Ob Neubau oder Sanierung – die Installation von Kabeln und Leitungen auf dem Rohfußboden ist eine wirtschaftliche Installationsart. Sie erspart Zeit, Aufwand und Dreck, weil das nachträgliche Schlitzen von Wänden entfällt. Lediglich kurze Strecken vom Fußboden zu Steckdosen oder Schaltern fallen bei Schlitzarbeiten an. Ein Grund, warum immer öfter auf die sogenannte „Unterflurinstallation“ in Böden oder Decken zurückgegriffen wird.

Wer in Gebäuden elektrische Installationen durchführen möchte, muss sich an verschiedene Vorschriften und Normen halten. Dies gilt auch für die Verlegung von Kabeln und Leitungen auf dem Rohfußboden!
Vorschriften und Normen
Maßgebend ist hier die DIN 18015-1, die den mechanischen Schutz für Kabel und Leitungen im und unter dem Estrich gewährleistet. Einzeladern, Mantelleitungen und Erdkabel dürfen verwendet werden, müssen jedoch in Installationsrohren verlegt werden. Die Leerrohre müssen so dimensioniert sein, dass sie nicht mehr als 50 % bei Mantelleitungen und Erdkabeln, beziehungsweise 33 % bei Einzeladern belegt sind. Der Rohraußendurchmesser sollte mindestens 25 mm betragen.

Des Weiteren findet bei der Installation von Kabeln und Leitungen auf dem Rohfußboden die DIN 18015-3 Anwendung. Bisher wurden Elektroleitungen häufig auf direktem Weg, auch diagonal, auf Böden verlegt – das ist grundsätzlich auch weiterhin zulässig. Doch seit der Überarbeitung der DIN 18015-3 empfiehlt die Norm klare Installationszonen:
- Elektroleitungen im Boden sind in 30 Zentimeter breiten Installationszonen mit einem Abstand von 20 Zentimetern zu den Wänden zu verlegen.
- Bei Durchführungen durch Türöffnungen sollte beidseitig ein Wandabstand von 15 Zentimetern eingehalten werden.
- Wenn Leitungen in schwimmendem Estrich verlegt werden, sollte ein Abstand von 20 Zentimetern zu Sanitärleitungen eingehalten werden, um die Stabilität des Estrichs zu gewährleisten.

Baurechtlich müssen nach § 14 der Musterbauordnung (MBO) Anlagen so geplant und ausgeführt werden, dass eine Brandausbreitung verhindert und Rettung sowie Löschmaßnahmen möglich sind. Dies gilt auch für die Elektroinstallation auf Rohfußböden. Die Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) sowie die VDE 0100-520 schreiben vor, dass die Installationsrohre schutzgeführte, geschlossene Systeme bilden und nicht mehr als 50 % belegt werden dürfen.
Leitungen in Estrichebenen dürfen nur in nicht brennbaren Rohren (z. B. Installationsrohren aus PVC-U gemäß DIN 4102-1) verlegt werden. Es dürfen nur Kabel und Leitungen verwendet werden, die halogenfrei und schwer entflammbar (z. B. nach VDE 0482-332-1-2 bzw. EN 50575 Cca-s1,d1) sind.
Jede Leitungsdurchführung im Rohfußboden muss die Brandwiderstandsdauer des Bauteils aufrechterhalten. Da Rohfußböden je nach Gebäudeklasse einen definierten und nach DIN 4102-2 bzw. DIN EN 13501-2 geprüften Feuerwiderstand (F 30 bis F 90) aufweisen müssen, gilt dies auch für Leitungsdurchführungen. Geeignet sind geprüfte Brandschutzmanschetten, -klappen oder -mörtel (z. B. nach DIN 4102-14) für Kabel- und Leistungsdurchführungen.
Wichtig: Planung und Abstimmung
Zur optimalen Planung dient am besten eine Kopie des Grundrisses vom Haus oder der Wohnung. Hier werden Lichtschalter, Steckdosen, Leuchten, Fernseh-, Radio-, EDV, HiFi-Anschlüsse oder sonstige elektrische Verbraucher eingetragen. Nach diesem Plan werden dann die Leerrohre verlegt. Kreuzungen von Rohren sind, soweit es geht, zu vermeiden.

