Alte Tapete von Gipskarton entfernen

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Alte Tapete von Rigips bzw. Gipskarton entfernen

An der Aufgabe, alte Tapete von Gipskarton zu entfernen, sind schon viele Heimwerker verzweifelt. Um das Problem zu verstehen, genügt es, sich den Aufbau einer Gipskartonplatte (z. B. des Klassikers von Rigips) kurz vor Augen zu führen: Jede Gipsplatte ist mit einer schützenden und stabilisierenden Kartonage ummantelt, und beim Tapezieren wird die Tapete nicht auf den Gips, sondern auf die Pappschicht geklebt. Vor allem Papiertapeten wie die beliebte Raufaser können sich dabei schier unlösbar mit dem Karton verbinden: Papier auf Papier, schön eingeweicht mit Tapetenkleister (auf Zellulosebasis, also noch mehr Papier), gut durchgetrocknet und womöglich noch überstrichen: Kein Wunder, dass die Schichten sich später nicht mehr voneinander trennen wollen und es meist sehr schwierig ist, die Tapete vom Rigips zu entfernen, ohne die Gipskartonplatte dabei zu beschädigen.

Verzweifelter Handwerker entfernt alte Tapete © Tom Bayer, fotolia.com
Verzweifelter Handwerker entfernt alte Tapete © Tom Bayer, fotolia.com

Meist löst sich die Tapete nur an den verspachtelten Fugen und Übergängen der Plattenwand wie erwartet oder erhofft. Doch gerade auf den großen Flächen haftet sie sehr hartnäckig, und zu allem Überfluss müssen Sie hier auch noch besonders vorsichtig agieren und dürfen Wasser, Dampf, Kratzwerkzeug und Spachtel nur sparsam und feinfühlig einsetzen. Das wird mit abnehmender Geduld nicht leichter, aber wenn Sie grob werden, laufen Sie Gefahr, die Platte kaputtzumachen oder die ganze Wand zu ruinieren.

Das sind die Hauptrisiken, die Sie vermeiden sollten:

  • Zu viel Wasser (oder anderes Lösemittel) weicht die Kartonschicht auf. Dringt es bis in den Gips vor, kann die Platte aufquellen, ihre Form verlieren und nach dem Trocknen rissig oder bröckelig bleiben.
  • Zu tiefes Einritzen bzw. Aufkratzen der Farb- oder Tapetenschicht führt zum Zerreißen der Kartonage und/oder Zerkratzen der Gipsoberfläche.
  • Ungeduldiges oder zu rasches Ziehen an einem Tapetenstück kann zur Folge haben, dass Sie mit der Tapete die Pappschicht abreißen (und nicht selten auch noch einiges an Gips).
Hinweis: Wenn die Gipskartonplatten vor dem Tapezieren grundiert wurden, ist die Pappschicht von der Grundierung geschützt. Dann geht das Entfernen der Tapete vom Rigips meist einfacher. Dasselbe gilt, wenn keine Papiertapete, sondern reißfeste Vliestapete entfernt werden soll. Die kann in vielen Fällen sogar trocken in ganzen Bahnen abgezogen werden. Denken Sie daran, wenn Sie diese oder eine andere Rigipswand erneut tapezieren möchten – damit können Sie sich selbst oder jemand anderem später viel Arbeit sparen.
Ein grundierter Karton ermöglicht später ein leichteres Ablösen der Tapete
Ein grundierter Karton ermöglicht später ein leichteres Ablösen der Tapete

Und wie kriege ich jetzt die Tapete vom Rigips ab?

Kurze Antwort: Entweder langsam, vorsichtig und mit viel Geduld – oder gar nicht.

Probieren Sie zuerst die vorsichtige Methode und beginnen Sie mit einer Oberflächenprüfung. Wenn aufgesprühtes oder aufgepinseltes Wasser aufgesaugt wird, können Sie direkt mit dem Vornässen der Tapete beginnen. Ist die Oberfläche jedoch so beschaffen, dass Wasser nicht eindringt, sondern abperlt oder herunterläuft, muss sie zunächst aufgeraut werden. Ziel dabei ist, dem Lösemittel einen Weg in die Tapete zu bahnen, nicht aber in die Gipskartonplatte. Verwenden Sie daher lieber keine Kratz- oder Stachelrolle, sondern einen Tapetenigel. Mit dem können Sie nicht so tief ins Material kratzen, doch selbst mit diesem handlichen Werkzeug ist auf Gipskarton Vorsicht geboten.

