Untergrund für Tapete vorbereiten: Wände spachteln und schleifen

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Der ideale Untergrund für Tapeten ist ein glatter, heller und gleichmäßig saugender Oberputz bzw. eine vollflächig verspachtelte Wand. Trockenbauwände und -decken werden üblicherweise durch Spachteln und Schleifen geglättet. Wie gründlich Sie dabei vorgehen müssen, hängt davon ab, welche Beschichtung geplant ist.

Wenn Sie den Untergrund für Tapete vorbereiten wollen, sollten Sie bei Gipskartonwänden nicht nur die Fugen verspachteln, sondern die gesamte Fläche. Dann haben Sie überall die gleichen Oberflächenbedingungen, was bedeutet, dass auch die Tapete später überall gleich gut haften und gleichmäßig trocknen wird. Bei dünnen und durchscheinenden Tapeten, z. B. Vliestapeten, brauchen Sie außerdem einen gleichmäßig hellen Untergrund. Sonst können dunkle Farben (z. B. das Grau der Rigips-Platten), Material- und Farbübergänge durchschimmern, was im schlimmsten Fall die Optik der Tapete ruiniert.

Wie glatt muss die verspachtelte Wand sein?

Beim Spachteln und Schleifen gibt es vier Glättegrade oder Qualitätsstufen (Q1, Q2, Q3 und Q4), die in der DIN 18363 definiert sind. Wollen Sie den Untergrund auf Tapete vorbereiten, reicht für robuste, dicke Papiertapeten meist die Standardverspachtelung Q2. Für dünne Vlies- oder Vinyltapeten sollte es Q3 sein. Q4 ist die Königsklasse für sehr anspruchsvolle Beschichtungen, z. B. glänzend lackierte Wände oder edle, historische Spachteltechniken wie Stucco Veneziano.

Für die Qualitätsstufe 4 sollten Sie einen Stuckateur beauftragen und den gewünschten Glättegrad auch schriftlich vereinbaren. Q2 und Q3 können Sie als erfahrener Heimwerker mit den richtigen Werkzeugen auch selber schaffen und damit den Untergrund für jede Tapete vorbereiten wie ein Profi.

Hinweis: Wollen Sie eine Fläche auf Q3 spachteln, muss sie vorher schon Q2 haben. Mehr über die Qualitätsstufen Q1 bis Q4 und wie sich die verschiedenen Glättegrade erreichen lassen, lesen Sie in diesem Artikel.

Welche Spachtelmasse ist geeignet?

Für eine feine Oberfläche brauchen Sie eine entsprechend feinkörnige Spachtelmasse. Bei den Herstellerangaben finden Sie auch Hinweise dazu, welche Qualitätsstufe sich mit dem Produkt erreichen lässt. Außer einem geeigneten Glätt- oder Renovierspachtel (z. B. Reno von Knauf Rotband) brauchen Sie Abdeckmaterial für den Boden, Eimer bzw. Speiskübel und Abziehwerkzeuge. Profis verwenden sogenannte Flächenspachtel, die dünner und biegsamer sind als Standard-Glättkellen. Flächenspachtel gibt es in verschiedenen Größen; häufig werden Sie auch als „Schmetterlinge“ bezeichnet. Glättwerkzeuge werden gebraucht, um die feuchte Spachtelmasse auf der Wand möglichst glatt abzuziehen. Später kann die Oberfläche für ein noch besseres Ergebnis zusätzlich geschliffen werden.

