Lehmputz – Innenarbeiten im Fachwerkhaus

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Innenwände verputzt man am besten mit Lehm. Zu den vielen Vorteilen gehört, dass Lehm Luftfeuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann. Auf diese Weise kann er für ein gutes Raumklima sorgen. Lehmputz eignet sich ganz besonders für Selbermacher, deshalb im Folgenden, ein paar Tipps wie es geht und worauf zu achten ist.

Vorteile von Lehmputz
Vorteile von Lehmputz

Ideal für Selbermacher

Eine Innenwand im Gebäude ist gewöhnlich sehr ebenmäßig und glatt. Eine solche zu verputzen, das traut sich längst nicht jeder Heimwerker zu. Mit Blick darauf hat Lehm zwei Vorteile: Erstens kann man nachbessern: Einfach die unregelmäßigen Stellen anfeuchten und ausgleichen. Nur Lehm verträgt diese Vorgehensweise (Kalk-, Gips- und Zementputze werden hart und bleiben das auch). Einen Lehmputz kann man beliebig oft aufweichen und wieder fest werden lassen. Zweitens sind die Wände und Decken im Fachwerkhaus oft nicht gerade – deshalb muss es der Putz auch nicht sein. Gewisse Unregelmäßigkeiten passen zum Ambiente.

Natürlich müssen vor dem Verputzen die Elektroleitungen gelegt und die Dosen für die Steckdosen und Schalter gesetzt werden. Für die Dosen gibt es Verschlüsse, die man vor dem Verputzen aufsetzt und die man später an abstehenden Fäden wieder herausziehen kann. Auch die Rohinstallationen für Heizung und Wasser muss vorher eingebaut werden. Außerdem eignet sich Lehmputz auch hervorragend zum Einbau einer Wandheizung.

Lehmputz © pic-unique, fotolia.com
Mit Lehm verputzte Oberflächen haben einen ganz besonderen Charakter © pic-unique, fotolia.com

Der Untergrund beim Verputzen

Beim Verputzen von Wänden ist zunächst die Frage der Beschaffenheit des Untergrundes zu prüfen. Im Fachwerkhaus gibt es drei typische Konstellationen. Die erste Variante ist, eine von innen gedämmte Wand. Meistens ist diese Wand ganz gerade und einheitlich. Oft werden Holzfaserplatten als Dämmstoff verbaut, es kommen aber auch Lehmbauplatten vor, hinter denen verschiedene Dämmstoffe eingebaut werden können.

Die zweite Variante ist ein alter Putz. Häufig sind es mit der Zeit sehr sandig gewordene Lehm- oder Kalkputze. Oft sind sie bröckelig geworden und halten nicht mehr gut. Man kann versuchen, mit Sinterwasser, Kasein oder einen speziellen Tiefgrund den vorhandenen Putz zu festigen. Aber besser ist es, man schlägt ihn komplett ab. Das gilt erst recht für Zement- oder Gipsputz. Das Ergebnis: die ohnehin häufig anzutreffende Variante drei.

Untergrundvorbereitung beim Verputzen mit Lehm
Untergrundvorbereitung beim Verputzen mit Lehm

Viele Fachwerkwände in Sanierungsgebäuden habenuneinheitliche Flächen aus hölzernen Fachwerkbalken und unterschiedlichem Material in den Gefachen, wie zum Beispiel Lehm, gebrannte Ziegel und andere Steine, gerne auch alles in verschiedenen Kombinationen. Diese Flächen sind nicht nur vom Material her unterschiedlich, sondern auch sehr uneben; es gibt reichlich Vor- und Rücksprünge.

Gelegentlich muss der Untergrund vorbehandelt werden. Hat man es mit einer sehr glatten und nicht saugfähigen Fläche zu tun, trägt man eine drei Millimeter starke Schicht Haftspachtelung auf. Welche sich dafür eignet, lesen Sie in den jeweiligen Verarbeitungshinweisen des Lehmputzes. Manchmal werden sogar Betonmauern mit Lehm verputzt. Bei einem nicht ganz so glatten Untergrund reicht womöglich auch eine Lehmhaftschlämme aus. Bei der typischen Fachwerkinnenwand kann man auf derartige Vorbereitungen aber verzichten.

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Mit Dachlatten eine Flucht herstellen

Bei einer unverputzten, ungleichmäßigen Fachwerkwand werden mit einer ersten Lage Putz zuallererst die Unterschiede ausgeglichen. Es empfiehlt sich, im Abstand von etwa einem Meter, dünne Dachlatten senkrecht zu montieren, die mit Ausgleichshölzchen genau auf einer Flucht ausgerichtet werden. Im zweiten Schritt werden die Fachwerkbalken mit einem Putzträger überbrückt, denn einfach nur auf Holz hält Lehm nicht.

