Schimmel an der Wand einfach übertapezieren?

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Schimmel an der Wand einfach übertapezieren?

Wenn sich Schimmel auf oder unter der Tapete gebildet hat, ist das in vielen Fällen nur halb so schlimm, wie es aussieht. Trotzdem sollten Sie den Schimmel keinesfalls einfach übertapezieren, sondern vorher herausfinden, warum er an dieser Stelle überhaupt entstanden ist. Außerdem müssen Sie die Stelle in jedem Fall zumindest säubern und trockenlegen, bevor Sie wieder Tapete darauf kleben. Denn wie alle Wandbeschichtungen in Wohnräumen braucht auch Tapete einen sauberen, trockenen und haftfähigen Untergrund. Tapezieren Sie eine feuchte Wand, kann der Tapetenkleister nicht richtig durchtrocknen. Die Tapete wird dann nicht richtig halten, und darunter kann es munter weiterschimmeln.

Schimmelbekaempfung © Heiko Küverling, fotolia.com
Schimmelbekaempfung © Heiko Küverling, fotolia.com

Schimmelspuren, Schimmelflecken oder ganze Flächen voller Schimmel zeigen sich oft erst nach dem Entfernen der alten Tapete. An besonders feuchtegefährdeten oder feuchtebelasteten Wänden erhöhen Tapeten das Schimmelrisiko, weil Feuchtigkeit, die zwischen Putz und Tapete gelangt ist, von dort nur schwer wieder entweichen kann. Manchmal ist der Schimmel aber auch auf der Tapete zu sehen – entweder, weil er sich mit der Zeit darunter „hervorgeschafft“ hat, oder weil es tatsächlich nur auf, nicht aber unter der Tapete schimmelt.

Sowohl an tapezierten als auch an untapezierten Wänden hat der Schimmel seine „Lieblingsstellen“, etwa hinter Möbeln, die dicht an der Wand stehen, in den Kanten entlang der Decke, in Ecken aller Art und um die Fenster herum. Um ihn wieder loszuwerden und neuer Schimmelbildung vorzubeugen, muss man zuerst die Ursachen kennen. Und das bedeutet, den Schimmel selbst besser zu verstehen.

Schimmel im Bereich des Fensters © fevziie, stock.adobe.com
Fenstersturz und Laibung gehören zu den Lieblingsstellen des Schimmelpilzes © fevziie, stock.adobe.com
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Kenne den Feind: Wie lebt der Schimmelpilz, und wie kann ich ihn daran hindern?

Schimmel ist weder ein Schicksalsschlag noch eine geheimnisvolle Fremdsubstanz, sondern ein Lebewesen. Es handelt sich um einen Pilz, also einen engen Verwandten der „netten“ Pilze, die wir im Haushalt schätzen, etwa Hefe, Essigmutter oder die flaumige weiße Schicht um den Camembert. Wie alle Pflanzen braucht der Schimmelpilz Wasser, um zu überleben. Weil er jedoch – anders als andere Pflanzen – keine Fotosynthese treibt, braucht er kein Sonnenlicht, ist dafür aber auf organische Nahrung angewiesen.

Um das Nahrungsangebot muss sich der Schimmelpilz in Wohnräumen keine Sorgen machen. Organische Nährstoffe sind nicht nur im Staub, der sich auf die Wände legt, reichlich vorhanden. Sie finden sich auch im Papier oder Holz (Raufaser) der Tapete, im Tapetenkleister (Zellulose) sowie in allen Putzen und Farben, die nicht rein mineralisch sind. Den Schimmel auszuhungern wäre also mit enormem Aufwand verbunden. Und muss auch gar nicht sein, denn viel einfacher ist es, ihm das Wasser zu entziehen bzw. vorzuenthalten.

