Die sechs größten Fehler beim Verputzen

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Putz ist eine traditionelle und robuste Art der Wandbeschichtung. Das meist mehrschichtig aufgebaute Putzsystem kann verschiedene Aufgaben erfüllen: Es sorgt für Luftdichtigkeit, verbessert die Dämmung, reguliert das Raumklima, gleicht Unebenheiten aus, stukturiert oder glättet die Wand und schafft optimale Untergründe für Tapeten, Farbanstriche und dekorative Wandgestaltungen. Grundsätzlich können alle Innen- und Außenwände eines normalen Hauses verputzt werden, auch Trockenbau- und Plattenwände (z. B. Rigips), Fliesen und Holz. Denn für nahezu jeden Untergrund gibt es passende Putze – vom klassischen Kalk-Zement-Putz und Haftputzgips bis hin zu Lehm-, Silikat- und Kunstharzputzen.

Wand verputzen © kasto, fotolia.com
Wand verputzen © kasto, fotolia.com

Während zum Verputzen der Außenwände meist Profis angeheuert werden, wird im Innenraum gern auch in Eigenregie verputzt. Viele Sanierer, Renovierer und Heimwerker wollen die Innenwände selbst verputzen, um Geld zu sparen. Das ist grundsätzlich eine gute Idee, denn Verputzen ist kein Hexenwerk. Trotzdem sollten Laien diese Arbeit nicht unterschätzen: Neben Geschick und Übung erfordert sie einiges Hintergrundwissen, damit keine Fehler passieren.

Lesen Sie hier, welche Fehler beim Wandverputzen besonders häufig gemacht werden – und wie Sie sie vermeiden können.

Fehler Nr. 1: Falsche oder fehlende Vorbereitung des Putzgrunds

Der Untergrund muss stabil und tragfähig sein, also einerseits in sich selber halten und andererseits dem Putz ausreichend Haftung bieten. Ist das nicht gegeben, wird das Ergebnis nicht halten, nicht funktionieren, nicht gut aussehen oder alles zusammen.

Außerdem muss die Wand sauber und trocken sein – Feuchtigkeits- und Schimmelschäden sind also immer vorher zu beseitigen.

Putzgrund genau prüfen und geeignete Vorbereitungsmaßnahmen erkennen

Lose Teile müssen vor dem Verputzen entfernt, große Löcher und Risse gefüllt bzw. armiert werden. Sehr glatte Untergründe werden aufgebrochen oder aufgeraut, stark saugende ordentlich vorgenässt oder grundiert.

Alte Tapete entfernen © rodimovpavel, fotolia.com
Alte Tapete entfernen © rodimovpavel, fotolia.com

Abblätternde Farbe, Kalkausscheidungen und Abplatzungen entfernen Sie mit einem Stahlbesen, Staub mit einem feuchten Besen oder Quast. Auf versiegelten oder stark verdichteten Oberflächen kann eine Haftbrücke die Putzhaftung verbessern. Hartnäckige Ablagerungen (z. B. Algen, Fett, Nikotin, Rückstände von Trenn- oder Schalungsmitteln) lassen sich mit Spezialreinigern entfernen.

Hinweis: Grundierungen werden bei sehr stark saugenden Untergründen verwendet, damit die Wand das Wasser nicht zu schnell aus dem Putz zieht und dieser planmäßig anziehen und trocknen kann. Wenn eine Grundierung verwendet wird, muss sie zum Putz passen und laut Herstellerangaben (z. B. Menge, Trocknungszeit) verwendet werden. Meist reicht jedoch das Vornässen mit Wasser aus.
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Fehler Nr. 2: Der Putz ist härter als sein Untergrund

Beim Verputzen gilt die Grundregel „weich auf hart“. Das heißt, dass jede Schicht eines Putzsystems (z. B. Mauermörtel, Grundputz, Oberputz) weicher sein muss als die darunterliegende. Besonders wichtig ist das, wenn Sie einen mineralischen Putz wie Gipsputz oder Kalk-Zement-Putz auf eine massive Wand (z. B. aus Stein oder Beton) auftragen.