Es ist ratsam, vor der Verlegung der Rohre mit dem Estrichbauer zu sprechen, um spätere Probleme zu vermeiden. Insbesondere die Art der Dämmung und die Estrichstärke sollten hierbei geklärt werden.
Verlegung der Leerrohre

Als Elektroinstallationsrohre eignen sich flexibles ISO-Rohr EN25 oder für geringe Biegungen flexibles Wellrohr mit Biegeklasse 2 nach DIN EN 61386-1. Als Befestigungsmaterial werden in der Regel Iso-Klemmschellen passend zum Rohrdurchmesser, Loch- oder Montageband aus Edelstahl zur Fixierung auf dem Rohboden, Einschlagnägel (z. B. Fixpin) plus Setzeisen zum Einbringen der Nägel in den Beton verwendet. Senkrechte Schlitze sollten von der Elektroinstallationsdose aus zum Fußboden ausgeführt werden.

Bevor man mit der Installation der Leerrohre auf dem Rohfußboden beginnt, ist dieser zu säubern und sollte trocken sein. Bei der Verlegung auf die Installationszonen achten. Kreuzungen sind zu vermeiden. Die Biegeradien sollten nicht zu eng sein, um das Einziehen von Kabeln und Leitungen nicht unnötig zu erschweren oder schlimmstenfalls Kabelbrüche hervorzurufen. Statt das Leerrohr selbst zu biegen, können auch Bogenstücke und T-Stücke (EN25/EN32) für alle erforderlichen Richtungsänderungen verwendet werden.

Beim Verlegen der Rohrabschnitte sind die Rohre stets bis in die Dose zu führen – nicht oberhalb des Fußbodens abschneiden! Die Dosen haben eine extra Ausprägung für das Rohr. Es empfiehlt sich daher Unterputzdosen mit M20/M25-Rohrausprägungen zu verwenden, damit das Leerrohr in die Dose reicht. Sind die Rohrabschnitte verlegt, ist das Rohr zu fixieren.
Rohrbündel dürfen maximal 30 cm breit sein. Zum nächsten Rohrbündel ist ein Zwischenabstand von 20 cm einzuhalten. Raumübergänge sind durch Türlaibungen zu führen. Dabei ist ein Abstand von 15 cm zum Rand zu wahren, um spätere Estrichbewegungen nicht zu blockieren.
TIPP
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Einziehen der Kabel und Leitungen
Zum Einziehen von Kabeln und Leitungen wird eine Einziehhilfe ins Rohr geschoben. Bei längeren Strecken hilft eine kugelförmige Führungsspitze und etwas Spezialschmierfett am Kopf der Spirale, um Hindernisse zu überwinden. Zum Verbinden wird der Mantel des Kabels oder der Leitung etwa 20 cm, die einzelnen Leiter etwa 10 cm abisoliert. Die Litzen werden durch die Öse der Einziehhilfe geführt, umgebogen und mit einer Zange flachgedrückt. Um keine Kanten entstehen zu lassen, wird die Verbindung mit Isolierband umwickelt.

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Wer möchte, kann Gleitmittel auftragen, um die Reibung im Rohr zu reduzieren. Es empfiehlt sich, das Einziehen der Kabel oder Leitungen zu zweit vorzunehmen. Eine Person schiebt das Kabel vorsichtig nach, während die andere langsam und gleichmäßig an der Einziehhilfe zieht.
Sobald das Kabel vollständig eingezogen ist, sollte überprüft werden, ob es Beschädigungen aufweist. Es ist ratsam, genügend Leitungslänge außerhalb des Leerrohrs vorzuhalten, um später unkompliziert Steckdosen oder Schalter anzuschließen zu können. Es empfiehlt sich, das Kabel oder die Leitung unmittelbar nach dem Einziehen mit Isolierband und einem wasserfesten Filzstift zu beschriften, um bei späteren Elektroinstallationsarbeiten Verwechslungen zu vermeiden. Die Enden in den Dosen sind zu sichern.

Tipp: Es sollte in jedes Rohr ein Zugdraht für spätere Nachinstallationen mit eingezogen werden.
Vor dem Estricheinbau sollte man die Installation der Leerrohre und das Einziehen der Kabel und Leitungen von einem Elektrofachbetrieb abnehmen lassen. Nicht ohne Grund zählt die Installation von elektrischen Anlagen zu den meisterpflichtigen Gewerken. Die eigentliche Elektroinstallation darf nur von einem Meisterbetrieb durchgeführt werden, der gemäß Handwerksordnung (HwO) § 1 Abs. 1 in die Handwerksrolle eingetragen ist und damit als Elektrofachfirma gilt. Für Laien sind Arbeiten an der Elektroinstallation tabu! Grundlage dafür sind § 13 Abs. 2 Satz 4 der „Niederspannungsverordnung“ (NAV) sowie die DIN VDE 0100–1000. Dieses Verbot gilt für die gesamte Hauselektrik.

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