Feuchtigkeit von innen ist die Hauptursache von Schimmelbildung in Küche, Bad und Wohnräumen. Allerdings reicht es nicht aus, wenn die Wände ab und zu feucht oder auch richtig nass werden. Damit der Schimmel sich ansiedeln und gedeihen kann, muss die Feuchtigkeit länger bleiben, am besten dauerhaft. Und das passiert vor allem, wenn die Luft an der entsprechenden Stelle nicht richtig zirkulieren kann (z. B. unter der Tapete, an der Wand hinter Möbeln oder in schlecht belüfteten Räumen) und die Wand dort auch noch kälter ist, etwa an der Innenseite einer Außenwand.

Ein klassischer Fall ist das Badezimmer: Beim Baden oder Duschen erhöht sich die Luftfeuchtigkeit durch den Wasserdampf, und Kondenswasser schlägt sich auf allen Flächen nieder. Wände, Decke, Kacheln, Spiegel, Fenster – alles wird nass, und zwar ziemlich häufig. Damit all das Wasser danach wieder verschwindet, reicht bloßes Lüften oft nicht aus. Die Luft muss auch frei zirkulieren können und warm genug sein, damit sie so viel Feuchtigkeit aufnehmen und abtransportieren kann. Deshalb gilt: Während der kalten Jahreszeit die Heizung lieber noch ein wenig länger anlassen, Badezimmertür offenlassen und dem Luftstrom möglichst wenig in den Weg hängen (z. B. Duschvorhang, Handtücher, etc.) Stellen, an denen das Wasser steht (etwa Fenstersims und Wannenränder) können zusätzlich mit einem Lappen getrocknet und nasse Kacheln mit einem Gummiabzieher abgezogen werden.

Schimmel im Badezimmer © mekcar, fotolia.com
Schimmel im Badezimmer © mekcar, fotolia.com

Doch schon durchs Leben und Wohnen allein wird die Luft feucht: Rund einen Liter pro Tag gibt ein Mensch an die Raumluft ab, dazu kommt Feuchtigkeit durch Haustiere und Zimmerpflanzen. Dass Schimmel in warmen Räumen besser gedeiht, ist übrigens ein weitverbreiteter Irrtum. Was die Wohlfühltemperatur angeht, ist der Pilz sogar wesentlich kompromissbereiter als die meisten Menschen. Tatsächlich wächst Schimmel viel öfter an kalten Wänden oder der kältesten Stelle der Wand – einfach, weil sich dort die lebenswichtige Feuchtigkeit niederschlägt und bleibt.

In manchen Fällen kommt das Schimmelproblem aber auch von außen, etwa wenn Regen- oder Tauwasser durch eine undichte Wand eindringt oder ein Wasserablauf fehlt oder verstopft ist. Dann muss zuerst dieses Problem behoben werden, damit der Schimmel abstirbt und die Wand durchtrocknet. Bei alten Wasserschäden und Schimmelproblemen ist dann häufig auch der Mörtel oder Putz durch die Feuchtigkeit beschädigt und muss repariert oder erneuert werden, bevor die Innenwand wieder tapeziert werden kann. Dass der Schimmel selber die Bausubstanz frisst, ist ebenfalls ein gängiger Mythos: Anders als holzzerstörende Pilze befällt der Schimmelpilz nur Oberflächen, auf denen er sich dann ausbreitet, ohne tief hineinzuwachsen.

Ursachen für Feuchtigkeitseintritt über den Keller
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Feuchtigkeitsschäden: Hausinterne Gründe
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Äußere Ursachen für Feuchtigkeitseintritt
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Kondensation am Fenster
Kondensation am Fenster

Wärmebrücken an der Fassade begünstigen ebenfalls die Bildung von Kondenswasser, das dann bis zur Innenwand durchdringen und sich in Hohlräumen zwischen verschiedenen Wand- oder Dämmschichten ansammeln kann. Um das zu verhindern und Schimmel in den Wänden vorzubeugen, sollten Dämmungen und Verkleidungen an Außenwänden nur von einem Fachbetrieb ausgeführt werden. Das gilt auch, wenn die Innenseite der Außenwand verkleidet wird.

Schimmel an der Wand: Sanieren oder nur säubern und übertapezieren?

