Restfeuchte von Estrich

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Keine Geheimwissenschaft: Wie und wie lange wird Erdstrich getrocknet?

Trocken ist nicht gleich trocken – das ist ein Satz, der besonders beim Estrich gilt. Nur weil eine Estrichfläche trocken aussieht, heißt das noch lange nicht, dass man sie nach Belieben belasten oder gar mit einem weiteren Belag versehen kann. Hier steht, worauf es ankommt.

Estrich wird abgeschliefen © Anselm, stock.adobe.com
Estrich schafft den glatten Untergrund für den Boden. Aber bevor irgendein Belag eingebaut wird, muss der Estrich trocken sein © Anselm, stock.adobe.com

Zunächst mal ein bisschen Theorie. Man unterscheidet zwischen Begehbarkeit, Belastbarkeit und Belegreife. Die Wörter erklären sich von selbst, aber sicherheitshalber soll hier darauf hingewiesen werden, dass sie nicht verwechselt werden dürfen. Einen Estrich, den man voll belasten kann, darf man deshalb noch nicht unbedingt auch gleich mit Fliesen belegen.

Und zweitens ist das Wort vom Austrocknen nur bei Magnesiaestrich richtig. Zementestrich bindet nämlich ab, Kunstharz- und Gipsestriche härten aus. Das sind unterschiedliche chemische und physikalische Prozesse. Für die Praxis sind die unterschiedlichen Bezeichnungen allerdings nicht so wichtig – es kommt darauf an, dass man mit dem Estrich richtig umgeht. Im Folgenden werden die Begriffe daher auch eher synonym verwendet.

Estrich: Diese Begriffe sind wichtig
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Zu viel Feuchtigkeit ist gefährlich

Aber ist die Feuchtigkeit nicht ein eher theoretisches Problem, ohne konkrete Folgen? Wer dies glaubt, muss das eventuell teuer bezahlen. Wer wertvolles Parkett verlegt hat und dann feststellen muss, dass dieses sich wölbt oder reißt, der hat es eventuell genau mit zu hoher Restfeuchtigkeit zu tun. Verantwortlich ist dann der, der den Belag eingebaut hat – aber den Ärger hat der Bauherr, und die Kosten auch, wenn er den Estrich selbst gelegt hat. Bedenken muss man, dass das Wasser aus dem Estrich heraus muss, und wenn der Untergrund durch Dämmung oder eine Betondecke isoliert ist, dann bleibt dem Wasser nur der Weg nach oben.

Parkett schwimmend verlegen © Halfpoint,stock.adobe.com
Parkett kann direkt auf den Estrich verlegt werden. Aber dieser muss unbedingt trocken sein, sonst gibt es Schäden im Holz © Halfpoint,stock.adobe.com

Leider reicht es nicht aus, sich auf irgendwelche abstrakten Angaben dazu zu verlassen, wann ein Estrichboden belegt werden kann. Diese Angaben sind immer als Mindestmaß zu verstehen. Wie schnell der Boden austrocknet, das hängt von den konkreten Verhältnissen auf der Baustelle ab, vor allem von der Luftfeuchtigkeit, der Raumtemperatur und dem Luftaustausch. Bei extremer Luftfeuchtigkeit und hohen Temperaturen kann es dadurch, dass Luftfeuchtigkeit am Boden kondensiert, sogar dazu kommen, dass sich die Feuchtigkeit im Estrich sogar noch anreichert. Das bedeutet, dass man an der Messung der sogenannten Restfeuchte nicht vorbei kommt, wenn man nicht deutlich längere Zeiträume als die angegebenen abwarten möchte.

Restfeuchte entweicht nacch oben
Restfeuchte entweicht nacch oben

Wie wird die Restfeuchte gemessen?

Drei Möglichkeiten gibt es, die restfeuchte zu bestimmen. Als besonders zuverlässig gilt die sogenannte Darrmethode. Dabei wird in einem Spezialschrank eine Probe getrocknet und aus der Gewichtsdifferenz zwischen getrockneter und nicht getrockneter Probe den Feuchtigkeitsgehalt errechnet. Allerdings ist dies etwas für Profis, macht ein Labor dafür.