Halten Sie sich immer an diese Regel, um zu vermeiden, dass beim Trocknen des Verputzes oder später (etwa bei Temperaturschwankungen) Spannungs- oder Dehnungsrisse auftreten. Sie können im schlimmsten Fall dazu führen, dass die komplette Putzschicht sich wieder vom Untergrund löst.

Putzhärte kennen und Putze aufeinander abstimmen

Logisch: Gips ist weicher als Zement. Aber wie unterscheiden sich die vielen verschiedenen Putz-Trockenmischungen? Und wie erkenne ich, mit welchem Putz meine Vorgänger die Wand beschichtet haben?

Die Härte oder Druckfestigkeit einer Putzart finden Sie in den Herstellerangaben oder im technischen Datenblatt des jeweiligen Produkts. Und bei Zweifeln über den Aufbau eines bestehenden oder geplanten Putzsystems fragen Sie als Laie lieber einen Fachmann, z. B. den Stuckateur oder Innungsmaler. Das ist viel verlässlicher, als an der Wand herumzukratzen und Theorien aufzustellen.

Hinweis: Wenn Sie mehrlagig verputzen, lassen Sie jede Schicht gleichmäßig antrocknen, bevor Sie die nächste auftragen. Den Trocknungsfortschritt erkennen Sie am Farbwechsel der Wand: Wo sie noch feucht ist, sieht sie dunkler aus.

Übrigens gibt es bei der Grundregel „weich auf hart“ eine Ausnahme: Sie gilt nicht bei Wärmedämmputzen und dem Verputzen von Wärmedämmverbundsystemen. Denn dabei wird eine weiche Zwischenschicht angelegt, die Bewegungen abfängt. Allerdings müssen alle verwendeten Produkte (z. B. Platten, Kleber, Armierung, Verputz, …) sich im Verbund miteinander vertragen. Das können Sie am einfachsten sicherstellen, indem Sie bei Wärmedämmverbundsystemen sämtliche Komponenten vom selben Hersteller beziehen.

Fehler Nr. 3: Falscher Umgang mit den Putzwerkzeugen

Auch wenn Sie nicht meisterlich wie ein Stuckateur verputzen, können Sie mit Traufel und Kelle sehr gute, haltbare und schöne Ergebnisse erreichen. Sie brauchen aber Übung, um die erforderlichen Arbeits- und Bewegungsabläufe richtig hinzubekommen. Sehen Sie einem Profi zu – idealerweise live auf der Baustelle, ansonsten hilft auch ein Tutorial im Internet. Beim Nachmachen begreifen Sie am schnellsten, worauf es ankommt, und bekommen ein Händchen für Werkzeug und Material.

Wand verputzen: Aber richtig
Wand verputzen: Richtiger Umgang mit den Putzwerkzeugen

Das Reinigen der Werkzeuge ist ebenfalls sehr wichtig. Angetrocknete Rückstände verderben den Spaß, verschandeln die Oberfläche und lassen sich nur schwer wieder entfernen. Säubern Sie Glätt- und Maurerkelle regelmäßig mit Wasser; elastische Baueimer können Sie biegen und/oder mit dem Hammer abklopfen, um hartgewordene Rückstände zu lösen.

Ein paar Hinweise zum richtigen Verputzen:

Spachtelmasse anrühren © stockphoto-graf, fotolia.com
  • Trockenmischungen immer genau nach den Herstellerangaben anrühren.
  • Beim Anmischen immer zuerst das Wasser, dann das Putzmaterial einfüllen. Nachträgliches Zufügen von Wasser vermeiden: Wird die Mischung während der Verarbeitung zu hart, stoßen und schaufeln Sie sie mit der Kelle auf. Das macht sie wieder geschmeidiger.
  • An den Kanten zeigt sich der Meister: Üben Sie ein wenig an der glatten Wand – und viel mehr an Kanten, Ecken und Laibungen.
  • Verputzen Sie immer von unten nach oben und von den Kanten zu den Flächen.
  • Mischen Sie zum Üben nur wenig Putz an, damit Sie nicht in Hektik geraten, wenn das Material abbindet, bevor der Eimer leer ist.

