Tapete auf Tapete kleben

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Tapete auf Tapete kleben: Kann man Tapeten ohne Probleme übertapezieren?

Tapeten überzutapezieren war früher gang und gäbe. Das weiß jeder, der schon einmal im Altbau renoviert oder saniert hat. Und sich nach einer kleinen „Probebohrung“ an der Wand gefragt hat, ob er jetzt wirklich derjenige sein muss, der all diese Tapetenschichten von der Wand kratzt, nachdem sie doch schon so lange (und so fest) gemeinsam dort klebten. Wäre es nicht möglich, einfach noch eine Schicht daraufzukleben, um die Wand schnell und einfach in neuem Licht erstrahlen zu lassen?

Tapete entfernen © jjspring, stock.adobe.com
In Altbauten kleben oft viele Tapetenschichten aufeinander © jjspring, stock.adobe.com

Professionelle Handwerker schlagen beim Thema „Tapete auf Tapete“ die Hände über dem Kopf zusammen. An Gegenargumenten gibt es auch keinen Mangel: Tapeten überzutapezieren ist nicht fachmännisch, kann nicht funktionieren, kann nicht schön aussehen, macht den Raum unnötig kleiner, ist nicht gut fürs Raumklima und gehört sich einfach nicht.

Zu oftes Übertapezieren kann das Raumklima mindern
Zu oftes Übertapezieren kann das Raumklima mindern

Tatsächlich wird jeder, der schon einmal eine bombenfeste Schicht aus mehreren alten Tapeten fetzenweise abgezogen hat, seine Vorgänger dafür verwünschen und allen anderen dringend davon abraten. Trotzdem ist es, rein sachlich betrachtet, durchaus möglich, Tapete auf Tapete zu kleben. Wenn ein paar Voraussetzungen stimmen, kann das nicht nur funktionieren, sondern auch gut aussehen und einwandfrei halten, ohne das Raumklima fühlbar zu verschlechtern. Auch der Raumverlust im Kubikzentimeterbereich kann durchaus toleriert werden.

Tapezieren © Andrey Burmakin, stock.adobe.com

Im Folgenden lesen Sie, welche Tapeten sich zum Übertapezieren eignen, welche Kompromisse Sie dabei gegebenenfalls machen müssen und wann es keine gute Idee ist, Tapete auf Tapete zu kleben.

Warum Tapeten früher besser zum Übertapezieren geeignet waren

Früher wurden vor allem einfache Papiertapeten verwendet. Manche hatten kleine Prägungen oder ein wenig Struktur, manche waren auch bedruckt, doch die Bahnen waren durch und durch aus Papier. Darunter und dazwischen kam gewöhnlicher Tapetenkleister, der aus Zellulose besteht, also gewissermaßen auch aus Papier, und sich darum sehr gut mit der Tapete verbindet. So gut, dass mehrere aufeinander geklebte Papiertapetenschichten sich oft gar nicht mehr trennen, sondern nur noch als Ganzes von der Wand entfernen lassen. Auch auf den bis heute gängigen Untergründen, etwa Glattputz, Spachtelmasse oder Makulatur, haftet der Zellulosekleister hervorragend, so dass ein stabiler Untergrund ohne weiteres auch viele Tapetenschichten tragen kann.

Mittlerweile gibt es aber jede Menge verschiedener Tapetenarten und Designs, bei denen viele Materialien gemischt werden. Zwar besteht die Basis auch heute noch oft aus Papier, doch darauf kann alles Mögliche sitzen, etwa aufgeschäumte Kunststoffe, glänzendes Vinyl, Kunstsamt, Plüsch, Glitzer- oder Metalliceffekte. Solche modernen Tapeten sind zum Übertapezieren nicht gedacht, und wer es trotzdem tut, handelt tatsächlich unfachmännisch. Technisch unmöglich ist es aber nicht – Sie brauchen lediglich einen geeigneten Klebstoff.

