinnung der Lüftungsanlage: Die Lüftungsanlage muss mindestens 75 Prozent der Wärme aus der verbrauchten Raumluft zurückgewinnen. Moderne Anlagen liegen deutlich über diesem Wert.
Einfamilienhaus mit regenerativem Energiekonzept © 4th Life Photography, stock.adobe.com
Einfamilienhaus mit regenerativem Energiekonzept © 4th Life Photography, stock.adobe.com
Tipp: Um als Passivhaus zu gelten, muss ein Gebäude lediglich die energetischen Vorgaben erfüllen. Eine gesonderte Zertifizierung ist nicht notwendig. Dennoch können Bauherren ihr Passivhaus von dem Passivhaus Institut in Darmstadt zertifizieren lassen. So können sie sicher sein, dass es alle Vorgaben erfüllt. Vergeben werden die Passivhaus-Klassen Classic, Plus oder Premium – je nachdem, wie viel regenerative Energien die Eigentümer nutzen. Sollte ein Haus die Passivhaus-Kriterien nicht ganz erfüllen, gibt es zusätzlich den PHI-Energiesparhaus-Standard.

Baustandard der Zukunft

Die hoch energieeffiziente Bauweise ist im Übrigen auch politisch gewollt: Die Europäische Union hat mit ihrer EU-Gebäuderichtlinie beschlossen, dass ab 2021 in Europa nur noch so genannte „nearly zero-energy-buildings“ errichtet werden dürfen. Diese Gebäude dürfen nahezu keine nicht-erneuerbare Energie mehr verbrauchen. In Deutschland wird die Richtlinie über das Gebäudeenergiegesetz umgesetzt. Das Passivhaus ist somit ganz klar der Baustandard der Zukunft.

Tipp: Die Entscheidung für ein Haus ist eine Entscheidung fürs Leben. Daher sollten Bauherren am besten immer den höchstmöglichen energetischen Standard wählen. Er zahlt sich durch dauerhaft niedrige Betriebskosten aus.

Was kostet ein Passivhaus

Die Kosten für ein Passivhaus hängen wie bei jedem Gebäude von vielfältigen, individuellen Faktoren wie Größe, Gestaltung und Ausstattung ab. Allerding lassen sich selbstverständlich Vergleiche ziehen. Um beispielsweise ein Haus mit einer Wohnfläche von 150 Quadratmetern als Passivhaus auszuführen, sind rund 10.000 bis 20.000 Euro an Mehrkosten im Vergleich zum Standard-Neubau notwendig. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Kosten eines Passivhauses um 5 bis 15 Prozent über denen eines Neubaus liegen, der lediglich die gesetzlich geltenden energetischen Vorgaben erfüllt.

Den leicht höheren Kosten stehen vielfältige Vorteile gegenüber:

  • Hochqualitative Baukomponenten: Die vom Passivhaus Institut zertifizierten Baukomponenten weisen eine sehr hohe Qualität auf.
  • Geringe Betriebskosten: Das Haus verbraucht nur wenig Energie, sodass es sehr sparsam betrieben werden kann.
  • Geringe Wartungskosten: Im Passivhaus gibt es keine klassische Heizung, daher ist auch die Wartung weniger aufwändig.
  • Hoher Wiederverkaufswert: Ein Passivhaus bleibt attraktiv, auch wenn die Energiekosten weiter steigen.
Tipp: Der Bau von energetisch hochwertigen, energieeffizienten Gebäuden wird staatlich gefördert. Bauherren können zinsgünstige Kredite und Investitionskostenzuschüsse der KfW Bank in Anspruch nehmen. Für den Einbau moderner Heiztechniken und Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung gibt es zudem Fördermittel vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Ein Energieberater oder der Planer des Passivhauses kann über die Möglichkeiten der Förderung genau Auskunft geben.

Das Passivhaus im Gebäudebestand

Wer auf der Suche nach einer Immobilie ist, baut nicht zwingend selbst, sondern kauft ein bestehendes Eigenheim. Diese Bestandsgebäude stammen allerdings zu einem sehr großen Anteil aus einer Zeit, als die Themen Energieeinsparung, Wärmedämmung oder CO2-Ausstoß noch keine größere Rolle spielten. Aus energetischer Sicht sind viele Altbauten daher mangelhaft.

Im Rahmen einer Sanierung lassen sich Passivhauskomponenten wie Fenster- und Türen oder Dämmstoffe einsetzen, um den energetischen Standard zu heben. Im besten Fall kann auf diese Weise auch ein bestehendes Gebäude auf den energetischen Stand eines Passivhauses gebracht werden. Das ist allerdings nicht bei allen Gebäuden möglich, da sich grundlegende Dinge bei einem Bestandsgebäude nicht mehr beeinflussen lassen. Dazu zählen beispielsweise

  • die Ausrichtung des Gebäudes,
  • die Lage oder auch
  • bauliche Eigenschaften wie eine fehlende Perimeterdämmung des Kellers.
Tipp: Auch für sanierte Eigenheime gibt es eine Zertifizierung des Passivhaus Instituts. Wer den guten energetischen Zustand seiner Immobilie nach der Sanierung nachweisen möchte, kann dazu das EnerPHit Siegel beantragen, das ebenfalls in den Klassen Classic, Plus und Premium vergeben wird.
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