Tapete von Rigips entfernen: Oberfläche vorab prüfen
Tapete von Rigips entfernen: Oberfläche vorab prüfen

Haben Sie die komplette Oberfläche aufgeraut, ohne die Gipskartonplatten zu zerkratzen, ist schon viel gewonnen. Jetzt können Sie die Wand entweder mit Wasser einstreichen oder mit Dampf behandeln. Um mit der minimalen Wassermenge den maximalen Löseeffekt zu erzielen, können Sie sich einen Dampftapetenablöser kaufen oder im Fachhandel leihen. Arbeiten Sie lieber klassisch mit Quast und Wassereimer, gehen Sie sehr behutsam vor und nähern Sie sich gegebenenfalls mit mehreren Aufträgen der richtigen Wassermenge an. Sobald die Tapetenschicht bis auf den Untergrund mit Wasser gesättigt ist, können Sie die ersten Ablöseversuche starten.

Hinweis: Damit die Tapete beim schrittweisen Einweichen nicht zu schnell nachtrocknet, schalten Sie die Heizung aus, sorgen Sie für ein kühles Raumklima (zwischen 12 und 18 °C) und schützen Sie die Wände vor direkter Sonneneinstrahlung und Zugluft. Wahlweise können Sie statt reinem Wasser auch sehr dünn angerührten Tapetenkleister satt aufstreichen und die Oberfläche dann mit dünner Folie (Baumarkt oder Küche) abdecken. So verhindern Sie, dass das Wasser in die Raumluft verdunstet, statt in die Tapete einzuziehen.
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Lösungsversuche mit Spachtel, Sprühflasche und Fingerspitzengefühl

Tapete anfeuten un d entfernen © woe, fotolia.com
Alte Tapete entfernen © woe, fotolia.com

Ist die Tapetenschicht mit Wasser gesättigt, können Sie sie im besten Fall mit einem Spachtel ablösen und abnehmen. Setzen Sie den Spachtel dabei möglichst flach an und schieben Sie ihn sachte und gleichmäßig voran. Stoßen Sie an einem festsitzenden Stück Tapete auf Widerstand oder löst sich zuerst nur die obere Tapetenschicht, bleiben Sie geduldig und sprühen Sie erneut mit Wasser ein, was noch haftet oder trocken ist. Nicht mit dem Spachtel stoßen, hacken, hebeln oder graben – dabei entstehen fast immer Schäden, die Sie nachher wieder glattspachteln müssen.

Die gut durchfeuchtete Tapete kann man vorsichtig mit einer Spachtel ablösen
Die gut durchfeuchtete Tapete kann man vorsichtig mit einer Spachtel ablösen

Was tun, wenn sich die Tapete nicht vom Rigips entfernen lässt?

Hier gibt es ebenfalls eine kurze Antwort mit zwei Lösungen: Entweder bringen Sie eine neue Beschichtung auf der alten an, oder Sie entfernen den Rigips gleich mit.

Wenn die Gipskartonplatten keine nachträglich eingezogene Hohlwand bzw. Ständerkonstruktion verkleiden, sondern einfach innen auf die Massivwand geklebt worden sind, kann es Ihnen als Sanierer oder Renovierer passieren, dass Sie erst beim Arbeiten herausfinden, mit welchem Untergrund Sie es hier zu tun haben. Denn auf Massivwände geklebte Rigipsplatten klingen beim Beklopfen anders (z. B. nicht eindeutig hohl) und fühlen sich auch anders an als die typischen Zwischenwände oder Vorsatzschalen – erst recht nicht, wenn sie seit der Montage bereits mehrmals tapeziert und gestrichen wurden.