Dachlatten-Ausgleich
Dachlatten-Ausgleich

Lange wurden dafür Drahtgitter genommen, sogenannter Hasendraht. Das geht auch immer noch, der Vorteil ist, dass der Lehm durch die weiten Öffnungen bis an das Holz gebracht werden kann. Den Draht nagelt man so fest, dass ein geringer Abstand von weniger als einem Zentimeter zu den Holzbalken bleibt.

Ein naturnäherer Putzträger ist die Schilfrohrmatte. Sie wird ebenfalls an die Balken genagelt. Wie auch die Drahtgitter, reichen sie ein Stück in die Gefache hinein. Allerdings kann man durch die Matten hindurch keinen Lehm an die Wand bringen. Notwendig ist es daher, eine dünne Lehmschicht auf die Fläche zu bringen, in diese dann die Schilfrohrmatten zu drücken und sie dann festzunageln. Zuvor sollte man ein gründliches Vernässen des Untergrundes nicht vergessen.

Zusammensetzung von Lehmputz
Zusammensetzung von Lehmputz

Aus dem Handgelenk anwerfen

Überhaupt, der gesamte Untergrund muss fettfrei und auch frei von lockerem Material sein. Sind die Dachlatten und Putzträger montiert, geht es los. Der mit Wasser vermischte Lehm wird Kelle für Kelle so an die Wand geschleudert, dass er haftet. Dabei geht man von unten nach oben vor. Wieviel Lehm man auf die Kelle nimmt und mit wieviel Schwung man ihn am besten an die Wand wirft, das bekommt man nach wenigen Versuchen heraus.

Der richtige Kellenwurf ist entscheidend beim Lehmputz
Der richtige Kellenwurf ist entscheidend beim Lehmputz
Hinweis: Lehm haftet nur mechanisch – wird er nicht fest genug an die Wand geworfen, fällt er wieder herunter.

Stellt man fest, dass die Lehmschicht so dick ist, dass sie nicht hält, bringt man nach und nach mehrere Lagen auf. Wie viel Lehm man in einer Schicht unterbringen kann, das zeigt sich im Verlauf der Arbeit schnell. Damit sich die Lagen gut miteinander verbinden, sollte der Lehm vor der nächsten Lage nicht aus-, sondern nur antrocknen.

Lehmputz anrühren © Ingo Bartussek, stock.adobe.com
Am besten mischt man den Lehmputz mit dem Handmischer in einer Mörtelwanne an © Ingo Bartussek, stock.adobe.com

Auf Schilfrohrmatten haftet Lehm nicht besonders gut. Vorteilhaft sind daher Matten mit größeren Zwischenräumen zwischen den Schilfrohren. In diesen Bereichen, aber auch überall sonst, wo die Haftung etwas schwieriger ist, kann man auch kleinere Portionen auf die Kelle geben, diese leicht antrocknen lassen und dann eine zwei Lage einbauen.

Sobald Lehmputz flächig über die ausgerichteten Dachlatten hinaus ragt, kann man den Putz mit einer geraden Latte oder einem ähnlichen Werkzeug über die Latten abziehen und bekommt eine gerade Wand. Wenn kleinere Löcher oder andere Unregelmäßigkeiten entstehen, ist das nicht weiter schlimm. Diese kann man entweder dann noch verspachteln, wenn die Fläche angetrocknet ist – oder man verschließt sie mit der oberen Putzschicht. Wer die Haftung der Fläche für die nächste Lage verbessern möchte, raut sie mit einem Straßenbesen auf, wenn sie noch recht feucht ist. Ist der Lehmputz schon ausreichend angetrocknet, kann man die Latten entfernen und die entstandenen Rillen mit Lehmputz schließen. Man kann die Latten auch einfach in der Wand lassen, das ist in der Regel auch kein Problem.

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Nicht mehr als einen Zentimeter Oberputz

Weitere Vorgehensweise: Die zu verputzende Fläche sollte mit einer Sprühflasche noch einmal etwas befeuchtet werden. Dann wird der Lehm wieder mit einer Kelle portionsweise aus dem Handgelenk an die Wand geschleudert. Dabei beginnt man am Fußboden und stellt einen waagerechten Streifen her, der etwas breiter ist als das Putzgitter, das man anschließend mit den Händen in den Putz drückt. Angeboten werden solche Bewehrungsgitter aus Jute oder aus Kunststoff – wer auf eine ökologische Bauweise viel Wert legt, verwendet natürlich Jute.