Mit Flächenspachtel Wandoberfläche glätten © kurgu128, stock.adobe.com
Der Flächenspachtel oder Schmetterling ist ein unverzichtbares Werkzeug zur Gestaltung von feinen Oberflächen © kurgu128, stock.adobe.com

Ein Trick vieler Trockenbau-Profis: Spachtelmasse wie Rollputz auftragen

Das Auftragen der Spachtelmasse auf die Wand können Sie sich deutlich erleichtern, indem Sie die Spachtelmasse nicht mit der Kelle auftragen oder an die Wand werfen, sondern wie einen Rollputz aufrollen. Zunächst mischen Sie dazu die Spachtelmasse in einem ausreichend großen Eimer mit Wasser an. Damit sich das Material mit der langflorigen Rolle auftragen lässt, muss es natürlich ein wenig dünner sein. Achten Sie aber darauf, dass es nicht zu dünn wird – es muss möglich sein, eine Schicht von 3-5 mm Dicke an die Wand zu bringen. Zum Verrühren nehmen Sie entweder die Kelle, eine Leiste oder einen Rührquirl, den Sie auf die Bohrmaschine aufstecken können.

Hinweis: Damit die feinkörnige Spachtelmasse nicht an Ihrem Rührquirl oder anderen gerade nicht benutzten Werkzeugen antrocknet, halten Sie auf der Baustelle einen zweiten Eimer mit sauberem Wasser bereit, in dem Sie benutzte Werkzeuge abspülen oder „parken“ können.

Die Spachtelmasse wird nun wie eine Wandfarbe aufgetragen: Zuerst Kanten und Ecken mit dem Pinsel, dann schwierige bzw. enge Bereiche mit der kleinen Rolle und zum Schluss die großen Flächen mit einer großen Malerrolle. Das Aufrollen bereitet wesentlich weniger Mühe und geht viel schneller als der Auftrag mit der Kelle. Die Spachtelschicht muss den Putz überall satt bedecken.

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Glätten der Spachtelmasse

Zum Glätten der feuchten Spachtelmasse setzen Sie den Schmetterling immer möglichst genau an einer Kante an und ziehen die Spachtelschicht dann von den Kanten oder Ecken zur Fläche hin ab. Hier kommt es im Wesentlichen auf eine gleichmäßige Bewegung an: Wenn Sie wackeln oder mit dem Werkzeug abrutschen, bleiben häufig Spuren zurück, so dass Sie dieses Stück erneut abziehen müssen. Wichtig ist auch, dass die Kante Ihres Abziehwerkzeugs sauber ist. Damit sich keine Spachtelreste ansammeln, reinigen Sie den Flächenspachtel oder die Glättkelle zwischendurch mit Wasser und Lappen. Auch in Ecken und Kanten sitzen oft Körnchen oder Steinchen, die gern auf das Werkzeug wandern und dann beim nächsten Schwung frische Kratzer in die glatte Fläche ziehen.

Ist die komplette Fläche geglättet, lassen Sie das Ganze laut Herstellerangaben trocknen (zum Beispiel über Nacht) und wiederholen Sie den Vorgang am nächsten Tag. Diesmal tragen Sie aber die Spachtelmasse nicht mit einer langflorigen, sondern mit einer kurzflorigen Rolle auf. Das reicht aus, weil Sie ja bereits eine geschlossene Oberfläche haben und lediglich noch mehr Material benötigen, damit beim anschließenden Schleifen auf jeden Fall genug Spielraum ist.

Ist auch die zweite Schicht Spachtelmasse aufgetragen, abgezogen und getrocknet, wird die komplette Fläche entweder händisch oder mit einem Schleifgerät abgeschliffen. Auf diese Weise verschwinden die letzten feinen Unebenheiten. Für die Qualitätsstufe Q3 brauchen Sie Schleifpapier mit 120er Körnung; dabei ist es empfehlenswert, beim ersten Schliff eine gröbere Körnung zu verwenden, zum Beispiel 80 oder 100, und sich dann bis zur gewünschten Glätte „hochzuarbeiten“.

Spachtelmasse schleifen – Schleifgeräte und Schleiftechnik

Wenn Sie einen Handschleifer verwenden, nehmen Sie am besten einen mit Schleifgitter. Der wird auch im Trockenbau häufig verwendet, denn das Gitter verhindert, dass der Schleifer sich sofort mit feinem Staub zusetzt. Bequemer geht mit einem Schwingschleifer; der sollte allerdings eine Absaugvorrichtung haben, damit Sie nicht den ganzen Raum einstauben und später tagelang Schleifstaub ausniesen müssen.