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Warum das Übertapezieren selten die beste Wahl ist

Auch wenn hier verschiedene Möglichkeiten beschrieben werden, Tapete auf Tapete zu kleben, ist es in den meisten Fällen besser, die alte Tapete zu entfernen. Denn erstens sehen Sie dann den Untergrund und können eventuelle Mängel beheben, bevor sie neu tapezieren. Zweitens sind Sie dadurch viel freier in der Gestaltung. Sie können den Untergrund für Ihre Wunschtapete perfekt vorbereiten – hell, sauber, glatt und gleichmäßig – und müssen nicht fürchten, dass alte Strukturen oder Farben später durchschimmern und das Ergebnis verderben.

Tapeziergerät oder Tapziermaschine © Alex, fotolia.com
Tapeziergerät oder Tapziermaschine helfen beim Tapezierem © Alex, fotolia.com

Manchmal ist eine Notlösung aber besser als gar keine. Oder ein Kompromiss reicht aus, etwa wenn Sie keine Tapetenreste entsorgen wollen, das Herunterreißen der alten Tapete zu lange dauern würde oder sie so fest sitzt, dass dabei auch der Untergrund schwer beschädigt würde. Wenn es dann trotzdem unbedingt neue Tapete sein muss und frische Farbe allein nicht genügt, dann kann das Übertapezieren durchaus funktionieren.

Welche Tapeten sind zum Übertapezieren geeignet?

Gute geeignete Tapeten für sauberes Übertapezieren
Gute geeignete Tapeten für sauberes Übertapezieren
  • Oldschool-Papiertapete:

    Glatte, dünne, ungestrichene Papiertapeten, die an einer trockenen Wand gut haften, können Sie bedenkenlos übertapezieren. Das würden sogar die Profis absegnen. Denn eine solche Tapete ist ja durchaus vergleichbar mit Makulatur und anderen explizit zum Übertapezieren gedachten Unterlagsstoffen.

  • Spaltbare Tapete:

    Dasselbe gilt für spaltbare Tapeten. Die sind extra so hergestellt, dass sich ihre Oberschicht, egal aus welchem Material, leicht von der Basis abziehen lässt. An der Wand bleibt dann eine helle, glatte Papierschicht zurück – der ideale Untergrund für die nächste Tapete. Bei einer neuen Tapete erkennen Sie an den Tapetensymbolen, ob sie spaltbar ist; bei einer alten hilft nur Probieren.

  • Raufasertapete:

    Raufaser ist eine Papiertapete, in die kleine Holzspäne eingearbeitet sind. Sie kann ebenfalls übertapeziert werden – vor allem in Mietwohnungen wird oft Raufaser auf Raufaser tapeziert. Es ist auch möglich, Vliestapete auf Raufaser zu tapezieren. Gerade die dickeren Vliestapeten sind dafür geeignet, denn sie können die Raufaserstruktur einigermaßen kaschieren. Außerdem lassen sich viele Vliestapeten in ganzen Bahnen wieder ablösen, was bei späteren Renovierungen sehr praktisch ist: Einfach abziehen, eventuell ein paar Kleisterreste entfernen, die Raufaser frisch überstreichen, und fertig ist der neue Look. Allerdings sind auch diese Lösungen nicht wirklich fachmännisch, sondern eher für Heimwerker und Renovierungen, bei denen es nicht so auf Perfektion ankommt.

  • Vliestapete:

    Vliestapeten können grundsätzlich ebenfalls übertapeziert werden. Doch gerade diese Tapetenart lässt sich in den meisten Fällen auch recht einfach entfernen, so dass der Hauptgrund fürs Übertapezieren wegfällt.

Allgemeine Tipps zum Übertapezieren

Die alte Tapete muss fest sitzen und trocken sein. Keinesfalls dürfen Sie dauerfeuchte Stellen oder Schimmel übertapezieren – hier müssen Sie immer zuerst die Ursachen ermitteln und den Schaden beheben.

Rühren Sie den Kleister lieber ein wenig dicker an, wenn Sie Tapete auf Tapete kleben. Dann dringt er zwar ein, aber nicht so rasch durch, und das Risiko, dass er den alten Kleister an- oder ablöst, ist geringer.