Das Gitter muss so weit in den Putz gedrückt werden, dass es auch dann nicht mehr sichtbar ist, wenn anschließend mit einer Glättkelle eine gleichmäßige Oberfläche hergestellt wird. Diese obere Putzschicht sollte eine Stärke von einem Zentimeter haben. Jetzt hat man zwar keine Latten mehr, mit denen man eine einheitliche Flucht erzeugen kann, aber bei einer so dünnen Schicht bekommt man das auch ohne hin.

Lehmputz an die Wand bringen © lavizzara, stock.adobe.com
Lehmputz an die Wand bringen © lavizzara, stock.adobe.com

Diese Putzschicht muss wieder etwas antrocknen. Dann nimmt man ein Schwamm- oder ein Reibebrett und stellt mit kreisenden Bewegungen eine gleichmäßige Oberfläche her. Wie lange man genau vorher warten muss, ob man besser ein Reibe- oder ein Schwammbrett nimmt, das bekommt man auf der Baustelle schnell heraus. Manche kommen besser mit einem Reibebrett zurecht, manche mit einer schwammigen Oberfläche. Auf jeden Fall gilt: Je später und je intensiver die Fläche gerieben wird, umso fester wird der Oberputz. Kommen beim Reiben Sandkörner an die Oberfläche, werden sie nach dem Abtrocknen der Fläche abgekehrt.

Hinweis: Gewöhnlich wird bei Putzen zwischen gröberem Unterputz und feinerem Oberputz unterschieden. Beim Lehmputz machen viele diese Unterscheidung nicht und verbauen einfach eine gröbere Sorte. Das erzeugt Wandoberflächen, die gut in ein Fachwerkhaus passen. Wer es sehr glatt möchte, nimmt sehr feinen Lehm und bringt noch eine sehr dünne Schicht zusätzlich auf.

Kantenschutzleisten kann man einbauen, bevor die oberste Putzschicht hergestellt wird. Sie werden ebenfalls mit Lehm auf der unteren Putzschicht befestigt. Allerdings verzichten die meisten Besitzer von Fachwerkhäusern auf diese Leisten. Die sehr geraden Kanten passen eigentlich nicht in ein Fachwerkhaus. Schöner ist es, die Ecken einfach etwas abzurunden.

Verschiedene Arten von Lehmputz
Verschiedene Arten von Lehmputz

Verputzen auf der Innendämmung

Erheblich einfacher ist das Verputzen mit Lehmputz, wenn ein ebenmäßiger Untergrund besteht, etwa durch Holzweichfaserplatten als Innendämmung. Dann kommt einfach eine Lage Lehmputz einschließlich Bewehrungsgitter in einer Stärke von etwa einem Zentimeter auf diese Platten. Die Vorgehensweise ist genau wie oben für die oberste Lage beschrieben. Es empfiehlt sich allerdings die Grundierung der Platten durch eine Haftschlämme aufzutragen.

Lehmputz trocknet übrigens langsam – man muss damit rechnen, dass jeder Millimeter zwei Tage dauert. Kommt es zu Schimmelbildung, wischt man diesen mit Essigwasser ab. Zu erwarten sind aber vor allem Trocknungsrisse. Am besten mischt man sich dann eine sehr feine Lehmschlämme an. Die Wand wird mit einer Bürste angefeuchtet und die Schlämme dann mit der gleichen Bürste aufgetragen. Dann arbeitet man mit einem Schaumgummi-Reibebrett nach um die Risse zu entfernen.

Trockene Lehmwand mit Rissen © Xaver Klaussner, stock.adobe.com
So schlimm wird es längst nicht immer mit den Trocknungsrissen. Aber auch so etwas kann man in den Griff bekommen © Xaver Klaussner, stock.adobe.com
Hinweis: Wer mit Lehmputz Innenwände gestaltet und mit dem Ergebnis zufrieden ist, der kommt möglicherweise auf die Idee, auch an den Außenfassaden mit Lehmputz zu arbeiten. Aber davon ist dringend abzuraten! Niederschläge machen den Lehm weich, so das er schließlich abfällt. Oder er fließt, bei großer Nässe, buchstäblich davon. Dass er mit womöglich wasserfesten Farben angestrichen wird, ist kein Gegenargument – keine Farbe dichtet die Oberfläche völlig ab.
Lehmputz anrühren © Ingo Bartussek, stock.adobe.com
Lehmputz

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