Dach decken mit Bitumenschindeln

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Gewusst wie: Dacheindeckung mit Bitumenschindeln

In Deutschland wird das Standarddach eines Einfamilienhauses mit Dachschindeln oder Dachsteinen eingedeckt. Bitumenschindeln werden hierzulande eher als Dacheindeckung für Gartenhäuser, Garagen, Lauben oder Vordächer eingesetzt. Dabei bieten Bitumenschindeln gleich eine Vielzahl an Vorteilen: Dachschindeln aus Bitumen sind in unterschiedlichen Formen und Farben erhältlich. Auch in Sachen Farbe ist die Auswahl groß. Zu den beliebtesten Farben zählen Grün, Rot, Braun und Blauschwarz.

Dach mit Bitumenschindeln © Petr Necas, stock.adobe.com
Dach mit Bitumenschindeln © Petr Necas, stock.adobe.com

Beschieferte Bitumenschindeln geben dem Dach eine ganz besondere Note und können Anthrazit, Schiefergrün oder Schieferblau sein. Da Bitumen unverrottbar ist, haben Dacheindeckungen aus Bitumenschindeln eine Lebensdauer von 25 bis 35 Jahren. Und schließlich ist Bitumen leicht zu verarbeiten, so dass die Dacheindeckung mit Bitumenschindeln durch geübte Heimwerker auch selbst vorgenommen werden kann. Dieser Artikel bietet eine Anleitung, wie die Dacheindeckung mit Bitumenschindeln fachgerecht durchgeführt wird.

Info: Schindelformen

Es gibt Bitumenschindeln in unterschiedlichen Formen. Jedoch ist nicht jede Schindelform für jedes Dach geeignet. Welche Bitumenschindeln Sie verwenden können, hängt vorrangig von der Dachneigung ab. Als Faustlinie gilt:

  • Dachneigung von über 15 Grad: Rechteck, Trapez
  • Dachneigung von über 20 Grad: Rechteck, Trapez, Biber, Dreieck
  • Dachneigung von über 25 Grad: Biber, Dreieck

Wichtig: Beachten Sie die Hinweise des Herstellers und informieren Sie sich vorab im Fachhandeln.

Vorarbeiten: Voraussetzungen für die Dacheindeckung mit Bitumenschindeln

Bitumenschindeln können nicht auf jeder Dachunterkonstruktion aufgebracht werden. Eine geeignete Unterkonstruktion besteht aus Holz. Wichtig ist, dass die Dachfläche eben, fest, trocken und vernagelt ist. Wichtig ist zudem, dass zwischen der benagelbaren Dachfläche und der darunter befindlichen Oberfläche der Dämmung die Luft frei zirkulieren kann. Denn nur so ist sichergestellt, dass Wärme und Wasserdampf entweichen können und es nicht zu Feuchtigkeitsschäden kommt.

Dach mit Bitumenschindeln © bildlove, stock.adobe.com
Beim Eindecken von Traufe und Kehle bedarf es besonderer Vorsicht, damit die Bitumenschindeln einen sicheren Schutz vor Regen und Schnee bilden © bildlove, stock.adobe.com
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Schindelunterlage aus Bitumenbahnen

Bevor die Bitumenschindeln verlegt werden können, muss zunächst die so genannte Schindelunterlage aufgebracht werden. Hierfür werden Bitumenbahnen verwendet, die überlappend auf das Dach aufgebracht werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Bahnen sowohl waagerecht überlappen, als auch mit einer Endüberlappung verarbeitet werden. Wie groß die Überlappung sein muss, hängt von der Dachneigung ab.

Grundsätzlich gilt: Je geringer die Dachneigung, desto kleiner die erforderliche Überlappung.