Auch als Laie können Sie ermitteln, ob Schimmel auf oder unter der Tapete durch Kondenswasser von innen entstanden ist oder wegen von außen eindringender Feuchtigkeit. Gehen Sie dazu folgendermaßen vor: Erst Handschuhe anziehen und Atemschutz anlegen, damit Sie keine Schimmelsporen einatmen. Dann die alte Tapete großflächig ablösen, um das Ausmaß des Schimmelbefalls festzustellen.

Glück gehabt: Oberflächenschimmel

Handelt es sich um einzelne dunkle Flecken oder eine begrenzte Fläche, etwa in der Fensternische oder hinter einem Möbelstück, können Sie davon ausgehen, dass Kondenswasser aus der Raumluft die Ursache ist. Dafür spricht auch, wenn der Schimmel trocken und staubig wirkt und der Putz darunter sich fest und glatt anfühlt.

In diesem Fall säubern Sie die schimmligen Stellen mit hochprozentigem Alkohol, z. B. Spiritus oder einem alkoholhaltigen Reinigungs- und Desinfektionsmittel. Satt aufsprühen oder aufpinseln, kurz wirken lassen, dann die Stelle kräftig abbürsten und mit klarem Wasser nachwischen. Das reicht, um eventuell noch lebende Schimmelpilze sicher abzutöten. Schimmelentferner mit Chlor oder anderen aggressiven Chemikalien sind nicht notwendig. Um auch die Verfärbungen zu beseitigen oder zumindest aufzuhellen, können Sie Wasserstoffperoxid verwenden.

Tapeziergerät oder Tapziermaschine © Alex, fotolia.com
Ist die Wand gut durchgetrocknet, können Sie sie erneut tapezieren © Alex, fotolia.com

Ist die Wand gut durchgetrocknet, können Sie sie erneut tapezieren. Damit der Schimmel nicht zurückkommt, sorgen Sie künftig für bessere Luftzirkulation, etwa indem Sie die Möbel weiter von der Wand entfernt aufstellen, besser lüften und mehr heizen. Falls das nicht möglich sein sollte, ziehen Sie statt der Tapete lieber einen Mineralputz auf oder streichen Sie mit einer Mineralfarbe. So gibt es keine Schichten mehr, zwischen denen sich Feuchtigkeit stauen könnte, und die anorganische Beschichtung macht es den Schimmelsporen schwerer, sich anzusiedeln.

Schimmel Begutachtung durch Experten © Karin und Uwe Annas, stock.adobe.com
Woher kommt der Pilz? Ein Profi kann die Ursachen für Schimmelbefall genau ermitteln © Karin und Uwe Annas, stock.adobe.com

Ist die Wand beschädigt, muss sie saniert werden

Finden Sie keine Grenze der Schimmelfläche, sind Tapete, Schimmel und Untergrund akut feucht oder zeigen sich verschiedene Schimmelfarben (Schwarz, Braun, Grün, Rot, Gelb), deutet das auf eine undichte Stelle bzw. tiefer beschädigte Wand hin, etwa durch fehlende Drainage oder einen Wasserschaden.

Beim Verdacht auf ein tieferliegendes Problem prüfen Sie den Untergrund mit einem Spachtel oder Schraubenzieher auf Festigkeit. Bei undichten und dauerfeuchten Wänden ist der Putz auch in tieferen Schichten aufgeweicht, bröckelig oder faulig. In diesem Fall dürfen Sie die Wand keinesfalls einfach übertapezieren. Lassen Sie sie stattdessen von einem Fachmann untersuchen, um die Ursache des Problems zu identifizieren. Danach muss repariert oder saniert werden. Und je nach Ausmaß des Schadens kann es noch eine Weile dauern, bis Sie wieder zum Tapezieren kommen.

