Dachüberstand

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Dachüberstand – sinnvoll oder überholt?

Textile Modediktate sind längst Stilvielfalt gewichen. Doch kurzschnautzige Hunde sind modern, obwohl einige dieser Rassen nur rasselnd Luft bekommen. Ist das fassadenbündige Dach eine architektonische Mode? Oder ist es sinnvoll, das traditionelle Relikt „Dachüberstand“ zu verabschieden?

Auf einen Dachüberstand sei aus ästhetischen Gründen verzichtet worden: So steht es häufig in Objektbeschreibungen. Einmal mehr ließe sich auch bei diesem Thema trefflich streiten, ob denn nun ein fassadenbündiges Dach oder ein Dachüberstand schöner sei. Im Folgenden die Argumente für und wider einen Dachüberstand:

Dachüberstand – die Vorteile

  • Hält Niederschläge von den Fassaden fern
  • Schützt obere Geschosse vor direkter Sonneneinstrahlung
  • Erübrigt Überdachung des Eingangs
  • Trockenes Unterstellen von Gegenständen des täglichen Gebrauchs
  • Verringert Sanierungsaufwand von Balkonen, Türen, Fenstern aus Holz

Ein Dachüberstand zählt in unseren Breitengraden zur traditionellen Bauweise und dient in erster Linie als Witterungsschutz. Fassaden und Mauerwerk werden durch den Dachüberstand geschützt vor der direkten Einwirkung von Regen, Hagel oder Schnee. Der Niederschlag fließt ab über die Dachrinnen und das Fallrohr, ohne das Mauerwerk zu kontaminieren. Denn Dauerregen und Wetterwechsel von Frost- zu Tauwetter können dem Putz zusetzen. So können leichte kaum sichtbare Risse entstehen, die Feuchte einziehen lassen. Die Dämmwirkung wird reduziert, Schimmelbildung in der Dämmung entsteht. Sensible Stellen wie Fenster- und Türanbindungen, die zu Wärmebrücken neigen, sind besonders gefährdet, Feuchte zu ziehen. Sommervorteil: In den heißen Monaten bietet ein Dachüberstand eine angenehme Verschattung der oberen Etagen.

Wichtig: Dachüberstände zwischen 70 bis 100 Zentimeter sind generell bauaufsichtlich zugelassen und bieten auch bei starken Niederschlägen ausreichend Schutz.
Solar Panel auf dem Dach © pridannikov, stock.adobe.com
Trends im Bau? Hauptsache effizient! © pridannikov, stock.adobe.com

Dachüberstand – ist er überholt?

Argumente gegen eine Dachüberstand lauten:

  • Moderne Dämmstoffe sind viel leistungsfähiger als früher und erübrigen die Verschattung durch einen Dachüberstand.
  • Moderne Putzsysteme sind viel resistenter gegenüber Witterungseinflüssen.

Selbst wenn alle modernen Putze und Dämmstoffe halten was sie versprechen: Gibt es ein Zuviel an Schutz?

Hitzeschutz: Fakt ist, bei Gebäuden ohne Dachüberstand bringen Hausbesitzer häufig zusätzliche Sonnenschutzvorkehrungen an.

Schmutz: Unbesehen von der Wetterresistenz moderner Putzsysteme läuft der Niederschlag bei einem Haus ohne Dachüberstand an der Fassade ab. Da braucht es noch nicht einmal ein Unwetter, das roten oder gelben Saharasand zu uns trägt, es genügt bereits heimischer Schmutz im Regenwasser, um unansehnliche Rinnsale auf einer hellen Fassade zu hinterlassen. Trotz generell schmutzabweisender Funktion des Putzes bleibt der Schmutz dort liegen, wohin der Regen ihn trägt.

Giebel Haeuser © Petr Taisl, stock.adobe.com
So richtig neu ist der Verzicht auf Dachüberstand nicht © Petr Taisl, stock.adobe.com
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Manchmal geht es nicht anders – Bauen ohne Dachüberstand

Häuser ohne Dachüberstand sollten möglichst freistehend gelegen sein. So kann das Gebäude nach einem Niederschlag von Sonne und Wind schnell getrocknet werden. Doch in der Praxis ist die Bauweise ohne Dachüberstand insbesondere bei enger Bebauung verbreitet. Der fehlende Dachüberstand soll das knapp bemessene Grundstück optisch vergrößern, bzw. der Dachstand soll/darf nicht über das Nachbargrundstück ragen.