Dächer mit einer Neigung von 15 bis 20 Grad:

  • Beginnen Sie mit einem 50 cm breiten Anfangsstreifen, damit die gesamte Dachfläche eine doppelte Schindelunterlage erhält.
  • Waagerechte Überlappung: 50 cm
  • Endüberlappung: 30 cm

Dächer mit einer Neigung von 21 bis 85 Grad:

  • Hier reicht eine einlagige Unterschicht aus Bitumenbahnen
  • Waagerechte Überlappung: 5 cm
  • Endüberlappung: 10 cm

Schutz der Traufe (Stelle, an der die beiden Dachseiten aufeinander treffen):

  • Doppelte Unterlage erforderlich, das insbesondere bei Frost Gefahr der Bildung von Eisdämmen besteht.
  • Anfangsstreifen: 50 cm
  • Weitere Bahnen: volle Breite
  • Waagerechte Überlappung: 50 cm
  • Endüberlappung: 30 cm

Schutz der Traufe (Stelle, an der die Dachseiten nach unten enden):

  • An den Seitenrändern der Traufe werden Leisten aus korrosionsgeschützem Material angebracht.
  • Traufleiste muss mindestens 8 cm über den Rand ragen und nach unten gebogen sein
  • Verlegung der Traufleiste: an den Rändern über und an der Traufe unter der Unterlage

Unterbahnverlegung an der Kehle (Verschneidungslinie zwei Dachflächen; z.B. bei Dachgauben):

Hier gibt es zwei unterschiedliche Verlegungsarten:

  • Offene Kehlen:
    • Abdeckung der Kehle mit 1 m breiter Bitumenbahn
    • Senkrechte Überlappung: 30 cm breit und geklebt/geschweißt
    • Endüberlappung: 15 cm
  • Wechselseitig gedeckte Kehle:
    • Jede Dachbahn wird 2,5 cm vom Rand genagelt
    • Überlappungen: 30 cm und verklebt

Unterbahnverlegung an Kamin oder Wand:

  • Diese wird ca. 10 cm an dem Kamin oder der Wand hochgeführt

Hilfslinien: Kreidelinien als Verlegungshilfe

Um das gleichmäßige Verlegen der Bitumenschindeln zu erleichtern, sollten Sie Kreidelinien als visuelle Stütze nutzen. So können Sie die Schindeln leichter waagerecht und senkrecht gleichmäßig ausrichten. Die Kreidelinien erleichtern zudem die Ausrichtung der Schindeln an einem Kamin oder einer Dachgaube.

  • Waagerechte Kreidelinien: es reicht eine Linie alle 4 bis 5 Reihen
  • Senkrechte Kreidelinien (insbesondere bei langen Schindelstrecken): Linie wird stets in der Mitte einer Schindel gezogen
Wichtig: Die Kreidelinien sollten als Verlegehilfen gesehen werden, nicht als zwingende Vorgaben.

Verlegung der Bitumenschindeln

Befestigung der Bitumendachschindeln © bildlove, stock.adobe.com
Jede Bitumendachschindel wird mit Dachpappenstiften an der Unterkonstruktion befestigt © bildlove, stock.adobe.com

Nach diesen Vorarbeiten können Sie mit dem Verlegen der Dachschindeln beginnen. Gehen Sie hierbei Schritt für Schritt vor:

Beginnen Sie mit der Verlegung der Dachschindeln am unteren Dachrand (Traufkante) und arbeiten sich nach oben zum First vor.

  • Erste Schindelreihe: Zungen abschneiden
  • Die erste Schindelreihe wird an der Traufkante angelegt, so dass diese nach unten 1 cm über die Blechkante übersteht
  • Befestigung mit Dachpappenstiften mit 2,5 cm Abstand von Blatteinschnitt und Rand: Nägel nur so weit einschlafen, dass diese auf der Dachpappe aufliegen
  • 2. Schindelreihe: Bündige Verlegung an Traufrand und Seitenrand
  • 3. Schindelreihe: Schneiden Sie eine halbe Zunge ab und legen beginnen bündig am Seitenrand; das untere Ende der Zungen überdeckt mit der Spitze gerade die Blatteinschnitte der darunter liegenden Schindelreihe (2. Schindelreihe)
  • 4. Schindelreihe: Hier wird die komplette Schindelreihe verwendet, also mit einer ganzen Schindel beginnen.
  • Alle weiteren Schindeln: Bei jeder zweiten Reihe wird eine halbe Schindelzunge abgeschnitten
Wichtig: Die Schindeln verkleben durch den Druck und Wärme von selbst miteinander. Daher reicht es aus, nur wenige Nägel zu verwenden. Lediglich bei Dächern mit großer Neigung (mehr als 60 Grad) benötigen Sie mehr Nägel. Sollte die Verlegung bei niedrigen Temperaturen erfolgen, benötigen Sie zusätzlich zur Befestigung Kleber, da der selbstverklebende Effekt nur bei höheren Temperaturen auftritt.