Feuchtigkeitsschäden an der Wand © JRJfin, stock.adobe.com
Ist Feuchtigkeit von außen eingedrungen, muss der aufgeweichte Putz erneuert werden © JRJfin, stock.adobe.com

Vorsicht mit Anti-Schimmel-Farben, Sperrgrund und Versiegelungen

Wie schon erwähnt, ist Feuchtigkeit auf und in Wänden nur dann ein Problem, wenn sie zu lange bleibt oder dauerhaft vorhanden ist. Poröse Putze wie Kalkputz und diffusionsoffene, also Dampf durchlassende Farben wie Silikatfarbe können in Zeiten hoher Feuchtebelastung (z. B. während des Duschens, beim Kochen oder im winterlichen Altbaukeller) viel Wasser aufnehmen und es später problemlos wieder an die Raumluft abgeben. Dieser Prozess, der den Feuchtehaushalt regelt und damit der Schimmelbildung vorbeugt, wird oft mit dem Atmen verglichen. Darum werden solche Beschichtungen auch als „atmungsaktiv“ bezeichnet.

Tapeten und filmbildende Dispersionsfarben erschweren allerdings diesen Feuchtigkeitsaustausch oder verhindern ihn ganz. Kondenswasser, das dennoch seinen Weg unter die Papier- und Kunststoffschicht gefunden hat, bleibt dort eingesperrt und begünstigt so das Schimmelwachstum. Werden jetzt mit Sperrgrundierungen oder Anti-Schimmel-Farben noch mehr Schichten und Versiegelungen aufgebracht, kommt der Luftaustausch vollends zum Erliegen. Das führt in vielen Fällen zu einer drastischen Verschlimmerung des Feuchtigkeits- und Schimmelproblems. Dazu kommen die Gesundheitsgefahren, die von den enthaltenen Chemikalien (z. B. Fungiziden) ausgehen.

Nach der Schimmelentfernung erneut tapezieren oder nicht?

Wenn Sie im Bad oder in der Küche Schimmel unter der Tapete hatten: Muss es dort unbedingt wieder Tapete sein? Sie müssen ja nicht gleich Fliesen kleben: Mit einem schönen Rauputz behalten Sie den Untergrund im Blick und müssen sich keine Sorgen mehr über heimliches Pilzleben in unsichtbaren Hohlräumen machen.

Sie wollen eine Wohnraumwand nach der Schimmelentfernung unbedingt wieder tapezieren? Die klassische Raufasertapete ist dampfdurchlässig und bleibt es auch, wenn Sie sie statt mit Dispersionsfarbe mit Silikatfarbe, Kalkfarbe oder Lehmfarbe streichen.

Kunststoff-, Lack- und Vinyltapeten sind nicht diffusionsoffen; dasselbe gilt für Papiertapeten mit aufgeschäumten Strukturen sowie Vliestapeten, die Polyester enthalten und mit filmbildenden Spezialkleistern angebracht werden. Natürlich kann die Wand jedoch auch damit schimmelfrei bleiben, wenn sie in Zukunft nicht mehr feucht wird oder das Kondenswasser durch gute Luftzirkulation, Heizen und Lüften jedes Mal rasch und vollständig wieder verfliegen kann.

Sie können auch bewusst auf eine wasserdichte Tapete setzen, um die (trockene!) Wand zu versiegeln. Hier bietet sich die anorganische und daher besonders schimmelresistente Glasfasertapete an. Allerdings muss eine wasserdichte Tapete perfekt verklebt werden, damit auch an den Nähten und Übergängen keine Feuchtigkeit eindringen kann. Es ist also dringend empfehlenswert, in diesem Fall das Tapezieren von einem Profi erledigen zu lassen – besonders bei den steifen, schweren Glasfasertapeten, die einen Spezialkleber erfordern und bei deren Verarbeitung wegen der feinen Fasern besondere Vorsicht geboten ist. Nutzen Sie unseren kostenlosen Angebotsservice, um schnell herauszufinden, welche Preise die Handwerksbetriebe in Ihrer Nähe dafür aufmachen würden.

Bei dauerfeuchten Wänden mit erhöhter Schimmelgefährdung, etwa in ungedämmten Altbaukellern, sollte überhaupt keine Tapete angebracht werden. Hier ist eine gute Kellerfarbe das Mittel der Wahl.

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