Der Ferrari unter den Wandschleifgeräten ist die Giraffe; der amtliche Name lautet Langhalsschleifer, Langgriffschleifer oder manchmal auch Trockenbauschleifer. Eine Giraffe zu kaufen oder zu leihen lohnt sich spätestens dann, wenn Sie auch die Decke abschleifen möchten. Denn mit dem langen Giraffenhals erreichen Sie ohne Leiter auch hohe Decken und obere Wandbereiche.

Handwerker schleift Wand mit Maschiene © Kadmy, stock.adobe.com
Ein Langhalsschleifer oder „Giraffe“ ist für Profis das Werkzeug der Wahl zum Schleifen von Wänden © Kadmy, stock.adobe.com

Schleifen Sie immer mit wenig Druck, viel Gefühl und möglichst gleichmäßigen, fließenden Bewegungen. Verweilen Sie nicht zu lange an einer Stelle, um keine Mulden oder Kanten hineinzuschleifen, denn diese sind später meist sehr deutlich zu sehen. Um das Ergebnis zwischendurch oder zum Schluss zu überprüfen, legen Sie Ihr längstes Abziehwerkzeug, ein großes Metalllineal oder einen anderen perfekt geraden Gegenstand auf. Haben Sie wirklich alle Überstände erwischt, liegt die gesamte Kante bündig auf, und zwischen Wand und Werkzeug darf kein Licht durchschimmern. Wenn Sie einen hellen Baustrahler oder eine starke Stehlampe haben, können Sie auch diese zum Begutachten der geschliffenen Fläche verwenden. Denn beim Anleuchten aus verschiedenen Winkeln werden sich selbst feinste Unebenheiten durch Ihre Schatten verraten.

Wände möglichst staubfrei schleifen
Wände möglichst staubfrei schleifen

Renoviervlies statt Spachtelmasse?

Renoviervlies oder Malervlies ist eine dünne Vlies-Untertapete, die wie klassische Makulatur aufgeklebt wird, um den Untergrund für die Tapete vorzubereiten. Bei den Unterlagsstoffen für Tapeten liegen Vliese seit Jahren im Trend, weil sie sich mit nahezu allen Beschichtungen vertragen. Wenn Sie den richtigen Kleber verwenden und den Untergrund richtig vorbereitet haben, halten auf dem Vlies später selbst die ausgefallensten Wanddekorationen. Auch für Modellierspachtel, Lehmspachtel, Terrakotta oder Freskentechniken können Sie Renoviervlies als Unterlage verwenden.

Vliesmakulatur, Glattvlies und Malervlies mit niedriger Grammatur können Unebenheiten allerdings längst nicht so gut ausgleichen, wie viele hoffen; selbst dickere Renoviervliese lösen nicht jedes Untergrundproblem. Viele Vliese sind außerdem ebenfalls ein wenig durchscheinend, so dass dunkle Untergründe selbst bei zwei Tapetenschichten weiterhin durchschimmern könnten. Daher ist Vlies nur bedingt eine Alternative zur Spachtelmasse.

Für klassische Raufaser, die nach dem Tapezieren noch gestrichen werden soll, brauchen Sie keinen perfekten Untergrund. Bei anspruchsvolleren Beschichtungen wie Lacktapeten, dünnen Mustertapeten, Foto- oder 3D-Tapeten, die jeden noch so kleinen Untergrundmangel abbilden, sollten Sie jedoch auf Nummer sicher gehen und die komplette Fläche mit Spachtelmasse abziehen, glätten und ggf. schleifen, bevor Sie das Maler- oder Renoviervlies aufkleben.

Wandtapete © vipman4, fotolia.com
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