Bei einer Messung nach der CM-Methode wird in einer Stahlflasche mit Manometer eine Probe mit Calciumcarbid vermischt. Es entsteht Acetylengas, und anhand des Druckanstiegs wird mit einer Tabelle der Feuchtigkeitsgehalt ermittelt. Diese Methode wird zwar gerichtlich anerkannt, von Fachleuten aber auch als fehlerbehaftet kritisiert. Ob man sich diese Ausrüstung anschaffen soll, wenn man womöglich einen einzigen Estrichboden in seinem Leben bauen möchte, ist schon die Frage.

Beim elektrischen Verfahren wird die elektrische Leitfähigkeit bestimmt, aus einer entsprechenden Eichtabelle ergibt sich der Feuchtigkeitsgehalt. Freilich gibt es auch in diesem Fall Fachleute, die davon sprechen, die Methode sei ungenau. Trotzdem arbeiten mit dieser Methode auch die elektrischen Feuchtigkeitsmessgeräte. So etwas kann man am Haus immer einmal gebrauchen, auch etwa um festzustellen, wie Feucht die Wände sind. Preiswerte Geräte werden schon für unter 50 Euro angeboten, man kann aber auch mehr als 200 Euro ausgeben.

Die Feuchtigkeit in der Wand wird gemessen © von Lieres, stock.adobe.com
Für die Messung von Feuchtigkeit am Bau gibt es handliche Geräte © von Lieres, stock.adobe.com

Messen – aber richtig

Wichtig ist aber, diese Geräte richtig anzuwenden. Vor allem heißt das, an einer ganzen Reihe von Punkten zu messen, nicht nur an einem. Denn eingebauter Estrich ist nur selten ganz homogen, der Feuchtigkeitsgehalt kann schwanken.

Zweitens können Messergebnisse durch Heizung oder Lüftung verfälscht werden – die Restfeuchte an der Oberfläche kann dann deutlich geringer sein als im Innern des Estrichs. Man muss also nach Beendigung von Heizung oder Lüftung warten, bis sich der Feuchtigkeitsgehalt ausgeglichen hat – und das kann eine Woche dauern.

Die Frage stellt sich natürlich auch, wann man anfangen soll mit der ganzen Messerei. Gegebenenfalls hilft eine Faustregel: Beträgt die Raumtemperatur mindestens 18 Grad und die Luftfeuchtigkeit nicht mehr als 65 Prozent, muss man je Zentimeter Estrichbelag mit einer Woche Zeit zum Trocknen bzw. Aushärten rechnen. Ist der Estrich mehr als vier Zentimeter dick, werden für den fünften und jeden weiteren Zentimeter je zwei Wochen kalkuliert. Wie gesagt, es handelt sich um eine grobe Faustregel, lediglich zur allgemeinen Orientierung geeignet.

Und es gibt neben dieser Berechnung noch einen Trick. Man klebt immer wieder einmal ein Stück durchsichtiger, aber luftdichter Folie auf den Estrich, und zwar so, dass auch an den Seiten keine Luft entweichen kann. Der Estrich ist fertig ausgetrocknet, wenn sich auf der Unterseite der Folie keine Wassertröpfchen mehr bilden. Dieser Trick arbeitet mit der Tatsache, dass der Estrich dann als ausgetrocknet gilt, wenn der Feuchtigkeitsgehalt ungefähr dem der Luft im Raum darüber entspricht. Auch diese Methode ergibt aber nicht viel mehr als einen groben Anhaltspunkt – eine seriöse Messung ist auf diese Weise nicht zu ersetzen.

Wie viel Restfeuchte ist erlaubt?