Bemerken Sie erst beim Entfernen der Tapete, dass Sie statt auf der verputzten Massivwand auf Gipskarton arbeiten, wissen Sie sofort zwei Dinge: Erstens, warum die Tapete so schwer abgeht, und zweitens, dass die Sache länger dauern wird als geplant. Bevor Sie weitermachen, überlegen Sie daher, ob es sich nicht lohnen könnte, statt der Tapete gleich die komplette Verkleidung zu entfernen. Wenn Sie die Immobilie besitzen, lohnt sich das bestimmt. Denn erstens sehen Sie dann, wie es zwischen Wand und Verkleidung aussieht – als Hausbesitzer sollten Sie feuchtegefährdete Bereiche stets im Auge behalten – und zweitens können Sie Raum gewinnen, das Wohnklima verbessern und das ganze Tapeten-auf-Rigips-Problem von vornherein elegant umgehen, indem Sie stattdessen die Massivwand neu verputzen und/oder tapezieren.

Je nachdem, wie fest die Tapete auf den Gipskartonplatten sitzt und wie groß die Fläche ist, geht das sogar schneller, als tagelang Tapetenfetzen vom Rigips zu entfernen – allerdings bedeutet es erheblich mehr Entsorgungs- und Materialaufwand. Der kann sich aber ebenfalls lohnen, denn so können Sie die Wand frei nach Ihren Wünschen sanieren, gestalten und dabei gegebenenfalls noch modernisieren.

Den alten Rigips durch neuen ersetzen

Wenn Sie eine schöne, saubere und untapezierte Rigipswand wollen und das Tapetenentfernen Ihnen keinen Spaß macht, können Sie sich auch für diese Lösung entscheiden. Gipskartonplatten sind vergleichsweise günstig, außerdem müssen Sie ja keine neue Wand bauen, sondern nur die Verkleidung ersetzen. Das klappt am besten, wenn Sie zuerst die Fugen und Schrauben freilegen und die alten Platten dann möglichst zerstörungsfrei durch Abschrauben und „Abwackeln“ demontieren. So können Sie sie beim Zuschneiden der neuen Wandelemente nach Bedarf als Schablonen verwenden, die Ihnen z. B. bei Steckdosenanschlüssen, Schrägen oder Kurven die Arbeit enorm vereinfachen.

Tapezierten Rigips einfach übertapezieren

Das geht natürlich auch, und das Ergebnis kann ebenso lange halten, als hätten Sie neuen Gipskarton tapeziert. Sehen Sie in diesem Fall die alte Tapete einfach als Teil eines stabilen Untergrunds an: Wenn sie nicht so fest säße, hätten Sie das Problem ja überhaupt nicht. Ein wenig aufrauen sollten Sie sie trotzdem, bevor Sie eine neue darüber kleben, vor allem, wenn sie gestrichen ist. Sonst kann der Kleister später nicht richtig ins Papier eindringen.

Tapezieren © yunal1, fotolia.com
Tapezierten Rigips einfach übertapezieren © yunal1, fotolia.com

Wenn die Tapetenschicht richtig schlimm aussieht, bietet es sich an, die Wand vor dem Übertapezieren mit Spachtelmasse zu glätten. Auch davor muss die Oberfläche aufgeraut werden, und wenn Sie spachteln wollen, dürfen Sie dabei ruhig grober vorgehen und auch mal beherzt durch die Pappe und in den Gips kratzen. So schaffen Sie viele kleine Stellen, an denen sich der Glättspachtel später direkt mit dem mineralischen Untergrund – dem Gipskern der Platten – verbinden und so optimal auf der gesamten Fläche haften kann.

Nach dem Glätten der Wand können Sie die Spachteloberfläche noch mit feinem Schleifpapier (z. B. 120er oder 240er Körnung) abschleifen, entweder von Hand mit dem Schleifklotz oder rasch und locker mit dem Schwingschleifer. So erhalten Sie einen perfekten Tapetengrund, auf den Sie alles kleben können, was Sie wollen. Und mit der ungeliebten Tapetenschicht, die irgendwo darunter schlummert, brauchen Sie sich nie wieder zu befassen.

Hinweis: Wenn Sie die Gipskartonplatten nicht erneut tapezieren, sondern anders mit Struktur und Farbe gestalten wollen, können Sie statt des feinen Glättspachtels auch einen Rauputz, Strukturputz oder Dekorputz aufziehen. Produkte auf Gipsbasis (z. B. Haftputzgips) haften sehr gut auf Gipsplatten, und damit sind Sie auch sicher, dass sich die Materialien Ihrer Wand langfristig miteinander vertragen.
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