Verlegung der Schindeln am First

Wenn beide Dachhälften mit Dachschindeln eingedeckt sind, erfolgt die Eindeckung des Dachfirstes. Die Verlegung der Firstschindeln erfolgt quer zu den Schindeln der Dachseiten.

  • Verlegung in doppelter Dicke: Legen Sie zwei Schichten aufeinander
  • Vorbereitung der Bitumenschindeln: Schneiden Sie an den Zungen jeweils ein Dreieck ab.
  • Verlegung der ersten Dachschindel mit der Hauptwindrichtung
  • Alle weiteren Dachschindeln: Überlappung von 15 cm; Befestigung mit zwei Dachpappstiften
  • Letzte Dachschindel: Diese wird verklebt, statt mit Nägeln befestigt
Wichtig: Bei niedrigen Temperaturen müssen die Schindeln vor dem Biegen erwärmt werden, damit diese nicht brechen.

Verlegung der Schindeln in Kehlen

Auch hier haben Sie wieder die Wahl zwischen zwei Verlegearten:

  • Offenkehlen Verfahren:
    • Kreidelinien vom First zur Traufe: 15 cm Abstand an First; Abstand verbreitert sich zu den Traufseiten hin (um 1 cm pro Meter)
    • Schindelzuschnitt erfolgt auf diese Linien
    • Zusätzlich wird an der oberen Ecke der Schindelbahn (der Kreidelinie zugewandte Seite) ein 5 cm großes Dreieck abgeschnitten
    • Befestigung der Schindelbahnen am Rand zur Kehle hin mit Bitumenkleber (5 cm breites Band)
    • Zusätzliche Befestigung mit Nägeln (5 cm Abstand von der Kreidelinie)
  • Wechselseitige Deckung:
    • Verlegung der Schindeln in der Kehlnaht
    • Überlappung: Letzte Schicht sollte mindestens 30 cm auf das andere Dach (jenseits der Kehle) überragen
    • Befestigung: mit einem Nagel in der obersten Schindelecke
    • Hinweis zum Nageln: Vor dem Vernaglen werden die Schindelbahnen in die Kehlnaht gedrückt; Beim Nageln Abstand beidseitig von 15 cm zur Kehlnaht einhalten

Verlegung an Kamin und Wand

Dach: Richtige Abdichtung am Übergang zu Wand und Kamin © bildlove, stock.adobe.com
Wichtig, um Undichtigkeiten im Dach vorzubeugen: Eindeckung der Dachfläche bis an den Kamin und ähnliche senkrecht aus der Dachfläche heraustretenden Bauteilen © bildlove, stock.adobe.com
  • Eindeckung der Dachfläche bis an den Kamin beziehungsweise die Wand
  • Anbringen von Anschlussblechen und Nockenblechen
Info: Sicherheit

Wie bei allen Dacharbeiten ist auch bei der Eindeckung eines Daches mit Bitumenschindeln auf Sicherheit zu achten. Dies betrifft insbesondere folgende Punkte:

  • Geeignete Arbeitskleidung
  • Arbeitsschuhe
  • Schutz vor Stützen vom Dach (Sicherung)

Fazit

Die Eindeckung eines Daches mit Bitumenschichten ist auch für einen geübten Heimwerker möglich. Wichtig ist, dass hierbei Schritt für Schritt vorgegangen wird. Nur so ist sichergestellt, dass das Dach Wind und Wetter standhält. Übrigens: Die Bitumeneindeckung bedarf einer regelmäßigen Wartung. Kleine Schäden sollten zeitnah ausgebessert werden.

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