Bei Zementestrich ohne Fußbodenheizung muss eine Restfeuchte von maximal zwei Prozent erreicht werden, bevor Beläge wie Fliesen, Teppiche, Gummi oder Linoleum, Parkett oder Laminat verlegt werden können. Stein- und Keramikbeläge im Dickbett tolerieren eine Restfeuchte von bis zu drei Prozent. Ist eine Fußbodenheizung eingebaut, gelten etwas strengere Werte, also 1,8 oder 2,8 Prozent. Begehen kann man Zementestrich nach etwa einer Woche bis zehn Tagen – auch er dem Aussehen nach schon nach 24 Stunden trocken ist.

Restfeuchte: Wann darf der Estrich belegt werden
Restfeuchte: Wann darf der Estrich belegt werden

Strenger zu handhaben ist auch Calciumsulfatestrich. Der Restfeuchtegehalte solle 0,5 Prozent, bei Heizestrichen sogar 0,3 Prozent nicht überschreiten. Calciumsulfatestriche härten zwar sehr schnell aus, man kann sie nach wenigen Stunden schon betreten. Das heißt aber nicht, dass man die weitere Aushärtung nicht abwarten muss, bis man den Boden belasten oder belegen kann.

Bei Fließestrich ist zu beachten, dass er für zwei Tage völlig in Ruhe gelassen werden muss, Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung sind zu vermeiden. Nach diesen 48 Stunden sollte man für eine maximale Belüftung sorgen, indem man die Fenster öffnet. Wegen des hohen Wasseranteils dauert es bei Fließestrich besonders lange, bis er trocken ist. Um die Trocknungsdauer zu errechnen, multipliziert man die Schichtdicke mit sich selbst und das Ergebnis mit 1,6.

Manchmal ist es eilig

Wer ungeduldig ist oder gar unter Zeitdruck steht, der kann mit einem schnellhärtenden Estrich arbeiten. Freilich führt dies schnell zu Stress beim Einbau, da diese Estriche recht schnell mit der Aushärtung beginnen. Sinnvoll ist das daher nur bei kleineren Flächen und geringen Dicken – und wenn die Böden tatsächlich auch bald einen weiteren Belag bekommen sollen. Zu berücksichtigen ist, dass diese Estriche bis zu zehn Mal so viel kosten wie herkömmliches Material.

Eine andere Möglichkeit ist, die Belegreife schneller zu erreichen, ist die Beheizung des Raumes. Freilich ist dabei Vorsicht geboten – geht es mit dem Aushärten zu schnell, entstehen Spannungen, die ihrerseits zu Rissen führen können. Am besten informiert man sich genau über die in der DIN EN 1264 Teil 4 festgehaltenen Aufheiz- und Abkühlperioden. Verwendet wird dafür ein Bautrockner, den man nicht kaufen muss, sondern auch mieten kann.

Mit einem Bautrockner die Belegreife beschleunigen
Mit einem Bautrockner die Belegreife beschleunigen

Wenn eine Fußbodenheizung eingebaut ist, kann man diese auch verwenden, um das Austrocknen zu beschleunigen. Bei Zementestrichen muss man damit allerdings mindestens 21 Tage warten, bei Calciumsulfat-Estrichen mindestens sieben Tage. Bei Fließestrichen kann man damit die Trocknungszeit um 30 bis 50 Prozent verringern.

Fließestrich wird über einer Fußbodenheizung verlegt © schulzfoto, stock.adobe.com
Eine Fußbodenheizung kann auch dafür genutzt werden, die Austrocknung des Estrichs zu beschleunigen © schulzfoto, stock.adobe.com

Angeboten werden auch spezielle Grundierungen, die den Estrich nach oben hin zusätzlich absperren. Empfohlen wird dies nur für Estrich ohne Fußbodenheizung, und Teils auch nur bis zu einer Restfeuchte von 4 Prozent. Die Frage ist, wer das Risiko trägt, wenn die Sperre nicht gut genug wirkt – am besten ist es immer noch, mit dem Belegen so lange zu warten, bis nach menschlichem Ermessen nichts mehr schief gehen kann.

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