Fehler Nr. 4: Transport- und Lagerschäden beim Verputz

Wenn der Putz beim Transportieren oder Lagern feucht geworden ist, taugt er nichts mehr. Der Fehler, den viele Heimwerker machen, ist, ihn trotzdem zu verwenden. Die Lösung ist entsprechend einfach: Trockenes Putzmaterial muss stets vor Feuchtigkeit geschützt sein. Putzsäcke daher nie im Regen transportieren oder auf feuchten Ladeflächen oder Böden abstellen, sondern in trockenen Innenräumen und/oder auf einem Lattenrost.

Auch durch zu lange Lagerung verlieren Mörtel und Putze an Qualität. Je älter das Material wird, desto länger werden die Verarbeitungs- und Abbindezeiten. Überlagerter Putz macht beim Verarbeiten weniger Freude: Er fühlt sich störrisch an, geht weniger gut von der Kelle und will nicht mehr recht an die Wand.

Fehler Nr. 5: Zugluft durch unsauber verputzte Ecken

Unter Fensterbänken, in Laibungen und Ecken, hinter Versorgungsleitungen, um Sanitär- und Elektroinstallationen und an anderen schwierigen Stellen wird oft mangelhaft oder gar nicht verputzt. Oft kommen beim Sanieren hier auch Fehler ans Licht, die schon vor Jahren gemacht und dann vergessen oder durch Verkleidungen kaschiert wurden: Unvermörtelte Übergänge, vergessene Spalten und schlampig verputzte Fugen, durch die Zugluft ungehindert in den Raum dringen kann.

Um Luftdichtheit zu erreichen, müssen Mauer oder Massivwand komplett verputzt sein. Jede Schwachstelle treibt die Heizkosten in die Höhe und sorgt trotz allen Heizens für Unbehaglichkeit und fußkalte Böden. Im schlimmsten Fall können durch das unausgeglichene Raumklima Feuchtigkeits- und Schimmelschäden entstehen.

Um diesen Fehler beim Wandverputzen zu vermeiden, bringen Sie den Putz an, bevor Sie die Leitungen verlegen. Um die Fehler Ihrer Vorgänger auszugleichen, dichten Sie zumindest alle Fugen gründlich mit Putz, Spachtelmasse oder elastischen Dichtstoffen (Fugendichtmasse) ab. Und wenn Sie als Bauherr oder Sanierer nicht selbst zur Kelle greifen, kontrollieren Sie Ihre Baustelle regelmäßig und achten Sie darauf, dass die Handwerker das Mauerwerk gewissenhaft verputzen und keine Fehlstellen lassen.

Hinweis: Bei geplanten Vorwandinstallationen, z. B. im Bad, wird oft argumentiert, dass dieser Bereich des Mauerwerks ja ohnehin später mit Rigips verkleidet werde und daher nicht unbedingt verputzt werden müsse. Hören Sie nicht darauf: Gipskarton kann den Verputz nicht ersetzen.
Handwerker spachtelt Gipskartonplatte © Approbe, fotolia.com
Handwerker spachtelt Gipskartonplatte © Approbe, fotolia.com

Fehler Nr. 6: Wandverputzen bei Minustemperaturen

Das passiert tatsächlich auch beim Verputzen von Innenwänden – zwar selten beim Renovieren, dafür aber im Rohbau oder bei Sanierungsarbeiten. Bei zu niedriger Temperatur oder gar Frost binden Mörtel oder Putz nicht richtig ab, und statt einer verputzten Wand haben Sie ein Problem, das Sie viel Mühe und Geld für Entsorgungs- und Korrekturarbeiten kosten wird.

Wand unter fünf Grad nicht verputzen
Wand unter 5 °C am besten nicht verputzen

Auch hier gibt es eine einfache Lösung: Nie bei Temperaturen unter 5 °C verputzen – auch, wenn der Zeitplan eng ist, Weihnachten vor der Tür steht oder alles noch in diesem Jahr fertig werden muss. Lieber für ein paar Tage eine Baustellenheizung mieten: Hat der Putz erst einmal abgebunden (i. d. R. nach 24 bis 48 Stunden), ist er frostfest, und die große Kälte kann kommen.

Hinweis: Putz verträgt keinen Frost, aber sommerliche Hitze ist für das Material kein Problem. Nur für den Handwerker, der dann sowieso schon mehr schwitzt und dazu noch schneller arbeiten muss.

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