Darauf sollten Sie achten:

  • Legen Sie eine Hausumrandung an. Sie fungiert als Regendrainage. So verhindern Sie, dass das an der Hauswand ablaufende Wasser das Fundament durch Staunässe schädigt.
  • Bei bündiger Bauweise von Mauerwerk und Dach befinden sich die Dachrinnen auf oder innerhalb der Fassade. Kontrollieren Sie den Zustand der Dachrinnen regelmäßig. Defekte Dachrinnen können bei dieser Konstruktion den Gebäudekörper schwer schädigen.
  • Schützen Sie das Haus zusätzlich an seiner Wetterseite.
  • Bei geplanter Holzverschalung Holzelemente vertikal anordnen für einen besseren Wasserablauf.
  • Hinterlüftung Holzfassaden großzügig bemessen.
Holzfassade © ah_fotobox, stock.adobe.com
Ohne Dachüberstand empfiehlt sich eine vertikale Anordnung von Holzelementen. Die Hinterlüftung ist besonders wichtig © ah_fotobox, stock.adobe.com

Dachverlängerung – Dachüberstand nachrüsten

Eine Veränderung am Dach bedarf der Genehmigung der Bauaufsichtsbehörde. Je nach Region liegt der empfohlene Überstand zwischen 70 und 100 Zentimetern. Ältere Wohngebiete und Grundstücke sind tendenziell größer und somit auch die Freiheiten hinsichtlich des Dachüberstands. Bei Eigenheimen in Siedlungsstruktur wird der Dachüberstand stärker reglementiert.

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Voraussetzungen einer Dachverlängerung

Zustand des Tragwerks prüfen: Sind die tragenden Balken des Daches jetzt schon an ihrem Limit oder können sie bedenkenlos verlängert werden? Dachsparren tragen die Dachhaut von der Traufe zum First. Dachpfetten tragen die Sparren. Sie stützen waagerecht und liegen parallel zwischen der Traufe. Zur Begutachtung des Tragwerkes und der Berechnung weiterer Traglasten bedarf es eines Statikers. Sein Gutachten ist auch für das Genehmigungsverfahren notwendig. Ein Dachüberstand bringt über das Eigengewicht hinaus erhebliche Windlasten mit sich.

Wichtig: Achtung vor Wärmebrücken: Sofern die bestehende Traglaste einen Dachüberstand zulässt, vermeiden Sie durch sorgfältige Materialwahl Wärmebrücken zwischen alten und neuen Baumaterialien. Besonderes Augenmerk gilt auch der obersten Mauerschicht.

Aufwendiges Nachrüsten mit Unterbau

Häufig ist leider nicht eine einfache Verlängerung von Sparren und Pfetten aus statischen Gründen möglich und ein abstützender Unterbau erforderlich. Kosten und Nutzen sind dabei sorgfältig abzuwägen.

Fazit Dachüberstand

Ein Dachüberstand ist eine solide konstruktive Möglichkeit, um die Gebäudehülle vor Witterung, sowohl Niederschlag als auch starke Sonneneinstrahlung, zu schützen. Darüber hinaus bietet er weitere alltägliche Bequemlichkeiten für die Hausbewohner: Kaminholz an der Hauswand stapeln oder einfach die Schuhe vor der Tür stehen lassen können. Das klingt als Vorteil profan, ist jedoch von täglichem Gebrauchswert. Wer die Möglichkeiten hat, sollte einen Dachüberstand realisieren. Das Nachrüsten mit notwendigem Unterbau ist aufwendig. Wer aufgrund baulicher Gegebenheiten auf einen Dachüberstand verzichten muss, kann in Kenntnis möglicher Schadensfolgen entsprechende Vorkehrungen treffen und diese abwenden. „Dach-Mauerwerk-bündig“ als architektonischer Bau-Trend hat in einem pragmatischen Diskurs wenig Bestand.

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