Reine Papiertapeten und auch die mehrschichtige Raufaser sind wasserdampfdurchlässig. Dasselbe gilt für den Vliesträger der Vliestapeten. Ihre „Atmungsaktivität“ geht jedoch verloren, wenn sie mit undurchlässigen Obermaterialien wie PVC beschichtet, mit Kunststoffdispersion gestrichen oder mit Dispersionsklebern überklebt werden.

Generell ist es günstiger für die Haftung und auch fürs Raumklima, wenn die Tapete, die übertapeziert werden soll, noch ungestrichen ist. Doch auch gestrichene Tapeten können Sie übertapezieren, sofern der Anstrich gut hält und es sich um eine Dispersionsfarbe oder Mineralfarbe handelt. Schwierig wird es bei wasserdichten Beschichtungen wie Latexfarbe oder Elefantenhaut: Darauf hält kein normaler Tapetenkleister, sondern nur entsprechende Spezialkleber.

Tapezieren Werkzeug © Stefan Weis, fotolia.com
Wichtig: Das richtige Werkzeug zum Tapezieren © Stefan Weis, fotolia.com

Tapete auf Tapete: Mit dem richtigen Kleber kann alles halten

Normaler Tapetenkleister auf Zellulosebasis ist nicht dafür geeignet, auf glatte, dichte Oberflächen etwas zu kleben. Er braucht einen saugfähigen, also zumindest etwas porösen Untergrund, der möglichst auch noch überall gleich stark saugen sollte.

Tapetenkleister © dmdartworx, fotolia.com
Tapetenkleister: Mit dem richtigen Kleber kann alles halten © dmdartworx, fotolia.com

Nur so kann die Tapete gut haften und gleichmäßig, ohne Falten oder Blasen, auftrocknen. Und die frisch aufgeklebte Tapete muss ebenfalls Wasser durchlassen, damit der Kleister darunter trocknen kann. Aus diesem Grund ist der klassische Kleister für wasserdampfundurchlässige Tapeten wie Glasfasertapeten, Kunststoff-, Lack-, Satin- oder Vinyltapeten ungeeignet. Für diese werden stattdessen spezielle Dispersionskleber verwendet.

Mit Tapetenklebern auf Kunstharzbasis können Sie nahezu alles mit allem tapezieren. Damit hält Tapete sogar auf Fliesen. Und natürlich ließe sich damit auch eine Schaumtapete oder Vinyltapete auf die andere kleben. Es würde halten, aber es wäre weder professionell noch empfehlenswert, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Ästhetik: Kleben Sie eine glatte auf eine strukturierte oder geschäumte Tapete, drückt sich die Struktur auf jeden Fall durch und wird dabei auf keinen Fall schöner. Kleben Sie Hartes auf Weiches, wird es später bei mechanischer Belastung Risse geben. Auch müssen Sie damit rechnen, dass die Farben der Untertapete durchschimmern oder die Übertapete faltig sitzt und das Ganze nachher aussieht wie gewollt, aber nicht gekonnt.
  • Raumklima: Wenn alles gut verklebt und die Wand immer schön trocken ist, bekommen Sie nicht zwingend ein Schimmelproblem. Aber es könnte schon sein, dass im Raum künftig öfter „dicke Luft“ herrscht als vorher. Denn wenn mehrere wasserdichte Tapetenschichten aufeinanderkleben, ist Schluss mit Diffusionsoffenheit und gesunder Feuchteregulierung. Dazu kommen die Gesundheitsrisiken durch den Spezialkleber, der im Gegensatz zu normalem Tapetenkleister nicht nur Wasser ausdünstet.
  • Aufwand: Warum sich für einen so zweifelhaften Kompromiss so viel Mühe machen und so viel Geld ausgeben? Alternativ könnte man die alte Tapete überstreichen und bekäme mit viel weniger Aufwand ein mindestens ebenso brauchbares Ergebnis.
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