Styropor oder Styrodur: Ein Vergleich

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Styropor vs. Styrodur: Vergleich, Informationen und Alternativen

Styropor und Styrodor klingen zum einen fast gleich zum anderen haben Sie auch ähnliche Eigenschaften. Trotzdem macht es einen Unterschied, ob man zum Dämmen von Wänden Styropr bzw. Stryrodur verwendet. Was sind die verschiedenen Merkmale beider Dämmstoffe? Wir beschäftigen uns ausführlich mit diesen beiden Dämmvarianten. Gibt es bestimmte Alternativen zu Styropor oder Styrodur, mit welchen sich Dämmungen ebenfalls fachgerecht ausführen lassen?

Begriffserklärung mit speziellen Infos

Wichtig ist darauf zu achten, dass Styropor und Styrodur spezielle Markennamen für Polystyrol-Hartschaumplatten sind. Beide Dämmplatten sind erdölbasiert und gelten als verrottungsresistent, günstig im Preis. Sie zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie vielseitig einsetzbar sind.

Fassadendämmung mit EPS © IVH
Fassadendämmung mit EPS © IVH

Styropor gilt als Markenname für expandiertes Polystyrol (EPS). Styrodur dagegen ist der gebräuchliche Markenname für extrudiertes Polystyrol (XPS). Der größte und offensichtlichste Unterschied zwischen diesen beiden bekannten Dämmstoffen ist die Optik. Bei EPS sind einzelne kleine Perlen zu erkennen. XPS besitzt dagegen eine durchgängige Schaumstruktur.

Dämmstoff XPS © Alekss, fotolia.com
Dämmstoff Styrodur (XPS) © Alekss, fotolia.com
Info: Styrodur-Hartschaumplatten werden in der Regel vom Hersteller farbig kenntlich gemacht.
Tipp: Günstigste Dämmungs-Fachbetriebe finden, Angebote vergleichen und sparen.

Vergleich: Die unterschiedlichen Merkmale von Styropor und Styrodur

In der folgenden Tabelle finden Sie eine Übersicht über die entscheidenden Unterschiede zwischen den beiden Dämmstoffen Styropor und Styrodur.

STYROPOR-EIGENSCHAFTEN

STYRODUR-EIGENSCHAFTEN

Auslieferungsart: EPS-Platten und EPS-Granulat

Auslieferungsart: XPS-Platte

Rohdichte: 15-60 kg/m³

Rohdichte: 25-50 kg/m³

Wärmeleitfähigkeit: 0,032-0,04 W/(m*K)

Wärmeleitfähigkeit: 0,023-0,04 W/(m*K)

Baustoffklasse: B1 und B2

Baustoffklasse: B1 und B2

Anwendung: Aufsparrendämmung, Flachdachdämmung, Trittschalldämmung, Fassadendämmung hinter einer vorgehängten Fassade, Wärmedämmverbundsystem (WDVS)

Anwendung: Aufsparrendämmung, Flachdachdämmung (unter Abdichtung und Umkehrdach), Dämmung des Bodens unter Estrich, Dämmung einer Fassade als Kerndämmung, Perimeterdämmung

Preis: 70-100 Euro pro m³

Preis: 200-260 Euro pro m³

Styropor vs. Styrodur: Vor- und Nachteile im Überblick

Betrachten wir die speziellen unterschiedlichen Eigenschaften von Styropor und Styrodur fallen bestimmte Vor- und Nachteile auf. In der folgenden Übersicht erhalten Sie einen Überblick über die einzelnen Merkmale der beiden Dämmstoffe.

Vorteile – Styropor:

  • ist im Einkauf günstiger als Styrodur
  • bei der Herstellung muss weniger Energie aufgewendet werden

Vorteile – Styrodur:

  • ist beständiger gegen Feuchtigkeit als Styropor
  • kann Druck von außen besser standhalten als Styropor

Nachteile – Styropor:

  • bei speziellem FCKW geschäumtem Styropor muss eine besondere Entsorgung stattfinden
  • ist nicht so beständig gegen Feuchte
  • ist weniger druckstabil als Styrodur

Nachteile Styrodur:

  • Styrodur ist teurer als Styropor
  • Der Energieaufwand bei der Herstellung ist höher

Die Herstellung von Styropor und Styrodur

Die Grundbasis, die bei der Herstellung von Styropor und Styrodur verwendet wird, ist gleich. Im ersten Schritt wird aus Erdöl Styrol erzeugt. Dabei ist ein großer Einsatz an toxischen Stoffen notwendig, wie z. B. Benzol. Aus dem reinen Styrol wird dann mithilfe der Polymerisation Polysterol hergestellt. Von da an entscheidet sich, ob Styropor oder Styrodur hergestellt wird.

Styropor-Herstellung

Bei der Herstellung von Styropor, das auch EPS genannt wird, wird Polystyrol-Granulat mit Wasserdampf und Treibmittel behandelt. Dabei blähen sich die einzelnen Körner auf – das heißt sie expandieren. Dadurch entsteht auch die Bezeichnung „expandiertes“ Polystyrol. Als Ergebnis dieses Vorgangs entstehen die typischen Styroporperlen. Dann werden die Perlen noch ein zweites Mal aufgeschäumt und danach miteinander verschweißt. Die entstandenen Blöcke lassen so gut zu Platten schneiden.

