Der hydraulische Abgleich der Heizungsanlage

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Hydraulischer Abgleich
Hydraulischer Abgleich © ZVSHK

Ob als Empfehlung aus dem Heizungs-Check nach DIN 15378 oder als separate Optimierungsmaßnahme: Der hydraulische Abgleich von Warmwasser-Heizungsanlagen lohnt sich in vielen Fällen. Meist wurde er entweder noch nie durchgeführt, oder es wurden im Laufe der Zeit Veränderungen an dem Heizungssystem oder der Dämmung vorgenommen, ohne die Auswirkungen auf die Gesamteffizienz der Anlage zu berücksichtigen. Der hydraulische Abgleich bewirkt, dass alle Räume gleichmäßig und auf ihren Wärmebedarf hin abgestimmt beheizt werden. Durch die Vermeidung unnötiger Energieverluste lassen sich somit teilweise erhebliche Kosten einsparen. Deutlich vernehmbare Geräusche aus den Rohren oder Räume, die sich unterschiedlich schnell aufheizen, sind deutliche Signale, dass die Anlage nicht effizient arbeitet.

Was ist der hydraulische Abgleich?

Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass nicht mehr Energie verbraucht wird als nötig, aber auch nicht weniger als für ein wohnliches Zuhause benötigt wird. Dass Heizkörper unterschiedlich schnell warm werden, kann unter anderem von der Beschaffenheit der Zuleitungsrohre und der Entfernung zur Heizungspumpe abhängen. Durch breite Rohre fließt das Wasser beispielsweise schneller als durch enge, und den Weg zu einem Heizkörper in der Nähe der Pumpe legt das Wasser schneller zurück als zu einem weiter entfernten. Hinzu kommt, dass ein jeweils unterschiedlicher Energieaufwand dafür benötigt wird. Statt die Ursache dieses Ungleichgewichts zu beheben, neigen viele Immobilienbesitzer dazu, eine viel zu große Pumpe einzubauen oder sie mit viel mehr Energie zu betreiben, als es eigentlich nötig wäre. Hier setzt der hydraulische Abgleich an: Durch eine detaillierte Analyse wird das Heizungssystem so optimiert, dass die Wärme genau dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

Der hydraulische Abgleich wird unter anderem in der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) gefordert. Oftmals wird sie jedoch nicht als Vertragsbestandteil aufgenommen oder der Passus vernachlässigt, so dass der hydraulische Abgleich bei einem Neubau nicht unbedingt immer erfolgt. Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zufolge sind 90 Prozent aller Heizungen in Deutschland nicht optimal eingestellt. Auch größere Umbauten am oder im Haus können dazu führen, dass früher einmal berechnete Werte nicht mehr aktuell sind.

So funktioniert der hydraulische Abgleich

Zunächst wird der Wärmebedarf für jeden einzelnen Raum sowie die aktuell tatsächlich installierte Heizleistung berechnet beziehungsweise gemessen. Daraus ergibt sich unter anderem, mit wie viel Heizwasser der Heizkörper idealerweise bei einer festgelegten Vorlauftemperatur versorgt sein muss. Danach wird das Rohrnetz unter die Lupe genommen. Aus der Analyse der Leitungslängen und eventuell vorhandener Druckverluste ergibt sich die optimale Leistung der Heizungspumpe.

Nun geht es an die Umsetzung der aus den Messungen und Berechnungen gewonnenen Werte. Dazu werden die Thermostatventile auf ihre ermittelte Idealleistung eingestellt. Sind sie schon seit längerer Zeit im Einsatz, kann bei dieser Gelegenheit auch ein kompletter Austausch sinnvoll sein. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an technischen Lösungen, die die Bedienung einer Heizungsanlage sehr komfortabel gestalten können. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Heizungsregelung 2.0.

Ähnliches gilt auch für das Herzstück der Heizungsanlage, die Pumpe. Ihr Druck wird ebenfalls, wenn nötig, an die durch den hydraulischen Abgleich gewonnenen Ergebnisse angepasst. Stellt sich heraus, dass die Heizungspumpe sehr stark überdimensioniert ist oder nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entspricht, kann über den Austausch gegen ein effizienteres Modell nachgedacht werden. Mehr über die Nutzung effizienter Heizungspumpen lesen Sie hier.

Kosten und Nutzen

Bei der Entscheidung für oder gegen den Austausch kompletter Komponenten spielt der Kostenfaktor in der Regel eine entscheidende Rolle. Er ist nicht pauschal zu beziffern und hängt von den Gegebenheiten vor Ort ab. Die Preise für einen hydraulischen Abgleich der Heizungsanlage können bei einem Einfamilienhaus zwischen 300 und 1.300 Euro variieren – Je nachdem, ob gleichzeitig auch neue Thermostatventile und/oder eine neue Heizungspumpe eingebaut werden.

Der Investition stehen Einsparungen gegenüber, für die es ebenfalls Richtwerte gibt. So schreibt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, dass durch den hydraulischen Abgleich bei einem 125 Quadratmeter großen und 1983 erbauten Einfamilienhaus mit Heizkosten von 1.450 Euro die Ausgaben um jährlich rund 110 Euro reduziert werden könnten.

Über das Finanzielle hinaus ergeben sich für den Verbraucher weitere Vorteile: Die Räume werden gleichmäßig warm, und etwaige störende Geräusche in den Rohren oder der Anlage werden eliminiert. Last but not least beruhigt die in der Regel signifikante Reduzierung des Kohlendioxidausstosses das grüne Gewissen.

Hier gibt’s Unterstützung

Der hydraulische Abgleich wird in der Regel von Heizungsfachbetrieben, Handwerkern, Schornsteinfegern und Energieberatern angeboten. Es empfiehlt sich, mehrere Angebote einzuholen und die potenziellen Kandidaten auf ihre Qualifizierung hin zu prüfen. So sollte der Fachmann beispielsweise Auskunft zu den in etwa zu erwartenden Kosten und Ersparnissen geben und Immobilien oder Projekte benennen können, in denen er den hydraulischen Abgleich bereits durchgeführt hat.

Finanziell besteht die Möglichkeit, sich unter bestimmten Umständen von der KfW-Bank unter die Arme greifen zu lassen. Förderfähig ist der hydraulische Abgleich beispielsweise beim Austausch der Heizungsanlage. Bezüglich der Notwendigkeit dieser Maßnahme bestehen bei der KfW übrigens keine Zweifel: „Ohne hydraulischen Abgleich kein Geld für die neue Heizung. Punkt!“

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