Styrodur-Herstellung:

Bei dieser Herstellungsvariante werden zähflüssige härtbare Materialien durch eine Düse gepresst. Das spezielle Verfahren heißt Extrusion. Dadurch kommt das sogenannte „extrudierte“ Polystyrol zustande. Um Styrodur herzustellen, muss zunächst das Kunststoff-Polystyrol geschmolzen werden. Danach wird ein spezielles Treibmittel und auch Brandschutzmittel hinzugegeben. Mithilfe einer Breitschlitzdüse wird das flüssige Polystyrol auf einem Fließband ausgetragen. Dann wird es aufgeschäumt und in spezielle Plattenformen gepresst.

Anwendungsbeispiele für Styropor und Styrodur

Anwendung von Styropor (EPS):

  • Styropor wird in der Regel in Form von Platten als Dämmstoff zum Kauf angeboten
  • für Hohlraumdämmungen ist EPS allerdings auch in Kugelform erhältlich (sie werden in den Hohlraum eingeblasen)
  • bei der Trittschalldämmung wird es auf Rollen z. B. für Laminat angeboten

bei folgenden Dämmarten kann Styropor zum Einsatz kommen:

  • bei der Dämmung von Flachdächern
  • bei Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) im Bereich der Wände
  • bei Einblasdämmungen
  • bei Trittschalldämmungen
  • bei der Wärmedämmung von Raumdecken
  • bei Perimeterdämmungen im Bereich des Kellers
Dämmung wird angebracht © Fachverband Wärmedämm-Verbundsysteme e.V.
Wärmedämm-Verbundsystem wird angebracht © Fachverband Wärmedämm-Verbundsysteme e.V.

Die Anwendung von Styropor bei Wärmedämmverbundsystemen:

Den Kern von vielen WDVS stellen dicke Styroporplatten dar. Diese Systeme gibt es bereits seit der Mitte der 60er Jahre. Die einzelnen Styroporplatten werden zum einen geklebt oder zum anderen mit der Wand verdübelt. Die Platten sind in der Regel etwa 14 cm stark. Auf diese Styroporplatten kommt dann noch eine Armierungsschicht, die zwischen 1,5 und 5 mm dick ist. Dabei wird eine Lage aus Glasfasergewebe eingebettet. Auf diese Weise kann der später auf diese Schicht aufgetragene Mineralputz gut haften und der Untergrund wird gleichmäßig ausgeprägt.

Info: Verbundsysteme sind heutzutage nur bedingt als optimal einzustufen, weil ihre Reste später aufwändig als Sondermüll entsorgt werden müssen.

Anwendung von Styrodur (XPS):

Heutzutage wird Styrodur in der Regel als Perimeterdämmung bei Wohnhäusern an der Kellerwand verwendet. Durch die hohe Druckfestigkeit ist es auf diese Weise möglich, die Last des Erdreichs auf die Kellerwand abzufangen. Es ist sogar möglich, Styrodur unter der Bodenplatte zu verwenden. XPS ist in der Lage hohen Belastungen standzuhalten und wird aus diesem Grund auch in Lager- oder Fertigungshallen in der Bodenkonstruktion verwendet.

Kellerdaemmung © kara, fotolia.com
Kellerdaemmung © kara, fotolia.com

Die Anwendung von Styrodur im Innenbereich und bei der Kerndämmung:

Im Innenbereich kann Styrodur auch in mehreren Lagen verwendet werden. Außerdem ist es möglich, das Styrodur zwischen zwei Wandschichten zu montieren. Es wird vor allem auch im Bereich von Wärmebrücken verwendet.

Die Anwendung von Styrodur bei Flach- und Umkehrdächern:

Bei Flachdächern wird das Styrodur unter der Dachpappe verwendet. Das volle Potenzial entfaltet Styrodur allerdings bei Umkehrdächern. Hier liegt die Abdichtung unter Dämmung. Aus diesem Grund muss die Abdichtung ständiger Feuchtigkeit und Nässe standhalten. Außerdem ist die Dämmung durch Kies oder Steinplatten einem sehr hohen Gewicht ausgesetzt. Durch eine Dämmschicht mit Styrodur kann dieses Gewicht ohne Probleme aufgenommen werden.

Bei Steildächern ist es ebenfalls möglich, Styrodur als Dämmmaterial bei Aufsparrendämmungen zu verwenden. Dies ist auch bei Neubauten eine Lösung, die energieeffizient und praktisch ist.

Alternativen zu Styropor und Styrodur

Als Alternative zu Dämmsystemen mit Styropor oder Styrodur können z. B. Wärmedämmverbundsysteme mit Materialien wie Steinwolle oder Mineralschaum verwendet werden. Bevor man sich für eine alternative Lösung entscheidet, sollte man sich erkundigen, ob der jeweilige Baustoff für die Verwendung in Deutschland zugelassen ist. Die Auskunft darüber erhält man beim Deutschen Institut für Bautechnik (DIB), das sich in Berlin befindet oder bei den Herstellern selbst.

Als nachwachsende Rohstoffe können z. B. auch Holzfasern, Holzwolle, Kokosfasern, Kork, Schafwolle, Hanf, Stroh oder Zellulose verwendet werden, um eine Dämmung auszuführen. Auch hier müssen aber spezielle Bedingungen für den Einbau beachtet werden.

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